Weihnachtshäppchen – Dietmar Hesse

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 


Dietmar Hesse  hat nach den Vorgaben von Thea Campbell eine norddeutsche Weihnachtsgeschichte geschrieben

Schnee
Rudolf das Rentier
Weihnachtsessen
Weihnachtsgebäck
Bescherung

Winter an der Küste – Dietmar Hesse mit Wörtern von Thea Campbell

Vor dem Fenster tanzten die Flocken lustig in der leichten Brise und bedeckten die Landschaft mit Schnee. Gemeinsam hatten sie beschlossen, die Heimat an der Nordsee zum Fest zu besuchen. Sie, um die Familie zu sehen. Er wollte Freunde aus dem Büro treffen. Das alles erschien ihm wie ein Schritt durch das Tor der Vergangenheit.
Er fühlte sich in der Wärme der Toskana in der letzten Zeit zuhause. In Gedanken hatte er den Norden Deutschlands schon lange hinter sich gelassen. Der Anblick der Dünen unter der Decke aus weißer Pracht ließ ihn jedoch lächeln.
Neben ihm drehte sich Eva seufzend auf die andere Seite und schlief entspannt weiter. Er betrachtete ihr Gesicht eine Weile, dabei fragte er sich: Womit habe ich mir diese Traumfrau verdient? Hier fühlte sich alles anders an. Es war die Stille. Leises Rauschen der See, das zwischen den Dünen einen Weg zu seinem Ohr fand, versprach ruhige Tage.
Der betörende Duft frisch aufgebrühtem Kaffees schwebte ihm von unten herauf in die Nase. Frau Harmsen breitete das Frühstück zu.
Lächelnd wendete er sich Eva zu und stupste sie liebevoll an. »Der Kaffee ist fertig«, sang er ihr sanft das Lied ins Ohr.
Sie räkelte sich, grummelte etwas Unverständliches und sah ihn dann fragend an. »Wwwas ist fertig?« Verschlafen setzte sie sich auf.
»Die Vermieterin bereitet das Frühstück. Wir sollten uns anziehen. Ein wenig frisch machen.«
»Wie spät ist es denn?«
»Kurz vor acht.«
»Ich schlafe hier so lange, das liegt bestimmt an der Stille. Kein Vogel weckt mich.«
»Die Möwen stehen an der Küste nicht so früh auf.« Grinsend ging er ins Bad.
Eva warf ihm ein Kopfkissen hinterher. »Du …«

