Indie-Autoren-Challenge Birgit Loistl

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:



Birgit Loistl, ein Kind der späten Siebziger Jahre,
lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern an
einem See in der Nähe von München.

Ihr Debutroman \“Forever Lizzy\“ ist im Februar 2015
erschienen und der erste Band der \“Silky Oaks Lovestories\“.

Sie mag die Farbe lila, Gewitter und Nougatschokolade.
Fünf Dinge, die fast niemand über mich weiß: –

Ihre Bücher, die bei Amazon erworben werden können: klick mich

Ich, Birgit Loistl bin von der sehr lieben D.L. Andrews nominiert worden. Ziel war es mit 15 vorgegebenen Wörtern eine Kurzgeschichte mit maximal 3 Seiten zu schreiben. Mit folgenden Wörtern musste ich arbeiten:

1. Baby
2. Verlust
3. Selbstzweifel
4. Alkohol
5. Drogen
6. Chirurg
7. Liebesbrief
8. Mülleimer
9. Unfall
10. Eltern
11. Roboter
12. Schneesturm
13. Vertrauensbruch
14. Verrat
15. Einsamkeit

Hier meine Geschichte:
„Eine wunderschöne Nacht wünsche ich Euch, wo immer ihr auch seid. Hier spricht Annabelle von Radio Neo München und ihr hört Dreamnight, die beste Nachtshow der Stadt. Nun spiele ich euch die bezaubernde Sandy McDonald mit ihrem neusten Hit Sweet Kisses und anschließend erwarte ich meinen nächsten Anrufer. Ruft mich an!“
Ich drücke den roten Knopf an meinem Mikrofon und nehme den Kopfhörer ab. Marc, mein Aufnahmeleiter, steht einige Meter von mir entfernt hinter einer Glaswand und wedelt mit einem Blatt Papier in seiner Hand. Genervt schüttle ich den Kopf und stöhne laut auf. Nicht schon wieder! Marc scheint meinen Gesichtsausdruck richtig zu deuten. Er öffnet die Studiotür und steckt seinen Kopf herein. „Es wurde schon wieder ein Liebesbrief für dich beim Pförtner abgegeben. Hast du Paul nicht gesagt, dass er einen Gang herunterschalten soll?“
„Doch“, seufze ich und strecke die Hand aus, als Marc näher kommt und mir den Brief reicht. Ich weiß, was darin steht. Dass er sich in mich verliebt hat und mir die Sterne vom Himmel holen möchte. Dass er noch nie für eine Frau so empfunden hat. Dass er es kaum erwarten kann, mich wiederzusehen. Ohne groß darüber nachzudenken, reiße ich den Brief ungelesen in kleine Stücke und werfe ihn in den Mülleimer. „Was ist?“, fahre ich Marc an, der mit hochgezogenen Augenbrauen die Arme vor seiner Brust verschränkt und mich still mustert. „Warum sagst du ihm nicht einfach, dass er sich verpissen soll.“ Ich lege den Kopf in den Nacken und fahre mir über das Gesicht. Noch zwei Songs, dann bin ich wieder auf Sendung.
„Das kann ich nicht. Es ist ja nicht so, dass ich nichts für ihn empfinde. Es ist nur alles zu viel, verstehst du? Er ist aufmerksam und liebevoll. Er hört mir zu und braucht mich, das spüre ich.“ Ich greife zu meiner Flasche Cola light und nehme einen Schluck davon. „Und meine Eltern lieben ihn. Das ist der Wahnsinn schlechthin. Bisher dachten sie von jedem Kerl, den ich mitgebracht habe, er sei gerade frisch aus dem Gefängnis gekommen. Aber er ist Postbote, Marc. Einfach nur Postbote.“
„Na und? Willst du mir sagen, dass du wirklich so oberflächlich bist, Belle? So kenne ich dich gar nicht.“ „Ich bin nicht oberflächlich. Aber ich denke auch an meine Zukunft. Ich bin achtundzwanzig. Ich habe Wünsche, verstehst du? Ein kleines Häuschen, Kinder. Ich verdiene hier nicht die Welt, Marc und ein Postbote…naja, er verdient nicht viel mehr als ich.“
„Wie lange seid ihr jetzt schon zusammen?“
„Acht Monate.“
„Acht Monate? Weißt du wie viele Typen ich kenne, die nach acht Monaten immer noch solche Liebesbriefe an ihre Freundin schreiben? Keinen einzigen. Die meisten machen sich die Arbeit so lange, bis sie sie flachgelegt haben und dann ist es vorbei mit dem Süßholz raspeln. Also entweder hattet ihr bis heute noch keinen Sex – und falls ja, kannst du den Kerl in die Tonne treten. Oder aber, und das halte ich für wahrscheinlicher, der Typ liebt dich. Und dann ist es doch egal, ob er Chirurg oder Postbote ist, oder nicht?“
„Du bist ein Kerl, du verstehst das nicht. Tu mir einfach einen Gefallen. Er hat gemeint, er holt mich später ab, also wenn er auftaucht, dann…“ Marc schüttelt den Kopf und wendet sich von mir ab. „Ich weiß… ich soll ihm sagen, du hast früher Schluss gemacht und bist schon nach Hause gegangen. Echt, Annabelle, diese Tour ist so was von mies.“
Ich schlucke und schließe die Augen, als Marc die Studiotür schließt. Ich weiß, dass ich mich gemein verhalte. Aber ich kann nicht anders. Ich nippe an meiner Flasche Cola und lasse mich nach hinten in den Stuhl fallen. Mein Blick fällt auf die leuchtend roten Zahlen, die über der Studiotür hängen. Es ist Sonntag, drei Stunden nach Mitternacht. Draußen tobt ein Schneesturm und mir graut bei dem Gedanken, nach Hause zu gehen. Plötzlich blinkt die Telefonanlage rot auf. Ein neuer Anrufer ist in der Leitung. Ich setze meine Kopfhörer auf und drücke auf das rote Lämpchen. „Hier spricht Annabelle und ich freue mich auf meinen neuen Anrufer. Hallo, ist jemand dran?“
Eine Totenstille liegt in der Luft, ich höre ein schweres Atmen. Sonst nichts. Ich liebe meinen Job. Wirklich. Aber manchmal ist es echt ein bisschen gruselig.
„Hallo?“
„Hallo.“ Es ist die Stimme einer Frau.
„Eine wunderschöne Nacht wünsche ich dir. Verratest du mir deinen Namen?“
„Marie“, wispert sie und ihre Stimme zittert.
„Möchtest du mir etwas erzählen, Marie?“
Sie ist eine Weile still. Ich höre nur ihren schnellen Atem. „Ist das…“ stockt sie, bevor er weiterspricht“… ist das wirklich live?
Ich lächle, denn diese Frage wird jedes Mal gestellt. „Ja. Die Sendung wird live gesendet. Glaubst du ich würde mich um diese Uhrzeit ins Studio setzen, wenn ich stattdessen in meinem warmen, weichen Bett liegen könnte?“ „Nein“, antwortet sie schnell. „Natürlich nicht.“
„Möchtest du mir etwas anvertrauen?“ So funktioniert unsere Show. Die Menschen rufen mich an und erzählen mir ihre Probleme, ihre Ängste, ihre Albträume. Sie versuchen auf diesen Wege mit jemanden zu reden, weil sie sonst niemanden haben, der ihnen zuhört und sie versteht. Und die Einschaltquoten sprechen für sich. Dreamnight ist die erfolgreichste Nachtshow Deutschlands. Sie wird bundesweit gesendet, die Menschen rufen mich von überall an. „Ja.“ Es entsteht eine Stille, dann spricht sie weiter. „Mein Freund…er hatte einen Unfall.“
„Das tut mir leid, Marie. Wurde er verletzt?“
„Ja“, flüstert sie. Es fällt ihr sichtlich schwer zu reden. „Er…er ist gestorben.“ Sie atmet tief ein und ich bin im ersten Moment erschüttert. Ich hasse diese Situationen, weil es zu meinem Job gehört, die richtigen Worte zu sagen. Aber leider weiß ich nicht immer, was die richtigen Worte sind.
„Heute ist sein Todestag. Vor fünf Jahren starb er bei einem Autounfall.“ Mein Gott, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich verspüre Mitleid mit ihr, denn in ihrer Stimme klingt so viel Zuneigung und Liebe …und Einsamkeit.
„Wir hatten an diesem Abend einen Streit. Wissen sie, wir kannten uns seit der Grundschule. Er war mein bester Freund. Und in all den Jahren haben wir oft gestritten, aber wir haben uns immer versöhnt, bevor wir auseinander gegangen sind. Ich weiß, es klingt wie ein Klischee, aber ich hatte immer Angst, dass einem von uns etwas passieren könnte. Aber an diesem Abend war ich so wütend.“ „Weswegen waren sie wütend?“
„Er hat seinen Job verloren, weil die Polizei bei ihm im Wagen eine Flasche Jack und 20 Gramm Marihuana gefunden hat. Chris war Taxifahrer. Verstehen sie? Er hat seine Existenz aufs Spiel gesetzt und weil er sich abends mit ein paar Kumpels die Kante geben wollte.
„ Mir ist klar, dass sie allen Grund hatte, wütend zu sein. Alkohol und Drogen bei einem Taxifahrer ist unverantwortlich.
„War er denn betrunken?“
„Nein, ich glaube nicht“, ihre Stimme klingt wie ein Roboter. „Für mich war es einfach ein Vertrauensbruch. Er wusste, dass ich nichts für Drogen übrig habe. Deshalb hat er heimlich geraucht. Das war für mich wie ein Verrat. „
„Ich kann sie verstehen, Marie. Ich denke, viele in ihrer Situation hätten so reagiert.“
Ich war so unglaublich wütend auf ihn und dann habe ich Dinge gesagt, die unverzeihlich waren.“ Sie lacht, aber es ist kein glückliches Lachen. \“Ich habe ihn mit dem Mann meiner Schwester verglichen. Er ist Zahnarzt, wissen sie. Sie haben ein kleines Häuschen, zwei Kinder und einen Hund. Die perfekte Familie – naja, rein äußerlich, wenn man davon absieht, dass er meine Schwester regelmäßig betrügt. Paul ist sauer geworden und hat mich angeschrien, wenn ich so wenig von ihm halte, dann könne er ja gehen!“ Sie schluchzt und mir wird es schwer ums Herz. „…und dann habe ich ihm gesagt, dass das eine gute Idee wäre. Verstehen sie das? Ich habe dem Mann, den ich über alles geliebt habe, gesagt, er soll verschwinden.“
„Und dann ist es zu dem Unfall gekommen?“ Ein Kloß sitzt in meinem Hals und versuche, das trockene Gefühl in meiner Kehle loszuwerden.
„Ja. Er ist von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Die Ärzte meinten, er wäre sofort tot gewesen.“ Mir bricht es das Herz als ich ihre Worte höre. „Ich vermisse ihn so. Diese kleinen Dinge, wissen sie was ich meine? Er hat im Schlaf immer etwas gesabbert und seine Jacke immer neben die Garderobe gelegt. Wissen sie, wie wahnsinnig mich das früher gemacht hat? Und er hat das R immer besonders gerollt, so dass ich sogar einen Termin bei einer Logopädin für ihn vereinbart habe. Gott, was würde ich dafür tun, wenn ich ihn nochmal hören könnte.“ Tränen laufen mir über das Gesicht, aber ich wische sie nicht weg.
„Ich habe es ihm nie gesagt, verstehen sie? Er hat nicht gewusst, wie sehr ich ihn liebe. Er hat immer gesagt, wie sehr er mich liebt und das er mich heiraten und mindestens ein Baby mit mir haben möchte und ich habe ihn immer ausgelacht. Ich habe es verdammt nochmal nicht über mich gebracht, ihm zu sagen, wie sehr ich ihn liebe.“
„Seien sie nicht so streng mit sich, Marie. Er hat es sicher gewusst.“
„Ist das so?“ Sie flüstert und seufzt tief. „Ich wollte eigentlich keine traurige Geschichte erzählen. Eigentlich habe ich angerufen, weil ich jedem einen Rat mit auf dem Weg geben möchte. Niemand ist perfekt und das ist auch nicht wichtig. Das einzige, was wirklich zählt, ist, dass dich jemand so nimmt wie du bist. Denn jeder Mensch ist es wert geliebt zu werden. Ohne Wenn und Aber. Naja, und jeder Mensch ist es wert zu wissen, dass er geliebt wird. Dadurch vergibt man sich nichts. Im Gegenteil, es macht alles noch viel schöner.“
„Das hast du sehr schön gesagt“, möchte ich sagen, aber soweit komme ich nicht mehr. Es ertönt bereits das Leerzeichen. Marie hat bereits aufgehängt.
„Es ist drei Uhr dreißig und meine Zeit ist zu Ende. Nehmt euch Maries Worte zu Herzen. Das war Dreamnight, die aufregendste Show der Stadt und ich wünsche euch noch eine wundervolle Nacht.“
Ich lassen den Kopfhörer fallen und lege meinen Kopf auf die Tischplatte. Ich bin erschöpft, müde und ausgelaugt. Maries Worte haben mich bewegt und Dinge in mir wachgerüttelt, die Selbstzweifel in mir wachrufen. Gerade als ich den Kopf hebe, sehe ich Marc mit dem Rücken zur Glaswand stehen, wie er mit den Armen herumwedelt. Und dahinter sehe ich eine dunkelbraune Lederjacke. Paul. Marc wird ihm sagen, dass ich bereits gegangen bin. So schnell ich kann, springe ich auf, stolpere über die Kabel am Boden und reiße die Tür auf. Paul öffnet gerade die Eingangstür als er inne hält und sich zu mir umdreht.
„Anna?“ fragt er erstaunt. Du bist noch da?“
„Ja“, antworte ich schnell, greife nach meiner Jacke und werfe Marc einen kurzen Blick zu, der mich fragend beobachtet, ein zaghaftes Lächeln umspielt die Lippen. Er weiß, was in mich gefahren ist. Maries Worte haben mich berührt. Ich nicke Marc kurz zu, greife dann Pauls Hand und drücke ihm einen Kuss auf die Wange.
„Lass uns nach Hause gehen“, sage ich und drücke seine Hand noch ein wenig stärker. Ich werde Maries Rat befolgen. Jeder Mensch ist es wert, so geliebt zu werden, wie er ist. Bisher war ich blind, aber jetzt weiß ich, dass ich jede Sekunde genießen muss. Sie kann so schnell vorüber sein.

Inide-Autoren-Challenge Jessica Raven

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Jessica Raven über sich:

Ich wohne mit meinem Mann und den Kids in Österreich.
Meine Lieblingsbeschäftigung ist lesen und schreiben. Das habe ich als Kind schon geliebt.

Ansonsten bin ich ganz normal 😉 naja mein Mann sagt da zwar manchmal was anderes, aber der wird jetzt nicht gefragt^^

Meine einzige Schwäche ist, dass ich eine absolute Träumerin bin. Aber eigentlich sehe ich es nicht als Schwäche.

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Nicole König hat Jessica Huber / Jessica Raven nominiert.

1. Buchsbaum
2. Schokoladeneis
3. Ölwechsel
4. Kamin
5. Butterkekse
6. Nationalhymne
7. Simkarte
8. Herbstlaub
9. Haartönung
10. Kerzenschein
11. aufbrausend
12. Wettkampf
13. Hochwasser
14. Blutwurst
15. Kuscheldecke

 Entstanden ist aus 15 Wörtern ist diese Geschichte:

Darius steht stolz auf dem Podest und lauscht der Nationalhymne. Niemand hätte gedacht, dass nach dem Hochwasser alles wieder so schnell befahrbar ist. Die Strecke war ohne Schaden davon gekommen und der Straßenbelag heute perfekt für seine Reifenwahl.
Er ist so stolz und voller Freude, doch von außen wirkt er ganz cool. Niemand würde ihm den inneren Freudentanz ansehen. Langsam lässt er den Blick über die Menschenmenge schweifen. Viele Augenpaare sind auf ihn gerichtet, doch er ist nur auf der Suche nach einem gewissem Paar. Diese Dunkelblauen Augen würde er sofort wieder erkennen.
Raven. Seine große Liebe. Leider weiß sie das noch nicht. Nachdem er damals sein Handy samt Simkarte verloren hatte, war auch ihre Nummer weg. Damals bei dem Wettkampf ging es so heiß her, das in der Eile dann vieles verloren ging.
Die Siegerfeier ist vorbei. Nun kann sich Darius endlich in seine Box begeben und noch schnell einen Ölwechsel machen, bevor die Reise weiter geht.
Am späten Abend kommt Darius völlig erschöpft nach Hause. Leider war sie heute wieder nicht hier. Wann wird er sie wieder sehen? Kaum ist der Gedanke raus, klingelt es an seiner Türe. Er marschiert zur Türe und reißt sie, ohne durch den Türspion zu sehen, auf. Er traut seinen Augen nicht! Denn er sieht gerade in die wundervollsten Augen, die er je gesehen hatte.
„Hi.“
„h-hi“ , stottert Darius. Er kann es nicht glauben. Schon lange sucht er nach ihr und jetzt steht sie einfach so vor seiner Türe.
„Ähm, sorry das ich dich so spät noch störe, aber ich habe hier was für dich.“ , sagt Raven mit einer samt weichen Stimme.
„Komm doch erst einmal rein.“ , bietet ihr Darius an und macht mit der Hand eine einladende Geste. Ihre erste gemeinsame Nacht liegt schon sehr lange zurück. Damals hatte er sie nach einem Training kennengelernt. Er ging mit ihr an dem Abend einfach im Wald spazieren. Sie marschierten über das Herbstlaub und redeten. Dieser Abend war perfekt gewesen. Zu Hause machte der dann für sie den Kamin an und legte eine Kuscheldecke davor. Nicht nur das Feuer knistere in dieser Nacht.
„Was kann ich für dich tun?“ , fragt Darius. Raven kramt in ihrer Handtasche und holt etwas heraus.
„Hier. Das fand ich bei einem Buchsbaum. Und ich weiß, dass es dir gehört. Du warst an dem Abend so aufbrausend, da musst du es verloren haben.“ Raven reicht ihm sein kaputtes Handy. Dankend nimmt Darius es entgegen. „Dein Haar scheint etwas dunkler zu sein, oder?“ , fragt er plötzlich. Erst jetzt fällt ihm das auf.
„Ja, ich habe etwas mit einer Haartönung experimentiert.“ Verlegen fährt sich Raven durch das lange Haar.
„Es steht dir.“ Eine erdrückende Stille kehrte ein. „Setz dich. Ich hol uns was zu Trinken und zu knabbern.“ Darius marschiert in die Küche und sucht nach etwas brauchbarem. Alles was er findet sind Butterkekse, Schokoladeneis und eine Blutwurst. Warum zum Teufel habe ich diese Sachen eigentlich?
Bewaffnet mit den Keksen und einer Flasche Wein kommt er wieder ins Wohnzimmer. Raven sitzt auf dem Sessel und sieht raus in die Nacht. Darius öffnet den Wein und zündet die Kerze an, die er auf dem Tisch stehen hat. Im Kerzenschein genießen die beiden ihren Wein.
In dieser Nacht gesteht Darius Raven endlich seine Liebe.