»Moin mien Deern, du siehst hungrig aus. Kaffee oder Tee?« Sie strahlte über das runde, fast faltenlose Gesicht. Nur die graue Haarpracht ließ ihr Alter erahnen.
»Bitte einen Kaffee.«
Die dampfenden Tassen stellte sie zusammen mit einem Teller Weihnachtsgebäck auf dem Tisch ab, und fragte augenzwinkernd: »Wie wollt ihr das Ei? Gekocht, gerührt oder als Spiegelei?«
»Rührei«, flüsterte Eva am heißen Nass nippend.
Das Frühstück war genau das, was sie jetzt brauchten. Frau Harmsen erfüllte alle Wünsche. Gesättigt zogen sie die warmen Stiefel und Jacken an.
Sie hatten sich einen Strandspaziergang vorgenommen. Bei jedem Schritt knirschte es unter den Sohlen, so frostig war es.
Eva sah einfach lustig aus mit der bunten Pudelmütze. Verspielt wie kleine Kinder liefen sie immer wieder los, bewarfen sich lachend mit der weißen Pracht. Vor der Düne schmissen sie sich in den Schnee, um Schneeengel zu zeichnen.
Verschmitzt betrachteten beide das Ergebnis. Jan küsste Eva und räusperte sich, sie in den Arm nehmend.
»Du, mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken an den heutigen Abend. Das Weihnachtsessen liegt mir schwer im Magen. Heiligabend ist doch was Persönliches. Ihnen an einem Familienfest als Fremder zu begegnen… Muss ich da wirklich mit?«
»Wenn du jetzt den Schwanz einziehst, bin ich dir ernstlich böse, Jan van den Books.« Durchdringend sah sie ihm in die Augen. »Sie freuen sich darauf, dich als den Mann an meiner Seite kennenzulernen. Es ist nur ein Essen in der Fischerhütte. Das gemütliche Lokal am Hafen wird dir gefallen.«
Jan lachte Eva an und drückte sie fest. »Dann habe ich wohl keine Wahl, will ich es mir mit dir nicht verscherzen. Wir bestellen uns zu sechs eine Taxe, das sollte passen.«
Auf dem Weg zurück schlenderten sie an einem Spielplatz vorbei. Die Kleinen waren aufgeregt. Sie umschwärmten etwas, von dem nur zwei Stangen über den Köpfen der Kinder hervorlugten.
Neugierig traten Jan und Eva näher heran. Ein freundlicher Mensch hatte den Zwergen für diesen Tag einen Schlitten hingestellt. Gezogen wurde der von Rudolf, dem Rentier mit der roten Nase. Die Kids streichelten und knuddelten das Tier. Ein besonders mutiger Knabe versuchte, auf den Rücken zu klettern. Einen Moment sahen sie dem lustigen Treiben zu, dann gingen sie lächelnd weiter, verzaubert von der schönen Idee.
Der Taxifahrer stand pünktlich vor der Tür, sie abzuholen. Kaum aus dem Ort raus bog er ab auf den Dammweg. Zehn Kilometer geradeaus bis zum Ziel. Um diese späte Stunde an solch einem Tag waren sie die Einzigen auf dem Weg. Die Beiden saßen turtelnd auf der Rückbank. Auf halber Strecke stotterte der Motor des Wagens, der bockte noch zweimal und blieb stehen.
Der Fahrer zuckte mit den Schultern. »Irgendwas kaputt«, raunte er sich in den Bart. Dann rief er über Funk die Zentrale an.
»Heute, um die Uhrzeit? Da draußen, das dauert. Macht euch auf eine lange Nacht gefasst. Hast du Decken dabei?«
»Sie haben es gehört, das kann dauern.« Entschuldigend sah er sie an.
Eva kramte ihr Smartphone aus der Tasche. »Verflixt, kein Empfang. Die Eltern sollen nicht auf uns warten.«
Jan sah sich um. »Da vorne, nicht weit weg, ist ein kleines Haus. Da ist Licht in den Fenstern. Lass uns versuchen, von dort zu telefonieren.«
Beide stiegen aus dem Auto und machten sich auf den Weg. Im diffusen Mondlicht war zu sehen, dass Rauch aus dem Schornstein aufstieg. »Nur ein Anruf, wir wollen die Leute nicht beim Fest stören«, meinte Jan. Arm in Arm stapften sie durch den Schnee auf das Anwesen zu.
An der Tür angekommen, suchten sie vergeblich nach einer Klingel. Eva verlor die Geduld und klopfte laut.
Eine gebückt gehende alte Frau öffnete kurz darauf. »Oh, Frömm. Moije Wiehnachten. Kümmt in, buten is dat koolt. Streift euch bitte vorher die Schuhe ab. Der kleine Ofen schafft das ganze Haus nicht.« Eilig schloss sie hinter ihnen die Tür. »Jacken da aufhängen, und dann rinn in die gute Stube.
»Oh Minchen, Gäste! Stell noch zwei Teller auf den Tisch.« Ein alter Mann in Fischerkleidung erhob sich, um ihnen die Hand zu geben.
Jan druckste verlegen. »Wir wollten nur nach einem Telefon fragen. Hier hat das Handy keinen Empfang«.
»Dieser moderne Kram.« Mit einer einladenden Handbewegung zeigte er auf ein grünes Monstrum mit Wählscheibe.
Das hatte Eva schon lange nicht mehr gesehen. Sie wählte die Nummer ihrer Eltern, erklärte, warum sie heute nicht kommen konnten und legte dann schmunzeln auf. »Morgen sind sie bei uns«, meinte sie zwinkernd zu Jan. »Sie wollen dich kennenlernen.«
»Setzt euch, Lüüd. Gleich steht das Essen auf dem Tisch. Minchen kocht immer zu viel. Ihr seid eingeladen.«
Es gab ein Fischgericht, die beiden Alten erzählten von ihrem Leben als Fischer. Glückliche Zeiten hatten sie hier erlebt. Jetzt verbrachten sie die letzten Jahre in ihrem Häuschen und freuten sich auf jeden neuen Tag. Im Hintergrund stand ein kleiner Weihnachtsbaum, geschmückt mit Äpfeln und anderen Dingen, die Jan an die Kindheit erinnerten. An ihm brannten richtige Kerzen. Darunter lagen keine Päckchen. Jan sah fragend zu dem alten Fischer.
»Bei uns fällt die Bescherung aus, wir sind uns Geschenk genug. Das werdet ihr auch bald verstehen, wenn ich euch so ansehe.« Schmunzelnd blickte der Jan und Eva an.
Es klopfte an der Tür. Der Taxifahrer stand davor.
»Mein Kollege ist mit dem Ersatzfahrzeug da. Sie können weiterfahren.«
Sie verabschiedeten sich von den netten Gastgebern, wurden gedrückt und ein freundliches Winken begleitete sie auf dem Weg zur Straße.
Auf dem Rücksitz sagte Jan zum Fahrer: «Bitte zu unserer Unterkunft.«
Dann nahm er Eva in den Arm und gab ihr einen langen Kuss. »Das war ein wunderschöner Heiligabend mit dir.«