Indie-Autoren-Challenge Kathrin Lichters

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Kathrin Lichters wurde 1986 in einer Kleinstadt im Rheinland geboren und wuchs dort in einer großen, chaotischen und etwas verrückten Patchworkfamilie auf. Schon als sie ein kleines Mädchen war, versorgte ihre unkonventionelle Uroma sie mit etlichem Lesestoff und erfand mit ihr lustige Geschichten. Ihre große Liebe ist, wie es der Zufall so will, auch ihr bester Freund, mit dem sie eine kleine Familie gegründet hat. Neben ihrem kleinen Sohn, der sich ausschließlich Geschichten von seinem Vater vorlesen lassen will, gehören noch zwei Katzen, ein Hund und hoffentlich bald eine Schildkröte mit dem Namen Pebbles zu ihrer Familie.
Ihr Debütroman Sandkasten-Groupie und die Fortsetzung erschien im Februar 2015 neu und wie aus dem Ei gepellt unter \’Backstage-Love Unendlich nah\‘ im Feelings Programm vom Droemer Knaur Verlag. Die Fortsetzung der Reihe wird im März 2015 unter dem Namen \’Backstage-Love Für immer vertraut\‘ erscheinen. Im September folgt der dritte Band \’Backstage-Love Kopfüber verliebt\‘. Alle Teile der Dark Ages Trilogie sind bereits in Eigenregie erschienen. Im August 2016 erscheint der erste Teil der \’Carhill-Sisters\‘-Liebesromanreihe bei Feelings vom Droemer Knaur Verlag.

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Kathrin Lichters wurde von Nicole König nominiert.

Fliege
Hannover
Engagement
Bleistiftspitzer
Entenpärchen
Heliumballon
Haargummi
Cappuccino
Raststätte
Ausflugsschiff
Leihhandtücher
Cocktailkarte
Käsekuchen
Enthusiasmus
Müde

Das Geschenk
Leyla brach von der Raststätte auf und fuhr die gewohnte Ausfahrt ab, die sie schnellstmöglich zu dem Ort brachte, wo sie erwartet wurde. Als sie in das schäbigste Viertel ganz Hannovers fuhr, nahm die Bestürzung zu. Mit jedem Kilometer, dem sie ihrem Ziel näher kam wurde ihr Herz schwerer. Es war als pumpe es kein Blut sondern Blei durch ihre Adern. Sie sah die verschmierten Hauswände, den Müll, der auf offener Straße entsorgt worden war und die herumlungernden Typen, die sich gegenseitig etwas zusteckten. Leylas Enthusiasmus sank auf den Nullpunkt. Sie hielt vor einem heruntergekommenen Mehrfamilienhaus, aus dem laute Rapmusik zu ihr hallte. Auf den unleserlichen Klingelschildern suchte sie nach dem richtigen Namen. Doch da öffnete die Tür sich bereits. Im Hausflur roch es nach Urin, vermischt mit schalem Bier. In der ersten Etage lag ein Mann, dessen Zustand für Leyla nicht ganz klar war. Sie wollte schon nach seinem Puls fühlen, als sie eine rauchige Stimme anherrschte: „Lass den liegen. Das ist Berti. Der schläft manchmal hier.“
„Im Hausflur?“, echote Leyla und sah in das Gesicht einer mitgenommenen Frau höheren Alters. Sie sah genauso aus, wie sie sie in Erinnerung hatte.
 „Besser als unter der Brücke oder etwa nicht?“ Sie ließ die Tür einen Spaltbreit auf und ging, ohne etwas zu sagen in die Wohnung hinein. Leyla folgte ihr mit klopfendem Herzen. Etliches ungespültes Geschirr stapelte sich auf der Anrichte im Flur, wo sich ein paar Fliegen um die Essensreste stritten. Leyla stieg über den Krempel, der in dem Raum verteilt worden war und verhedderte sich prompt in einer Plastiktüte.

„Ist er da drin?“, fragte Leyla, als die Frau vor einer geschlossenen Tür hielt. „Hat nichts als Ärger gemacht, der kleine Scheißer. Ich bin zu alt für sowas!“, schimpfte sie und zündete sich eine Zigarette an. Daran zweifelte Leyla nicht eine Sekunde. Die Frage war nur: War sie besser in ‚sowas?‘
Die Tür wurde aufgestoßen und Leyla sah die unzähligen PET Flaschen, die in Plastiksäcken gesammelt wurden. Es dauerte einen Augenblick, ehe sie den kleinen Jungen hinter den Bergen von Müll wahrnahm. Er saß verängstigt in der Ecke und starrte zu ihr auf. Es war fast ein halbes Jahr her, dass sie ihn gesehen hatte und Leyla überlegte, wie er wohl auf sie reagieren würde.
Mika lächelte nicht, wie sonst immer. Sein Gesicht war völlig ausdruckslos. Leyla reichte dieser Anblick um loszuheulen. Doch sie riss sich zusammen. „He Champ“, grüßte sie ihn, bahnte sich einen Weg durch die wahllos zusammengewürfelten Dinge und ging vor ihm in die Hocke. Das strubbelige Haar stand in alle Richtungen ab und seine Augen waren gerötet. Sie gab ihm die Faust, in die er sonst immer einschlug. Heute nicht. Er sah sie an und wirkte vollkommen hilflos.

„Entschuldige, dass ich nicht eher hier sein konnte. Weißt du, warum ich da bin?“ Mika nickte, während er die Nase hochzog und sie am Pullover abwischte. „Mami ist tot!“ Leylas Hals schnürte sich zusammen und ihre Hände zitterten. „Ich habe kein zu Hause mehr!“ Genau so fühlte sie sich auch.
Jessi war ihr Anker gewesen, ihre Rettungsleine, ihr Halt, ihr Zuhause. Einer Schwester hätte sie nicht näher sein können. „Du hast mich. Ich bin dein zu Hause, wenn du das möchtest.“ Mikas Miene hellte sich auf, wenn auch nur einen winzigen Augenblick.
„Du meinst, ich muss nicht hier bleiben?“ Leyla schüttelte vehement den Kopf. „Nein. Ich möchte dich abholen.“ Plötzlich richtete Mika sich auf und deutete auf eine Tasche. „Ich habe alles gepackt. Können wir los?“ Leyla lächelte und folgte ihm aus dem Raum. Im Vorbeigehen nahm sie die Reisetasche in die Hand, während Mika seine kleine Hand in ihre andere schob. Sie sah zu ihm hinunter und fragte: „Möchtest du dich von … von deiner Großmutter verabschieden, Mika?“ Er schüttelte den Kopf und versteckte sich hinter ihr.

Sie sah der Frau ins Gesicht, die Anhand des Todes ihrer Tochter kein bedauern zeigte. Engagement für das einzige Enkelkind sah anders aus. Leyla blieben jegliche Beileidsbekundungen im Halse stecken und sie verabschiedete sich eilig. Erst als sie mit Mika im Auto saß, atmete sie hörbar aus. In diesem Moment wusste sie, dass sie das Richtige tat. Sie mochte sich noch so unzulänglich fühlen, aber alles war besser als das hier.

 „Wo fahren wir hin?“ „Ich möchte dir etwas zeigen!“ Die Sonne blinzelte hinter den weißen Wolken hervor und Leyla setzte die Sonnenbrille auf die Nase, als sie am Parkplatz des kleinen Sees ausstieg. Mika war durch die kurze Autofahrt vor Erschöpfung eingeschlafen und Leyla brach es das Herz ihn wecken zu müssen. Er musste unglaublich müde sein. Sie nahm ihn auf den Arm, damit er in Ruhe wach werden konnte und betrat mit ihm das niedliche Café am Ufer. Sie bestellte einen Cappuccino für sich und ein Stück Käsekuchen mit einem Kakao für Mika. Sie streckte alle Glieder von sich und band die langen Haare mit einem Haargummi zusammen.

Vor einem halben Jahr war sie nach einer gescheiterten Ehe und einem Haufen Schulden nach München geflüchtet. Jessi hatte ihr geholfen, die Reste ihres bekümmernswerten Lebens in Kisten zu verpacken. Sie erinnerte sich genau an das Gesicht ihrer besten Freundin, als sie mit einer Flasche Tequila und einem Käsekuchen vor der Tür ihrer alten Wohnung gestanden hatte. Es war als könne sie den Klang ihres Lachens immer noch in den Ohren hören. Leyla blinzelte die aufsteigenden Tränen fort. Jessi hatte es geschafft, dass Leyla sich nicht wie ein Versager vorkam, weil sie ihre Ehe hatte scheitern lassen und nun fluchtartig die Heimat verließ. Leyla hatte immer geahnt, dass Jessi sie insgeheim um den Neustart beneidete. Als Mutter sagte man so etwas natürlich nicht. Schließlich liebte man sein Kind. Doch in Wahrheit hatte Jessi nichts dergleichen gesagt, weil sie gewusst hatte wie unangebracht das gewesen wäre. Leyla hatte drei Jahre ihres Lebens darauf verschwendet, mit ihrem Exmann Chris ein Kind zubekommen. Sie war bei jedem Spezialisten in Deutschland gewesen und hatte sich mehrere Tausend Euro verschuldet. Schlussendlich hatte sie sogar ihren Mann an eine Bardame namens Kelly verloren, die von ihm, nach angeblich nur einer Nacht, schwanger geworden war.

Für Leyla war damals kein Platz in Hannover gewesen. Wie hätte sie auch nur das Risiko eingehen können, ihrem Ex mit einem Kinderwagen über den Weg zu laufen. Unvorstellbar. Sie blickten zu dem Ufer eines kleinen Sees, an dem sie einst ein Mädchen namens Jessi kennengelernt hatte. Sie schreckte hoch, als Mikas Kakao sich über den Tisch ergoss. Der Kellner brachte eilig ein paar Handtücher, die sie zum Trocknen des Missgeschicks brauchte. Mika sah bestürzt aus und seine Unterlippe zitterte bedenklich, während Leyla die Cocktailkarte von dem klebrigen Kakao befreite. 

„Hey Kleiner, das ist gar nicht schlimm und passiert mir auch regelmäßig. Du wirst sehen, wie viele Unglücke du mir helfen musst wegzuwischen. Da kannst du dich schon mal drauf einstellen!“ Seine Miene hellte sich auf. „Darf ich an den See gehen?“ Leyla nickte und bat: „Bitte bleibe da, wo ich dich sehen kann, ja?“ Er stimmte zu und erkundete das Ufer, während Leyla die Leihhandtücher dem Kellner zurückbrachte. Er stellte einen Korb voller altem Brot auf die Theke und deutete auf den See, auf dem ein Entenpärchen schwamm. Er sah sie lächelnd an. „Ich dachte, Ihr kleiner Sohn könnte eine Aufmunterung vertragen.“ Sie sah in die freundlichen Augen und wollte schon erwidern, dass er nicht ihr Sohn sei. Doch da hielt sie inne. Es fühlte sich zwar nicht richtig an, Jessi zu übergehen. Andererseits, wenn Mika nicht zu ihr gehörte, zu wem gehörte er dann? Sie bat um die Rechnung und sah, wie der Kellner seinen Stift kurz mit einem Bleistiftspitzer wieder schreibtauglich machte. Leyla bezahlte und bedankte sich für das alte Brot.

Das Ufer des Lachmannssees sah noch genauso aus, wie vor zwanzig Jahren und war der einzige Ort an dem Leyla sich Jessi nahe fühlte. Abgesehen vielleicht von ihrer alten Wohnung. Dort war sie jedoch vor wenigen Stunden geflohen, weil sie beim Anblick der halbvollen Teetasse und den Kuschelsocken auf dem Sofa aus dem Weinen nicht mehr heraus kam. Alles war so hergerichtet, als käme Jessi jeden Moment aus dem Bad oder vom Einkaufen zurück. Doch das würde nicht geschehen. Diese Ungerechtigkeit war nicht zu überbieten.

Leyla gab Mika das Brot und begann mit ihm die Enten zu füttern. Anschließend ließ sie sich auf einem Stein nieder und sah Mika dabei zu, wie er das Brot in den See warf. Diesen Platz hatte sie einst bei einer Fahrt mit ihrer Klasse auf einem Ausflugsschiff entdeckt und seither ihre Freizeit ausschließlich hier verbracht. An diesem Ort hatten Jessi und Leyla viele Tränen vergossen, Partys gefeiert und sich Geheimnisse anvertraut. Hier hatte Jessi ihr von der ungeplanten Schwangerschaft erzählt. Damals war sie so verzweifelt, weil sie glaubte keine gute Mutter sein zu können, weil sie ihr Kind ohne Vater aufziehen musste. Doch in Wahrheit war sie die beste Mutter aller Zeiten gewesen. Wie sollte ein kleiner Kerl von fünf Jahren den Mut haben, ohne seine Mutter aufzuwachsen? Wie, wenn sie selbst noch nicht wusste, wie sie je ohne Jessi leben könnte.

Sie holte tief Luft und nahm den Umschlag heraus, den sie in der Nachttischschublade von ihrer Freundin gefunden hatte. Auf dem Brief stand mit feinsäuberlicher Handschrift ihr Name geschrieben. Ihre Hand zitterte wieder, als sie ihn öffnete.

„Meine liebste Leyla, ich schreibe den Brief zu einem Zeitpunkt in meinem Leben, wo ich Sicherheiten möchte. Ich hoffe, du wirst ihn nie zu lesen bekommen, aber falls doch, weiß ich ganz genau, wie du dich fühlen wirst. Zwischen uns beiden gab es immer dieses besondere Band und ich bin sicher, solltest du vor mir sterben, würde ich das nicht überleben. Ganz ehrlich, du warst immer die Stärkere von uns beiden. Ich weiß, dass du jetzt vehement den Kopf schüttelst, aber glaube mir Schätzchen, du irrst dich. Du darfst mich in jeder verrückten Sekunde vermissen, dich betrinken und eine Zeitlang mit riesigen Eispackungen vor dem Fernsehen sitzen. Dann gehst du da raus und holst dir das Leben, das du verdienst, in Ordnung? Denn mein Sohn wird dich dringend brauchen. Ich habe nie mit dir darüber gesprochen, weil ich wusste, du würdest versuchen mir diese Sache auszureden. Du glaubst nicht, dass das Universum gewollt hat, dass du Mutter wirst. Aber wenn du diesen Brief jemals zu sehen bekommst, dann winkt das Schicksal mit dem Zaunpfahl, Leyla. Ich weiß, dir kommt die Verantwortung riesig vor, aber ich wüsste niemanden dem ich mein Kind mehr anvertrauen könnte, als dir. Du kennst mich, meine Überzeugungen und all die Dinge, die ich zu ihm sagen würde, falls er je Scheiße baut, oder im Begriff ist die falsche Frau zu heiraten. Du weißt dann, was zu tun ist. Du wirst die beste Ersatzmami sein, die die Welt zu bieten hat. Mika darf nicht voller Wut sein, weil er mich hergeben musste. Bring ihm bei, das Leben zu lieben. Bring ihn zum Lachen, denn sein Lachen ist so wunderschön. Lass ihn später das tun, was er liebt, nicht was ihn reich macht. Er soll, wie du, ein Freigeist sein und seinen eigenen Weg finden. Das Einzige, was ich mir für ihn wünsche, ist Glück und Liebe. Er ist meine große Liebe. Er wird dir den Weg weisen. Keine Angst ich werde immer da sein und euch über die Schultern sehen. (Haltet Ausschau nach den Zeichen.) Ihr werdet ein Geschenk füreinander sein. Liebt euch, so wie ich euch liebe!

Jessi Tränen bahnten sich den Weg über Leylas Wange und sie wischte sie eilig fort, weil Mika besorgt zu ihr rübersah. Er nahm Leylas Hand und fragte: „Weinst du wegen Mami?“ Leyla nickte und schloss ihn in die Arme.
„Glaubst du, sie ist im Himmel?“ Leyla sah hinauf zu dem blauen Himmel und entdeckte einen Heliumballon aufsteigen. Leyla lächelte und deutete auf den Ballon: „Ich würde sagen, dass ist ein Zeichen von ihr, oder? Sie hat Ballons geliebt.“ Mika lächelte und begann wild dem Ballon zu winken. „Hallo Mami, keine Angst, ich bin jetzt mit Leyla zusammen!“ Dann nahm Leyla Mikas Hand und hielt sie ganz fest, während sie die Enten fütterten.

Indie-Autoren-Challenge Nicole König

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Nicole König stellt sich vor:
Zusammen mit meinem Mann lebe ich in der Nähe von Köln. Als Lokalpatriotin liebe ich alles was man mit der schönsten Stadt am Rhein verbindet: Karneval, den FC und die „kölsche“ Lebenseinstellung. Wenn ich nicht schreibe, arbeite ich als Debitorenleitung in einem nach außen eher \“trockenem\“ Finanzbereich, daher ist die Kreativität ein Ventil in meinem Leben. Meine Leidenschaft zum geschriebenen Wort brachte mich in jungen Jahren dazu, für ein Stadtmagazin CD-Kritiken sowie kleinere Artikel zu verfassen. Als ich älter wurde, rückten diese Interessen in den Hintergrund, da ich mich zeitlich zwischen der Musik (Gesang) und dem Schreiben entscheiden musste. Inspiriert durch das Alltägliche, kuriose Situationen und die Beobachtung von Menschen, können meine Finger auf der Tastatur, meinen Gedanken, Ideen und Geschichten nicht folgen. Mir ist es wichtig, eine Botschaft durch meine Zeilen mitzugeben. Einen Moment aus dem Alltag entfliehen und in eine andere Welt eintauchen, das ist es, was ich meinen Lesern mit meinen Geschichten schenken möchte.