Weihnachtshäppchen – Kathrin Lichters

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 

***Wunderküsse – Eine Lesehäppchen zur Weihnachts-Indie-Author-Challenge***

Kathrin Lichters hat die Wörter von Anie Salvatore erhalten und daraus diese Geschichte gemacht:

Vanillekipferl
Christbaumständer
Weihnachtsengel
Glühwein
Nikolaus

Das erste Jahr ohne sie würde ein bedrücktes Weihnachtsfest werden, soviel stand fest. Helen blickte traurig auf den Weihnachtsengel in ihrer Hand, der Kindheitserinnerungen in ihr weckte, die sie ein wenig trösteten. Vor über zwanzig Jahren hatte sie ihn mit ihrer Großmutter gebastelt. Solche Gegenstände waren ihr im Moment unglaublich wichtig. Vor Jahren hätte sie sie noch überstürzt in die Ecke geräumt, weil sie alt und nicht modern genug für ihre schicke Wohnung waren. Doch mit dem Verlust von ihrer geliebten Großmutter, die sie großgezogen hatte, sah das nun anders aus. Plötzlich waren diese unbedeutenden Kleinigkeiten besonders wichtig. Lag es an ihrem Alter, das ihr manche Dinge auf einmal klarer waren?
Der Ruf ihres Bruders hallte durch die Räume und Helen sah sich zu ihm um. Ein Ungetüm von Weihnachtsbaum wurde gerade in ihr Wohnzimmer geschleppt. Zwischen den grünen Ästen tauchte endlich Ralf auf, dessen Brille nur noch an einem Ohr baumelte. Er grinste sie schief an. „Du glaubst nicht, wen ich getroffen habe, Helen.“
„Wen?“, horchte sie nur wenig interessiert nach.
„Mich!“, ertönte es vom anderen Ende des Baumes und erst jetzt fragte Helen sich, wer diesen Wahnsinnsbaum mit Ralf getragen hatte. Ein paar Tannennadeln stachen in den blonden, mit Gel modellierten Haaren hervor, die Wangen waren von den Minusgraden ganz gerötet, aber diese Augen … Diese Augen hätte Hellen überall erkannt.
„Lars?“, wisperte sie und fürchtete, bereits an den Krümeln des Vanillekipferls, den sie vor Kurzem gegessen hatte, zu ersticken. Ihr Herzklopfen nahm Fahrt auf, wie ihr alter rostiger Polo. Er lächelte, so anziehend wie vor einem Jahr zuvor. Verdammt, wie sah sie nur aus? Das war so typisch! Ihr Bruder schleppte den einzigen Kerl in ihrer Wohnung an, den sie unter keinen Umständen wiedersehen durfte. Eine Wohnung, die sie sich im Moment mit ihm teilte, weil seine Frau ihn für eine andere verlassen hatte. Da stand sie also mit ihren dreißig Jahren, dem mehlverschmierten Pullover, der sie nicht unbedingt schlanker machte, einem gebrochenen Herzen und betrachtete nun Lars, den verlobten Mann, an den sie ihr Herz verloren hatte. Sie blickte in seine dunkelblauen Augen, während Ralf dieses Ungetüm in den Christbaumständer wuchtete und beinahe dabei umfiel. Keiner der beiden schien es zu bemerken, denn Lars trat nur einen Schritt näher auf sie zu, wodurch Helen nach Luft schnappte.
„Helen … schön, dich zu sehen“, murmelte er leise.
„Ja, das muss ja ewig her sein …“ Auf den Tag ein Jahr, erinnerte sie sich bedrückt. Helen hielt inne und dachte an den Kuss, der sie vor einem Jahr alle Zelte in dem Ort, wo sie aufgewachsen war, hatte abbrechen lassen. Ein untrügliches Gefühl beschlich sie, dass er auch an diesen Moment zurückdachte. Damals war Lars in einer langjährigen Beziehung gewesen und hatte wochenlang dabei geholfen, ihrer Großmutter den Garten zu verschönern, weil sie es nicht mehr allein schaffte. Sie hatte sich Hals über Kopf in den Mann verliebt, der schon immer