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Nicole König wurde von Violet Truelove nominiert:

Schlittschuh
Sonnenmilch
Leim
Parkettboden
Kinderkrankheit
Bestellservice
Wollknäuel
Bereitschaftsdienst
Kuscheldecke
Wäschekorb
Briefmarkensammlung
Jenseitskontakt
Playlist
Lippenstift
Trockenobst

Kalt ist es geworden hier bei uns in Forester. Während meine beiden Kinder mit ihren neuen Schlittschuhen Pirouetten am zugefrorenen Lake Montouri drehen, versuche ich, nach den Feiertagen das Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Einmal im Jahr verrichte ich hierfür die Dinge, die ich sonst nur ungern erledige und vor mir herschiebe.
Kniend versuche ich den Parkettboden zu reinigen, als mein Blick auf das Bild von Samuel fällt. Auch wenn es bereits drei Jahre her war, so ist es als wäre es gestern gewesen, dass er durch die Tür ging und nicht zurückkam. Ich muss einen Moment innehalten. Meine lautlosen Tränen tropfen auf den Boden und es ist für mich unmöglich, weiterzumachen. Dabei habe ich heute noch viel vor. Unter anderem stehen die losen Dielen der Holzveranda, die ich mit Leim befestigen möchte, noch auf meinem Zettel.
Ich erhebe mich, lasse meinen Blick schweifen und genieße die Stille und Ruhe. Ich nutze die Zeit, um mich zu sammeln. Unser Haus steht am Rande von Forester und der Lake befindet sich hinter einer Anhöhe. Vom Haus nicht einsehbar, jedoch nah genug, um die spielenden Kinder zu hören. Was für ein beruhigendes Gefühl. Je älter die beiden werden, desto schwieriger wird es für mich, Vater und Mutter gleichermaßen zu sein. Mit Mühe und Not, war es mir möglich, sie dazu zu überreden, sich die Gesichter mit Sonnenmilch einzucremen. Gerade bei diesen Temperaturen und der Sonne gepaart mit dem glitzernden Schnee ist dies ein Garant für einen Sonnenbrand. Nicht das beide oft krank waren, bis auf die üblichen Kinderkrankheiten kann ich mich nicht beschweren. Seit Samuel vor drei Jahren von seinem Bereitschaftsdienst nicht zurückkam, versuche ich, uns drei durchzubringen.
Er fehlt mir jeden Tag, doch bemühe mich, mir das nicht anmerken zu lassen. Zu dem schmerzlichen Verlust kamen die finanziellen Probleme. Nächtelang lag ich wach und überlegte, welcher Arbeit ich nachgehen und trotzdem den Kindern gerecht werden könnte.
In dem kleinen Dorf, an dessen Stadtrand wir wohnen, gibt es kaum Arbeit. Früher habe ich in dem kleinen Lebensmittelladen ausgeholfen, aber dort brauchten sie keine weitere Kraft mehr. Samuel sammelte Münzen und hatte eine beträchtliche Briefmarkensammlung, die ich zuallererst zu Geld machte, um die Beerdigung und das Schulgeld zu bezahlen. Im ersten Jahr war es wirklich schwierig, aber so langsam habe ich mich daran gewöhnt. Stricken konnte ich schon seit der Schulzeit gut und so brachten mir die Dorfbewohner ihre Wollknäule vorbei, damit ich einen Schal, Handschuhe oder auch eine Kuscheldecke für sie fertigte. Für mich wurde das Stricken zu einer Art Therapie.

An manchen Tagen fehlte mir mein Mann so sehr, dass ich glaubte, schier verrückt zu werden. Die Damen der Dorfgemeinschaft, allesamt Witwen, setzen mir sogar den Floh ins Ohr, in einem Jenseitskontakt mit Samuel zu sprechen, um den Schmerz zu bewältigen.
Um nach außen die Starke spielen zu können, halfen mir nur meine Musik und die Beschäftigung mit der Wolle. Zusammen mit der richtigen Playlist waren die bestellten Handschuhe, Socken oder was auch immer in Auftrag gegeben wurde, im Nu fertig. Seither türmt sich die Wolle im Wäschekorb neben der Tür und mein Auftragsbuch war gut gefüllt.
Meine selbstgemachten Kleidungsstücke und Decken kamen so gut an, dass sich sogar ein Bekleidungsgeschäft aus dem Nachbardorf angemeldet hatte und meine Waren beziehen. Vor wenigen Wochen wurde ein Bestellservice eingerichtet und der Sohn der Besitzerin holt einmal in der Woche die fertigen, vorbestellten Strickwaren ab. Der besagte Sohn ist in meinem Alter, Single und ziemlich attraktiv. Gut, aufgrund meiner langen Abstinenz würde ich vermutlich auch Bill Cosby als attraktiv bezeichnen, denn mein letzter Sex ist Ewigkeiten her und das Ding zwischen meinen Beinen fühlt sich eher an wie Trockenobst. Aber Jason ist wirklich gutaussehend, bleibt immer etwas länger und trinkt einen Kaffee mit mir.
In einer halben Stunde will er hier sein und so langsam werde ich nervös. Oft hat er mich gefragt, ob ich mit ihm ausgehen möchte. Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich wieder Gefühle entwickeln und zulassen darf. Aber ich bin noch jung, möchte nicht bis an mein Lebensende alleine bleiben, sondern das Leben genießen.
Samuel wird immer ein Teil meines Lebens sein, schon alleine wenn ich in die Gesichter meiner Kinder sehe. Schnell räume ich die Handwerkerutensilien weg, schlüpfe in meine neue Jeans, ein Top und den selbstgestrickten Poncho, lege noch ein wenig Lippenstift auf und warte, bis ich die schweren Stiefel auf der Veranda höre. Als er klopft, hüpft mein Herz vor Freude. Ich bin mir sicher, dass Samuel nichts dagegen hätte, wenn ich mich wieder mit einem Mann treffe, daher werde ich dieses Mal nicht verneinen, wenn mich Jason nach einem Date fragt.
In dem Moment als ich die Tür öffne und ihn vor mir stehen sehe, weiß ich, dass die Entscheidung mein Herz wieder zu öffnen, richtig ist. Genau mit einem solchen Gefühl hat es bei mir und Samuel auch angefangen und hat uns zwei wunderbare Kinder geschenkt. Selbst wenn wir mit manchen Menschen nur wenige Momente, Tage, Monate oder Jahre verbringen können, so werden sie auf ewig ein Teil in deinem Leben sein. Jedoch dürfen wir nach einem Verlust unser Herz nicht verschließen, denn dann werden wir einsam und verbittert alt werden.

Indie Autoren Challenge Stefanie D. Murphy

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Stefanie D. Murphy wurde 1967 im schönen Saarland geboren und ist bis heute dort kleben geblieben.

Das Schreiben zählt, neben dem Reisen, Lesen und der Musik, zu ihren größten Leidenschaften.

Ursprünglich in der Lyrik zu Hause, erfüllte sie sich nach über 30 Jahren im \“normalen\“ Berufsleben, den Wunsch vom eigenen Roman.

Stefanie D. Murphy lebt heute mit Ehemann und Katze in einem verschlafenen Nest im Herzen eines der kleinsten Bundesländer und ist glücklich, ihren Traum leben zu dürfen.

Ihre Bücher können bei Amazon erworben werden: klick hier 

Stefanie D. Murphy Author wurde Nadine Kapp nominiert. lesen:

Foto
Wald
Fenster
Lampe
Hand
Backofen
Computer
Fußboden
Couch
Wand
Roller
Blumen
Schuhe
Eimer
Sonne

Was Stefanie gezaubert hat, könnt ihr hier lesen:

Denkst du auch manchmal zurück an den schönen Spätsommertag im September, als wir zum letzten Mal einen gemeinsamen Spaziergang machten?
Die Sonne zwängte ihre lichternen Glieder durch die Schatten des Waldes, als wir schweigend Hand in Hand nebeneinander herliefen.
Ich denke oft daran! Auch jetzt. Ich sitze vor meinem Computer und wie immer starre ich auf dein Foto, das mir vom Monitor entgegen lacht. Diese Augen! Diese unglaublich blauen Augen, die mich einst einfingen und nie wieder losließen. Mein Herz ist gefüllt mit Erinnerungen an dich. Ich denke an dein zauberhaftes Lächeln und spüre, wie sich eine Träne den Weg bahnt. Voller Bitterkeit drehe ich meinen Kopf zur Seite und starre die Wand an.
Es tut weh. Es tut so verdammt weh! Ich will diese Erinnerungen nicht mehr fühlen müssen! Ich muss mich ablenken! Der Eimer mit dem Müll muss noch raus, also los. Ich ziehe meine Schuhe an und stapfe durch den Schnee zu der großen Tonne. Die Kälte, die mir dabei entgegen schlägt, ist nicht halb so schlimm wie die Kälte, die in meinem Inneren wütet. Schnell eile ich ins Haus zurück, und der Duft von Zimt, der von den Plätzchen im Backofen herrührt, strömt in meine Nase.

Weihnachtszeit – das Fest der Liebe! Der Duft sollte mich eigentlich glücklich machen, aber er tut es nicht. Ich lege mich auf die Couch und wieder sehe ich dein Gesicht vor mir. Vier Tage! Ganze vier Tage, die wir uns kannten, reichten aus, um für immer mein Herz an dich zu verlieren.

Wieder denke ich an diesen letzten Tag, als wir spazieren gingen und uns ein Regenschauer überraschte. Wir suchten Zuflucht in einer verlassenen Waldhütte, wo ich mich an dich verschenkte.

Du hattest deine Jacke auf dem Fußboden ausgebreitet, und zu dem rhythmischen Trommeln der Regentropfen auf der Fensterbank und dem Farbenschmelz der untergehenden Sonne, liebten wir uns in die Ewigkeit.
Danach kam die schwere Erkenntnis: Ein Flugzeug wartet nicht! Nichts ist bis zum heutigen Tag schlimmer für mich gewesen, als diese letzte Minute, in der ich für immer von dir Abschied nehmen musste.
Draußen wird es langsam dunkel und die bittere Kälte zaubert Blumen aus Eis auf das Glas der Fensterscheiben. Ein Hund bellt in der Ferne und ich springe auf, um die Rollladen zu schließen. Wie in Zeitlupe knipse ich die kleine Lampe auf meinem Ecktisch an. Schatten spielen wild durchs Zimmer und ich denke an das letzte Bild von dir, als du mit deinem Roller den Flughafen verlassen hattest und ich für immer aus deinem Leben verschwand.
Ich musste zurück. Ich wusste es, und du wusstest es auch. Doch selbst nach Jahren schnürt es mir immer noch die Kehle zu, und am liebsten würde ich nur noch weinen.
Ein Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Ein Schlüssel dreht sich im Schloss der Haustür, und kurz darauf tritt mein Ehemann ein. „Hallo, Schatz, ich bin wieder zu Hause!“, höre ich ihn sagen. Und was tue ich? Das, was ich immer tue: Ich lächele!

Indie-Autoren-Challenge Isabella Muhr

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Die Autorin stellt sich vor:

Mein Name ist Isabella Muhr, ich bin 31 Jahre alt, glücklich verheiratet und Mutter von zwei wundervollen Jungs.
Hauptberuflich bin ich als Erzieherin tätig und lebe meine Leidenschaft für das Schreiben in den Abendstunden aus.
Meinen Debütroman habe ich im Januar 2015 veröffentlicht und mir damit einen großen Traum erfüllt. Meine Blumenzauber-Reihe erschien dieses Jahr (“Eisblumenzauber\“ erscheint im November) über den Forever by Ullstein Verlag Wenn ich nicht schreibe, dann Stricke und backe ich uuuunheimlich gerne.

Und dies sind ihre Bücher, die Amazon erworben werden können: klick mich

Isabella Muhr wurde die von Nicole König herausgefordert.  viel Spaß beim Lesen.

Silvesterrakete
Gedankensprung
Unfall
Kartoffelbrei
Blumenvase
Mitarbeitergespräch
Waschmaschine
Eierlikör
Heizung
Bleigießen
Holzeisenbahn
Bratwurststand
Entsafter
Jackpot
Kerzenwachs

Die Gummisohlen seiner Stiefel hinterließen schmatzende Geräusche auf dem matschigen Trampelpfad, als er missmutig durch den Nebel der verlassenen Parkanlage stapfte. Den ganzen Abend über hatte es geregnet und die Erdoberfläche war nun ein einziges, unansehnliches Sammelsurium an Schlamm. Die durchdringende Kälte war erfolgreich durch seinen Mantel bis zu seiner Haut gekrochen und er schlug fröstelnd seinen Mantelkragen nach oben. Es war bereits kurz vor zwölf Uhr Nachts, (also nur mehr zwanzig Minuten, bevor das neue Jahr offiziell seinen Beginn fand) und er wusste absolut nicht, wo er hingehen sollte. Wie ein auf der Autobahnraststätte ausgesetzter Hundewelpe marschierte er mit hängenden Schultern und ohne jeglichen Plan durch die Grünflächen und dachte an Angela. Der Gedanke an seine Exfreundin brachte ihm einen fiesen Stich in der Brust ein. Ausgerechnet drei Tage vor Weihnachten hatte er sie inflagranti mit Karl (dem Besitzer des Bratwurststandes direkt am U-Bahnplatz) erwischt.
Er war wegen eines ziemlich aufreibenden Mitarbeitergespräches früher aus der Arbeit nach Hause gekommen und hatte Angela und Karl auf der Waschmaschine entdeckt, wo sie sich gerade irgendwelchen abartigen Sexexperimenten mit Kerzenwachs und Eierlikör widmeten.
Wortlos war er damals aus der Wohnung gestürmt und hatte es seither nicht mehr gewagt, diese zu betreten. Stattdessen war er zu seiner Schwester und seinem Schwager geflüchtet, die ihn ohne zu Zögern über die Feiertage herzlich aufgenommen hatten. Dort wurde er seither fürsorglich mit Plätzchen, Punsch und familiärer Nestwärme umhüllt und konnte winzige Augenblicke lang sogar die permanenten Gedankensprünge hin zu seiner Angela unterdrücken. Es war wirklich eine schöne Zeit.

Doch die Stimmung war an diesem heutigen Abend radikal umgeschlagen, als er beim Bleigießen einen Klumpen aus dem Wasser gezogen hatte, der haargenau wie eine Bratwurst ausgesehen hatte. Er war in seinem angetrunkenen Zustand ohnehin total sentimental und gleichzeitig irrational unterwegs, weshalb ihm dieses verräterische Stück Bleibratwurst den Rest gegeben hatte. Zornig hatte er das Ding gegen die Heizung in der Ecke gepfeffert und war in die Anonymität der Nacht hinaus verschwunden, um mit sich und seinem Frust allein sein zu können. Am liebsten wäre er mit seinem Wagen die Straßen rauf und runter gebrettert, aber in seinem Zustand hätte das nur in einem Unfall geendet, weshalb er sich zu einem Spaziergang entschloss.

Auch jetzt noch waren die Hände in seinen Manteltaschen zu Fäusten geballt und seine Gesichtszüge waren zu einer grimmigen Maske zusammen gefroren. Er stieß geräuschvoll die Luft aus seinen Lungen in der Hoffnung, den Frust, der sich darin festgesetzt hatte, mit hinaus zu jagen. Bilder eines haarigen mit Kerzenwachs verschmierten Hinterns drängten sich vor sein geistiges Auge und er schüttelte unwillig den Kopf. Er hätte Karls Schwanz einfach in Angelas Entsafter stecken sollen anstatt einfach abzuhauen.

„Miststück!“ fauchte er in die Schwärze der Nacht hinaus. Er zuckte erschrocken zusammen, als sich ein Schatten auf der Parkbank nur wenige Schritte von ihm entfernt zu bewegen begann. Wie eine Schildkröte versuchte er seinen Kopf im schützenden Stoff seines Mantels zu vergraben, um sich vor der Peinlichkeit dieses Moments zu verstecken, doch es war zu spät.

 „Meinen sie mich?“ erkundigte sich eine zarte Frauenstimme, die offensichtlich zu der Gestalt auf der Bank zu gehören schien.
 „Äh, was?“ entsetzt blieb er wie angewurzelt stehen und schluckte trocken. Er hatte nicht damit gerechnet zu so später Stunde noch jemandem zu begegnen. Unsicher blinzelte er zu dem Schatten hinüber und versuchte durch die spärlich vorhandenen Lichtverhältnisse zu erkennen, mit wem er es zu tun hatte. Doch das einzige, was er erkennen konnte, waren weiße Zähne, die sich ihm in Form eines amüsierten Lächelns präsentierten.
Etwas ermutigt von diesem Anblick, wagte er sich einen Schritt nach vorne.
„Sie scheinen genau so gute Laune zu haben, wie ich. Wenn sie wollen, können wir gerne zusammen auf das neue Jahr anstoßen“, bot die Frau mit dem strahlenden Gebiss an und klatschte auffordernd mit ihrer Hand neben sich auf das Holz. Er zögerte eine Sekunde, dann gab er sich einen Ruck und nahm neben der Unbekannten Platz.
Der Geruch von Kartoffelbrei stieg ihm in die Nase und er runzelte etwas verwirrt darüber die Stirn, verkniff sich jedoch eine Frage dazu. Beruhigendes Schweigen breitete sich über ihnen aus und er merkte, wie sein Atem gleichmäßiger wurde und sich seine Muskeln allmählich entspannten.
„Und? Irgendwelche guten Vorsätze fürs neue Jahr?“ wollte die Frau mit der weichen Stimme neben ihm wissen. Er starrte stur geradeaus und zuckte nur mit den Schultern.
„Also ich werde definitiv keine Bratwurst mehr essen können“, prophezeite er freudlos und schnaubte dabei noch einmal verächtlich.
 „Also ich habe mir fest vorgenommen, nächstes Jahr einen Töpferkurs zu belegen und meine Familie zu ihren Geburtstagen mit selbstgemachten Blumenvasen zu quälen“, erklärte die Frau, ohne sich von der Bitterkeit in seiner Stimme beirren zu lassen. „Außerdem werde ich den Jackpot knacken, von dem Geld eine Holzeisenbahn in Lebensgröße bauen lassen und damit die ganze Welt bereisen.“