mit ihrem Bruder befreundet gewesen war und mit dem sie mehr Zeit verbracht hatte, als es sich gehörte – zumindest, wenn er verlobt war. Mit gebrochenem Herzen hatte sie sich zurückgehalten, weil sie eben nicht zu den Frauen gehörte, die anderen ihre Männer ausspannte. Doch dann hatte ihre Großmutter das übliche Nikolausfest gefeiert, mit Glühwein, selbst gebackenen Plätzchen und ihren selbstgestrickten Socken. An diesem Abend hatte es einen Moment gegeben, in dem sie sich sicher war, sich die unzähligen Blicke und Vertrautheiten von ihm nicht eingebildet zu haben. Im Schuppen, auf der Suche nach einem Handfeger, war es zu einem einzigen und wahrhaft unvergleichlichen Kuss gekommen, der Helen am nächsten Tag veranlasst hatte, ihre Sachen zu packen und Lars nie wiederzusehen. Das hatte nicht gut geklappt, wie sie jetzt einsehen musste. Denn auch ein Dorf weiter schleppte ihr Bruder ihn nun an. Doch wie hätte sie Ralf einen Vorwurf machen können, wo er doch nichts von diesem schwachen Moment wusste.
„Das mit deiner Großmutter tut mir leid, ich habe davon gehört, aber ich wusste nicht, ob du mich auf der Beerdigung sehen wolltest.“
„Danke, es ist schon … okay“, wich sie ihm aus. „Ich … bin noch mit den Keksen beschäftigt … ähm, und lass euch mal allein.“ Damit floh sie aus dem Wohnzimmer, obwohl Ralf ihr irritiert nachrief, sie solle ihm doch beim Baumaufstellen helfen.
Lars folgte ihr jedoch in die Küche und sagte eifrig: „Ich weiß, dass es womöglich viel zu spät ist, um über diesen Kuss zu reden, aber …“
„Das könnte man so sagen“, stieß sie überrascht aus und sah bestürzt, wie er die Entfernung zu ihr immer weiter verkleinerte und ihr näherkam.
„Du bist damals einfach weg gewesen …“
„Wehe dir, du schiebst mir die Schuld zu. Du bist mit einer anderen verlobt, erinnerst du dich? Ich habe mich so schlecht gefühlt, weil ich … wir …“
„Deine Großmutter hat mich dazu angehalten, dich nur aufzusuchen, wenn ich meine Angelegenheiten geregelt habe und …“
„Sie hat was?“, entfuhr es Helen überrascht. Hatte sie es gewusst? Nun ließ Lars die Schultern hängen.
„Sie wollte nicht, dass du die andere Frau wirst und sie hatte recht. Denn dann hätte ich alles ruiniert. Nachdem ich mich von Kathleen getrennt hatte, wollte ich einen Neuanfang und regelte alles. Danach habe ich von dir und Erik erfahren und als deine Großmutter starb, wusste ich nicht …“
„Timing war nie unsere Stärke, oder?“, fragte Helen leise und ihre Mundwinkel hoben sich, obwohl sie Tränen in den Augen hatte.
Lars lächelte ebenfalls. „Du hast dich von Kathleen getrennt?“, wisperte sie mit erstickter Stimme.
Ein Nicken folgte und Lars überbrückte die letzte Distanz zu ihr. „Ich kam heute her, weil es genau heute ein Jahr her ist, dass du mein Leben auf den Kopf gestellt hast. Ich konnte nur noch an diesen Kuss denken und die Gefühle, die er in mir ausgelöst hat.“ Seine Hände streichelten über ihre Wangen, die sicher voller Mehl waren.
„Dann bist du gar nicht wegen Ralf hier.“
„Ich bin wegen dir hier. Genau genommen bin ich hier, um das zu tun.“ Eine Hand strich durch ihr lockiges Haar und umfing ihren Nacken, während die andere an ihrer Taille blieb, wo er sie zu sich heranzog, bis ihre Körper sich berührten und sein Mund ihre Lippen verschloss. Zuerst zärtlich, später inniger küssten sie sich und es war noch viel besser als in dem Jahr zuvor.