Nun war er es, der amüsiert lächeln musste. Als er einen Blick in ihre Richtung wagte, konnte er erahnen, dass sie es ihm gleich tat. Eine einzelne Silvesterrakete explodierte plötzlich über ihren Köpfen und erhellte den Platz um die Parkbank. Während sich unzählige kleine Explosionen zu dieser ersten dazugesellten und bunte Funken den Himmel herabrieselten tat sein Herz einen Satz, als er in das schöne Gesicht seines weiblichen Gegenübers blickte.
Sie hatte feuerrote, wilde Locken und ihre Augen leuchteten in einem tiefen Jadegrün. Er lächelte sie noch eine genüssliche Weile an, in der das Grinsen in seinem Gesicht immer breiter zu werden schien, bevor er verkündete: „Ich heiße Paul.“
Sie erwiderte sein Grinsen, schenkte ihm einen hinreißenden Augenaufschlag und flüsterte beinahe schüchtern. „Frohes neues Jahr Paul.“

Indie-Autoren-Challenge Any Swan

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Dies schreibt die Autorin über sich

Any Swan Mein Autorenname ist ein Pseudonym, das an meinen realen Namen angelehnt ist. Ich wurde 1982 geboren und lebe gemeinsam mit meinem Mann, meinen drei Kindern und einem kleinen \“Zoo\“ im schönen Mecklenburg-Vorpommern. Bereits als Kind hatte ich eine blühende Fantasie und verschlang Bücher geradezu. Das hat sich bis heute nicht geändert. Im richtigen Leben arbeite ich als Assistentin in einer Verwaltung, was mir nach wie vor großen Spaß macht. Im August darf ich bereits meinen ersten Geburtstag als Autorin feiern und noch immer kann ich es kaum glauben, dass ich Leute mit meinen Geschichten begeistern kann. Die Idee zu meinem ersten Roman kam eher zufällig beim Autofahren und lies mich dann nicht mehr los. Inzwischen habe ich ganz viele Storys im Kopf und hoffe, dass ich noch einige davon veröffentlichen werde.

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Die liebe Mila Summers hat Any Swan herausgefordert und sie mit folgenden 15 Wörtern beglückt. Mila hat alles gegeben Any das Leben schwerzumachen, ich sage nur \“Dammschnitt\“, doch Any hat sich der Challenge gestellt und für euch eine wunderbare Geschichte geschrieben.

Pringles
Rasendünger
Wasserspielplatz
Neoprenanzug
Schiffsschraube
Düsentrieb
Stallhasen
Brücke
Autobahn
Rutsche
Ebbe
Süßholz
Dammschnitt
Radio
Lichtblitz
Neubeginn

»Sind wir bald da, Mami?«, wollte eine quietschfidele Kinderstimme zum gefühlt tausendsten Mal von mir wissen.
 »Ja, mein Schatz. Es ist nicht mehr weit. Möchtest du vielleicht noch ein paar von den Pringles?« 

Mir war klar, dass ich sie als Ablenkungsmanöver einsetzte, aber nach sechs Stunden auf der Autobahn fiel mir langsam nichts mehr ein, um meinen Liebling zu beschäftigen.

 »Jaaaa!«, kam es prompt, also griff ich in die Tasche auf dem Beifahrersitz. Ich fischte die Packung heraus und reichte sie nach hinten zu Lucas, ohne den Blick von der Straße abzuwenden.

Nach einer Weile sah ich dann doch in den Rückspiegel und beobachtete meinen Sohn, wie er sich genüsslich einen Chip nach dem anderen in seinen Mund schob. Mit einem Lächeln auf den Lippen dachte ich an seine rasante Geburt vor vier Jahren zurück. Lucas kam fast wie ein Lichtblitz in mein Leben, auch wenn die Hebamme ihm dafür mit einem Dammschnitt den Weg etwas erleichtern musste. Aber es stimmte, was einem als werdende Mutter gesagt wird: Die Schmerzen sind in dem Moment vergessen, wenn du dieses winzige Bündel in den Armen hältst. Und nun war er schon so groß.

Leider konnte ich dieses Glück nicht mit seinem Vater teilen. Markus war ein Mann, der unglaublich gut Süßholz raspeln konnte. Doch das entpuppte sich als heiße Luft, als ich ihm von meiner Schwangerschaft erzählte. Man muss aber dazu sagen, dass er mir großzügiger Weise angeboten hatte, unsere Beziehung nach der Geburt wieder aufzunehmen. Jedoch nur als Bettgespielin, nicht als Partnerin oder gar Mutter seines Sohnes. Allerdings war ich mir selbst viel zu schade dafür, dieses Angebot anzunehmen und als einer seiner Stallhasen zu enden. Beim Abschied landete dann auch noch eine Packung Rasendünger an seinem Hinterkopf, weil er mich als frigide Zicke beschimpft hatte. Seitdem hat er sich nie wieder blicken lassen.

+++

Wir passierten gerade die Brücke zu unserem neuen Zuhause und im Radio lief mein Lieblingslied, da rief Lucas aufgeregt: »Mama, Mama, sieh mal! Ein Schiff! Das hat bestimmt auch eine Schiffsschraube, so wie Onkel Pauls Boot!«

»Oh ja, wahrscheinlich hat es sogar eine besonders große!« Mein kleiner Daniel Düsentrieb war schon als Kleinkind von allem was schwimmen konnte, fasziniert. »Wenn ich groß bin, werde ich auch mal so eins bauen.«
»Aber nur, wenn du mich dann auf eine Tour mit nimmst.«
»MAMI! Ich würde nie ohne dich wegfahren!« Ich schmunzelte über seine beharrlichen Worte, wusste ich doch ganz sicher, dass er eines Tages vermutlich viel mehr unternehmen würde, als mir lieb war. Bis dahin war allerdings noch eine Menge Zeit. Lucas‘ Augen leuchteten förmlich, als immer mehr Schiffe in sein Blickfeld fielen. Anfangs hatte ich meine Zweifel, ob ich den Schritt als allein erziehende Mutter wagen sollte, von Köln nach Rügen zu ziehen. Ein Kurzurlaub mit Besichtigung der Kita und meinem möglichen Arbeitsplatz machte mir die Entscheidung schließlich sehr leicht.

 +++

Erschöpft aber glücklich, bog ich in die Auffahrt zu unserem kleinen Strandhaus ein. Die ersten drei Monate übernahm die neue Firma die Miete für dieses Schmuckstück und ich konnte es kaum erwarten, alles nach meinen Vorstellungen einzurichten. Zum Glück hatte das Umzugsunternehmen bereits gestern unsere Sachen geliefert, so dass ich nicht noch Kisten schleppen musste. Außer den Kleinigkeiten, die ich noch im Kofferraum hatte.

»Komm, mein Schatz!«, sagte ich und half Lucas aus dem Wagen. Er hob sein Gesicht und sog tief die Luft ein.
 »Das riecht gut hier.«
»Das ist das Meer, weißt du noch?« Er nickte und wollte mir gerade antworten, als etwas oder besser gesagt jemand seine Aufmerksamkeit erregte. Ein kleines Mädchen mit zwei geflochtenen Zöpfen stand am Gartenzaun und beobachtete uns neugierig.

»Hallo, ich bin Luca und das da ist meine Mama, Anna!«, rief er so laut, dass es auch die Nachbarn fünf Häuser weiter hätten hören können, und zeigte mit dem Finger auf mich. Manchmal war es Fluch und Segen zugleich, ein Kind zu haben, dem es nicht schwer fiel, auf andere zu zugehen.

 »Ich bin Marie und das da, ist mein Papa, Tom.« Zuerst wusste ich nicht, wen sie meinte, bis auch sie mit dem Finger in eine Richtung zeigte. Es verschlug mir die Sprache, als ich den Mann vom Strand kommen sah. Braun gebrannt perlten die Wassertropfen von seiner nackten Brust und er strich sich durchs dunkle, feuchte Haar. Oh mein Gott. Das musste ein Traum sein! Der untere Teil von ihm steckte in einem Neoprenanzug und er trug ein Surfbrett unter dem Arm. Ein bisschen erinnerte mich die Szene an die Serie Baywatch, wenn die sexy Beachboys durchs Bild liefen. Nur dieser hier war real. Aus Fleisch und Blut, wie ich feststellte, als er zu uns kam und mir über den Zaun die Hand reichte, nachdem er das Brett gegen diesen gelehnt hatte.