Weihnachtshäppchen – Ava Innings / Viola Plötz

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 

Ava Innings/Viola Plötz stellt sich der Herausforderung und den Worten von Nina Grey.

Schneeflocken
Lichterketten
Weihnachtsleckereien
geschmückte Fenster
Familie

Chandler sah sich in dem Haus, in dem Willow aufgewachsen war, um. Es wirkte warm, einladend und behaglich und stand daher in krassem Widerspruch zu Willows Erzählungen. Chandler warf einen Blick zu seiner Freundin, die an einem der geschmückten Fenster stand, hinaus in die Nacht stierte und verzweifelt versuchte, ihre Schwester zu erreichen.

„Ich weiß nicht wo Harper steckt“, wisperte sie fast verzweifelt, als Chandler sich hinter sie stellte und seine Hände beruhigend auf ihre Schultern legte. Als er merkte, wie sie sich entspannte, trat er dichter an sie heran und umarmte sie.

Willow wölbte ihm ihren Rücken entgegen, neigte den Hals und forderte ihn stumm dazu auf, diesen zu küssen. Chandler tat es. Er schloss die Augen, rieb seine Nase über Willows Hals und knabberte an ihrem Ohrläppchen.
„Du bist so schön!“, raunte er ihr zu.
Willow schmunzelte unwillkürlich. „Ich bin so froh, dass du bei mir bist.“
„Ich bin froh, dass ich bei dir sein darf. Jeden Tag auf ein Neues!“, versicherte er ihr.

Er betrachtete ihr gemeinsames Spiegelbild in der Fensterscheibe. Willow, klein, zierlich, blond und quirlig wirkte seit ein paar Tagen wie verändert, doch Chandler sorgte sich nicht. Er war sich sicher, dass ihr sonderbares Verhalten nichts mit ihm zu tun hatte, sondern lediglich mit diesem Tag hier.

Chandler nahm sich vor, sich nicht von den Lichterketten, den Weihnachtsleckereien, vor allem jedoch von den Worten seiner Schwiegereltern in spe einlullen zu lassen. Willow fühlte sich unwohl. Sie war das reinste Nervenbündel und er war sich sicher, dass daran ihre Eltern, die sich bisher nett und charmant gezeigt hatten, schuld waren und genau deshalb sehnte Willow sich nach Harper. Ihre Schwester war stets ihre Verbündete gewesen, ihre Rückendeckung, doch jetzt war er an ihrer Seite und …
Ein Räuspern hinter ihm ließ ihn aufblicken.
„Ihr seid so ein nettes Paar“, säuselte Willows Mutter und fügte dann hinzu: „Vom Größenunterschied hat Patric zwar deutlich besser zu dir gepasst, Liebes, aber immerhin hat Chandler im Vergleich zu diesem unsäglichen Strider einen ordentlichen Beruf.“

„Auch noch Ansprüche stellen, man sollte meinen Millionär sei Millionär“, raunte Chandler Willow kaum hörbar zu und entlockte ihr ein amüsiertes Glucksen.
Laut sagte er: „Weihnachten ohne Schnee ist kein echtes Weihnachten.“
„Wie recht Sie haben, mein Lieber! Aber wir sind hier in Kalifornien und mit dem Schnee nicht so verwöhnt, wie Sie von der Ostküste.“
Zu Willow sagte Chandler im Flüsterton: „Ich liebe es, wenn ich meinen Kopf in den Nacken lege, die Zunge rausstrecke und Schneeflocken darauf fallen.“
Sie sah ihn an und ihre Augen funkelten amüsiert. Chandler mochte, wie Willow ihre Nase krauszog, wenn sie lachte. Er legte eine Hand an ihre Wange und küsste sie sachte auf den Mund.

Während des Essens musste er Willows Eltern Rede und Antwort über seine Absichten in Bezug auf ihre Tochter stehen. Bereits nach dem Kommentar hinsichtlich des Größenunterschiedes zwischen Willow und ihm war Chandler klar gewesen, dass er nicht als die Nummer eins bei der Partnerwahl für Willow galt. Er ignorierte die weiteren, zahlreichen Spitzen, die Willow und ihm deutlich machen sollten, dass Patric der bevorzugte Schwiegersohn wäre, denn obwohl Chandler noch immer unsicher war, so interessierte es ihn nicht im Geringsten, was die Ramseys von ihm hielten. Er wusste, dass Willow ihn glücklich machte und er sie und alles andere war ihm schlicht und ergreifend egal.

Später, als sie zusammen im Bett in seiner Penthouse-Wohnung, in die Willow vor Kurzem gezogen war, lagen, sagte Willow: „Es tut mir so leid. Es war ein furchtbarer Abend und du hast das wirklich nicht verdient.“
Chandler drehte sich auf die Seite, er spielte mit Willows Locken und erwiderte: „Es war ein wundervoller Abend, weil ich ihn mit dir verbringen durfte.“
„Du bist so lieb und einfach zu gut für diese Welt.“ Sie seufzte leise und schwermütig. Chandler wusste, dass ihr all die verletzenden Worte zugesetzt hatten. Die unterschwellige Feindseligkeit, die in jeder gesprochenen Silbe mitgeschwungen hatte, nagte nun an Willow.
„Lass uns etwas vereinbaren“, sagte Chandler und betrachtete Willow liebevoll.
„Was denn?“
„Lass uns vereinbaren, dass nur wir zählen. Nur du und ich. Lass uns abmachen, dass es egal ist, was andere über uns denken und dass wir uns immer unterstützen und wertschätzend behandeln. Lass uns daran arbeiten, dass wir uns erhalten, was wir jetzt für einander empfinden. Ich weiß, dass das nicht immer einfach sein wird, denn im Laufe der Zeit werde ich dich enttäuschen und du mich. Es werden kleine oder vielleicht sogar große Enttäuschungen sein, aber ich möchte, dass wir uns nicht auf diese konzentrieren, sondern auf all das Gute und Richtige, denn du bist gut und richtig. Um genau zu sein, bist du perfekt für mich und ich liebe dich von ganzem Herzen. Du bist meine Familie.“
Willow blinzelte gegen die Tränen an und erwiderte leise: „Und du bist meine.“

Rezension – Novemberschokolade

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Autorin: Ulrike Sosnitza Titel: Novemberschokolade Genre: Roamn Version: eBook und Taschenbuch erschienen: 11. Okotber 2016 Seiten: 368 Altersempfehlung: Erwachsene Verlag: Heyne Die Autorin Ulrike Sosnitza, 1965 in Darmstadt geboren, ist seit ihrer frühesten Jugend schokoladensüchtig. Die frühere Bibliothekarin lebt mit … Weiterlesen

Rezension – Weihnachtspunsch und Rentierpulli

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Autorin: Debbie Johnson Titel: Weihnachtspunsch und Rentierpulli Genre: Weihnachtsuch Version: eBook und Taschenbuch erschienen: 11. Oktober 2016 Seiten: 257 Altersempfehlung: Erwachsene Verlag: Heyne  Debbie Johnson ist eine Bestsellerautorin, die in Liverpool lebt und arbeitet. Dort verbringt sie ihre Zeit zu … Weiterlesen

Rezension – Cherringham – ungebetene Gäste – Weihnachtsspecial

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Autor: Matthew Costello Autor: Neil Richards Titel: Cherringham – Ungebetene Gäste Genre: Krimi, Weihnachtsbuch Version: eBook erschienen: 18. Oktober 2016 Seiten: 128 Altersempfehlung: Erwachsene Matthew Costello ist Autor erfolgreicher Romane wie Vacation (2011), Home (2014) und Beneath Still Waters (1989), … Weiterlesen

Weihnachtshäppchen Marlies Borghold

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 

Marlies Borghold stellt sich der Herausforderung von Sonja Batzdorf und ihren Vorgaben:

Kinderlachen
Adventskranz
Schneeflocke(n)
Weihnachten
Schokoladenweihnachtsmann‬.

***

Toni konnte es nicht ertragen, dieses Getue um Weihnachten, und schaltete den Fernseher aus. Als wenn so ein Schokoladenweihnachtsmann, ob lila oder bunt, ein einziges Kinderlachen hervorlocken könnte! Als wenn man jetzt nur noch tonnenweise Plätzchen backen, tausende Weihnachtsmärkte besuchen und zig Hektoliter Glühwein trinken würde! Als wenn alle miteinander plötzlich fröhlich und friedvoll wären! Ein fünfzigjähriger eingefleischter Junggeselle wusste Bescheid. »Was für ein verlogener Scheiß!«, höhnte er und machte sich schwerfällig auf. Es war Zeit fürs Bett, schließlich begann der nächste Arbeitstag früh.

***

 »Fröhöliche Weihnacht überall«, trällerte Sonja, während sie die Kerzen des Adventskranzes ausblies, sich danach ihre rote Jacke überwarf und hinausging. Sie freute sich. Nach der Arbeit wollte sie mit ein paar Kollegen über den Weihnachtsmarkt bummeln. Das volle Programm: Glühwein, Bratwurst, Karussells, Kinderlachen. Ihre Trauer hatte Sonja überwunden, zumindest einigermaßen. Natürlich musste sie sich hin und wieder dazu zwingen, an ihre alte Lebensfreude anzuknüpfen, was gerade in dieser Zeit schwerfiel. Natürlich weinte sie ab und an, auch nach vier Jahren. Aber Arno hätte nicht gewollt, dass sie sich zurückzöge. Niemals! Das Wetter trug zu ihrer guten Laune bei. Es schneite! Der erste Schnee! Ein dicker weißer Teppich legte sich über die Stadt, verschluckte den Lärm. Grinsend trat sie auf den Gehweg, hob das Gesicht und ließ die Schneeflocken auf ihrer ausgestreckten Zunge schmelzen. In diesem Moment fühlte sie sich wie fünf und nicht wie fünfzig.

***

»Schnee!«, grummelte Toni und stieg missmutig aufs Rad. Hätte er doch vorher bloß aus dem Fenster geschaut. Jetzt war es zu spät für den Bus. Er bliebe besser auf dem Bürgersteig. Gott, er hasste diese Zeit, das Wetter und alles, was dazugehörte. Er sollte … Rums! – Ein Schrei! Etwas Rotes flog ihm direkt vors Rad und jaulte mitleiderregend auf. Was für ein Hornochse war das denn?

***

 »Sie Hornochse«, brüllte Sonja. Irgend so ein Idiot hatte sie unsanft aus ihren Träumen geholt. Nun lag sie im Schnee, und ihr Fußknöchel schmerzte höllisch.
»Passen Sie doch auf!«, raunzte eine männliche Stimme.
»Ich? Sie haben mich über den Haufen gefahren! Au verflixt!«, jammerte sie, als sie aufzustehen versuchte.
Das Fahrrad wurde zur Seite gestoßen. Der Mann beugte sich über sie. Blaue Augen musterten sie besorgt. »Warten Sie! Nicht aufstehen! Ich rufe die Ambulanz!«
»Quatsch, ich kann den Fuß noch bewegen. Außerdem wird mir kalt. Würden Sie mir wohl bitte aufhelfen?«
»Natürlich. Tut mir leid.«
»Das sollte es auch!«, blaffte Sonja den Mann an, während er sie auf die Füße zog. Dabei kamen ihr die Tränen, vor Schmerz und weil der Tag nun keinen Weihnachtsbummel beinhalten würde. Offenbar hatte sie sich den Fuß verstaucht. Mist! »Ich muss zurück ins Haus.«

***

»Und ich muss zur Arbeit, bin eh spät dran«, schoss Toni ungehalten zurück. Er hatte eine Frau umgefahren, sah ihre Tränen und dachte über seine ungeliebte Arbeit nach. So ein Schwachsinn! Ihn packte das schlechte Gewissen. »Tztz, falls Sie wenigstens die Freundlichkeit besäßen, mich hineinzubegleiten, Herr, ähm, …«
»Kaiser. Toni Kaiser. Ja, sicher.« Er stützte sie, damit sie ins Haus gehen und sich setzen konnte. Die Küche wirkte gemütlich, trotz des ganzen Weihnachtsschnickschnacks.
»Danke. – Ihre Arbeit ruft.« Sie ließ ihre braunen tränennassen Augen blitzen. »Ich komme schon zurecht.«
»Ganz bestimmt nicht«, erwiderte er. »Ihr Knöchel muss gekühlt werden. Sie brauchen einen Verband.« Toni nahm ein Handtuch vom Haken, hielt es unter den Wasserkran und machte sich damit am lädierten Knöchel der Frau zu schaffen.
»Nein!«, schluchzte sie nun. »Hauen Sie einfach ab!«
»Bitte nicht weinen. Haben Sie Schmerzmittel hier? Wie heißen Sie überhaupt?«
»Ach, lassen Sie mich in Ruhe! Ich wollte heute nach der Arbeit auf den Weihnachtsmarkt und hatte mich so darauf gefreut.« Sie betrachtete Tonis laienhaften Verband und schmunzelte trotz der Tränen. »Ich heiße Sonja König.« »Nun denn, Sonja. Jetzt rufen wir beide erst einmal unsere Arbeitgeber an. König meldet sich krank, und Kaiser nimmt Urlaub.« Damit brachte er sie zum Lachen, einem hellen Lachen, das seltsamerweise sein Herz bewegte.

***

Am Nachmittag roch es in Sonjas Wohnung nach Glühwein, Bratwurst und Keksen. Kinderlachen und Weihnachtsmusik drang aus dem Handy, das Toni ihr ans Ohr hielt. Wenn der König nicht zum Weihnachtsmarkt gehen könnte, müsste der Kaiser ihm diesen halt bringen, hatte Toni schlicht gesagt.

***

Und der Kaiser blieb beim König.

***

Indie-Autoren – Weihnachtshäppchen

Die Indie-Autor-Challenge ist eine Aktion, die schon seit März 2015 läuft und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Jetzt haben sich einige Autoren zu Weihnachten etwas tolles ausgedacht:

Hier habe ich die Autoren und Leser aufgeführt, sowie die Begriffe, die in der Geschichte vorkommen müssen. Nach und nach stelle ich hier den entsprechenden Link ein.


Viola Plötz– Nina Grey:
Schneeflocken, Lichterketten, Weihnachtsleckereien, geschmückte Fenster, Familie
Link zu ihrer Geschichte


Any Swan – Marina Doldd
Zimtsterne, Schneekugel, Duftkerze, Geschenk und Schneeflocken…


Nicole König – Elke Büchner
Krippenspiel Weihnachtsbaum, Weihnachtsmarkt, Adventskranz, Geschenke

Mila Summers – Ulrike Meiss
Bratapfel, Strohsterne, Krippe, Chorgesang, Blockflötenkonzert
Link zu ihrer Geschichte

Marlies Borghold – Sonja Batzdorf:
Kinderlachen , Adventskranz , Schneeflocke(n) , Weihnachten , Schokoladenweihnachtsmann‬
Link zu ihrer Geschichte

Medusa Mabuse – Nicole Berger:
Christmette, Schneegestöber, Weihnachtsschmaus, Familientreffen, Baumschmuck


Dietmar Hesse – Thea Campbell
Rudolf das Rentier, Weihnachtsessen, Schnee, weihnnachtsgebäck, Bescherung
Link zu seiner Geschichte


Kathrin Lichters – Anie Salvatore Autorin 
Vanillekipferl, christbaumständer, Weihnachtsengel, Glühwein, Nikolaus
Link zu ihrer Geschichte

Denise Wolf – Sabsy Grab:
Heiße Schokolade mit Schuß, Maronen, Kaminfeuer, Schnee, Mistelzweig


Bettina Betty Kiraly Kay – Martina König
Tannenzapfen, Zimtsterne, Schneegestöber, Eierpunsch, Schlittschuhe
Link zu ihrer Geschichte

Rezension – Kapitulation des Herzens (Drei einsame Herzen-Reihe Teil 3): Historischer Liebesroman

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Autorin: Ester D. Jones Titel: Kapitulation des Herzens Genre: Liebesroman Version: eBook erschienen: 10. Dezember 2016 Seiten: 135 Altersempfehlung: Erwachsene Ester D. Jones ist das Pseudonym der 1979 geborenen niederösterreichischen Autorin Bettina Kiraly. Ihre Texte beschäftigen sich mit der Frage, … Weiterlesen

Rezension – Sandy Claus – Santas Tochter

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Autorin: Ashley Gilmore Titel: Sandy Claus – Santas Tochter Genre: Weihnachtsbuch Version: eBook und Taschenbuch erschienen: 1. November 2016 Seiten: 142 Altersempfehlung: Erwachsene Ashley Gilmore ist das Pseudonym einer Hamburger Autorin. In der Princess-in-love-Reihe lässt sie die Töchter der klassischen … Weiterlesen