 »Hey, ich bin Tom.« Sein Griff war fest und ein warmes Kribbeln fuhr von meiner Hand in meinen Arm hinauf.
 »Ich bin Anna Mahler, und das ist Lucas.« Ich strich meinem Sohn übers Haar.
»Schön, Sie kennen zu lernen. Sie müssen die neuen Mieter sein.«
»Richtig, wir sind gerade angekommen.« Gott, was redete ich denn da? Das war ja wohl offensichtlich. Am liebsten hätte ich mir die Hand gegen die Stirn geschlagen, ließ es aber lieber, um mich nicht zur Idiotin zu machen. Plötzlich zupfte etwas an meinem Rock. Ich sah nach unten zu Lucas, der mich mit seinem Zeigefinger lockte, und beugte mich vor.
 »Ich muss ganz dringend mal auf die Toilette.« Oh je, ich hatte doch noch gar keinen Schlüssel. Hastig sah ich mich nach einer Alternative um.
»Er kann gerne bei uns gehen. Meine Schwester … ähm Ihre Maklerin, hat mir auch die Schlüssel da gelassen, für den Fall, dass Sie schon früher ankommen. Allerdings habe ich sie drinnen. Wie wäre es, wenn Marie ihm zeigt, wo er hin muss und ich Ihnen in der Zwischenzeit einen Kaffee koche?«

»Geht das wirklich in Ordnung?« »Natürlich!« »Danke.« »Ok, dann wäre das abgemacht.«
Er öffnete ein Tor links von uns und wir folgten ihnen in den Garten. Marie war ein fröhliches Kind und griff sich augenblicklich Lucas‘ Hand.

»Wenn mein Papa und deine Mama was trinken, dann gehen wir auf die Rutsche oder spielen Ebbe und Flut, einverstanden?«, jubelte die Kleine und zog meinen Sohn mit sich. Die Sonne verfärbte den Himmel bereits in ein leuchtendes Orange, während die Kinder noch immer auf dem Wasserspielplatz spielten und eine Menge Spaß zu haben schienen. Tom hatte sich als sehr angenehmer Gesprächspartner und noch besserer Grillmeister entpuppt. Mir war zwar nicht klar, ob seine Schwester oder das Schicksal seine Finger im Spiel hatten, als sie zwei Alleinerziehende zu Nachbarn machten. Aber was mich anging, hätte der Start in unser neues Leben nicht besser verlaufen können.

Indie-Autoren-Challenge Gabriele E. Fleischmann

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Gabriele E. Fleischmann lebt mit ihren Kindern und ihrem Ehemann in Köln. Die Leidenschaft Geschichten zu schreiben packte sie bereits in der Grundschule. Dort schrieb sie mit Abstand die längsten Aufsätze, später wagte sie sich auch an eine Jugendgeschichte. Die Leidenschaft fürs Schreiben wurde jäh von der Pubertät (und all dem was das Leben zu diesem Zeitpunkt bereit hält) kurzzeitig verdrängt. Was folgte war ein sogenannter 08/15 Lebenslauf mit Schulausbildungen und einer Ausbildung als Versicherungskauffrau.

Meine Anmerkung: Und nun folgt ein nicht ganz gewöhnlicher Lebenslauf, der hier den Rahmen sprengen würde. Aber wirklich durchaus interessant ist und deshalb stelle ich hier den Link zu ihrer Seite bei Amazon ein. Neben ihrer Lebensgeschichte befindet sich dort auch eine Übersicht ihrer Bücher, die dort erworben werden können: klick hier

Und hier kommen nun die 15 Begriffe, die Gabriele E. Fleischmann von Birgit Loistl genannt wurden:

Kuss
Rockmusik
Fensterbrett
Winter
Welpe
Buch
Zahnarzt
Bruder
Schaukel
High Heels
Bett
Kaffee
Blue Jeans
Fahrrad
Radio

Diese Geschichte hat sie dazu geschrieben:

 »Weißt du was ich mich immer frage, wenn ich hier bei dir bin? Wie es wohl denn so bei dir, so unter der Erde ist? Aber vielleicht hast du es ja doch nach oben geschafft. Wie ist es denn da oben? Siehst du uns zu? Siehst du unsere Tränen? Wenn ja, dann hoffe ich doch, dass du dich richtig mies fühlst.«

Mit einem Tuch wische ich den Grabstein ab und fahre mit den Fingern jeden Buchstaben nach, der in den kalten Stein gemeißelt wurde: Floris van der House 18.07.1986 – 16.01.2015 Du liebtest den Sommer, doch seit du weg bist, ist für uns nur noch Winter! ~~~~~~~~~~~~

Dieser Spruch trifft es wie die Faust aufs Auge. Warum nur? Warum musste sich der Vollidiot nur das Leben nehmen und damit so viel Chaos stiften, wie er es noch nicht mal zu Lebzeiten geschafft hat. Und da war er schon Chaotenweltmeister. »Brüderchen, ich hoffe für dich, dass du nicht wolltest, dass wir so leiden. Denn wenn du das in kauf genommen hast, dann werde ich dich dermaßen in den Hintern treten, wenn wir uns mal auf Wolke 7 begegnen.«

Vorsichtig schaue ich mich um, ob mich auch niemand beobachtet und als die Luft rein ist, küsse ich den Grabstein. Mir ist klar, dass dies ziemlich Irre ist, aber irgendwie habe ich das Gefühl, als würde ich ihm einen Kuss geben. Ich hocke mich neben das gepflegte Grab, lehne meinen Kopf an den Stein und rede noch ein wenig mit ihm. Was heißt hier mit? Also ich rede und der Stein hört mir zu oder auch nicht. Es ist friedlich hier, so ganz am Ende des Friedhofes, so dass ich allmählich wieder etwas runterkomme.

Irgendwann habe ich mir alles von der Seele gequatscht und sitze still auf dem feuchten Boden, genieße die Ruhe, sehe den kleinen Wolken am sonst stahlblauen Himmel zu, wie sie sich verändern und davon schweben. So wollte Floris auch davon schweben, weil er dachte, dass es das Beste für alle sei.

Wie kann man so etwas denken? Wie kann man glauben, dass es gut ist, geliebten Menschen so viel Schmerz zu bereiten, dass die daran zerbrechen? Erneut verspüre ich neben der Trauer, die enorme Wut auf meinen Bruder, dass er uns so etwas angetan hat.

»Scheißkerl«, fluche ich laut. Da dringt so etwas wie ein Wimmern an mein Ohr, fast könnte man glauben da jault jemand. Wie peinlich, ich fluche hier herum, während hinter dem Busch jemand sitzt und weint. Besser ich verdrücke mich, bevor derjenige mich noch entdeckt und mich für ein wenig geisteskrank hält. »Tschüss, du Mistkerl«, flüstere ich noch schnell dem Grabstein zu und bin auch schon halb auf dem Heimweg, da ändert sich das Wimmern, in Bellen …Bellen? Wieso bellt hier jemand, was heißt jemand, das muss ein Hund sein. Hunde sind aber auf dem Friedhof strengstens verboten (warum auch immer). Was soll es, wenn irgendjemand sein Hündchen mitgebracht hat, damit auch der sich verabschieden kann, ist mir das so was von egal.

Vom Weg aus spinkse ich mal kurz zu den Gräbern, von wo das Bellen kam und entdecke eine wunderschönen Deutsche Dogge. Sie hat den Kopf auf einem Grabstein liegen und jault. Wo steckt denn das dazugehörige Herrchen, wundere ich mich, denn weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Als die Dogge mich bemerkt, hebt sie kurz den Kopf, fixiert mich, um dann wieder den großen Schädel auf den Grabstein zu legen. Scheiße, was soll ich tun? Der Hund ist definitiv alleine hier. Ich kann ihn mir aber kaum schnappen, da es sich nicht um einen kleinen Welpen handelt, sondern um 50 KG Lebendgewicht. Nervös wische ich meine schweißnassen Hände an meiner Blue Jeans ab. Mein Bruder, der wüsste jetzt, was zu tun ist, der hatte immer ein Händchen für Hunde, aber er hat es ja vorgezogen, sich vor den Zug zu schmeißen.

»Hey«, schleiche ich mich langsam an den Hund heran. Jetzt hatte ich nicht erwartet, dass er antwortet, aber eine Reaktion wäre schon ganz gut. Aber nichts … er sieht mich nur an. Behutsam Schritt für Schritt nähere ich mich ihm, wobei meine High Heels sich im Moosboden versenken, was für den Hund anscheinend interessant wird, denn er hebt den Kopf, und wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich glauben, dass er mich auslacht.

»Sehr witzig«, schimpfe ich laut und bin mir nicht sicher ob ich mit mir oder dem Hund. Kurzerhand ziehe ich die Schuhe aus und laufe barfuß, es ist August, da kann man ruhig ohne Schuhe laufen.

 »Was mache ich mit dir?«, frage ich die Dogge, die mir – oh Wunder – immer noch nicht antwortet. Sie schmiegt wieder den Kopf auf den Stein, der einer jungen Frau Namens Greta Steiner gehören muss, so steht es auf jedenfalls darauf. »War Greta dein Frauchen?«

Ich halte dem Hund meine Hand hin und lasse ihn etwas daran schnuppern, als er sie mir nicht abbeißt, traue ich mich noch etwas näher. Diese Greta war auch nicht älter als Floris, stelle ich beim genaueren Hinsehen fest. Was ihr wohl zugestoßen ist? Seit dem Tod meines Bruders habe ich mir so eine Art Grabsteinraten angewöhnt. Anhand der spärlichen Information reime ich mir zusammen, wie der Tote ums Leben gekommen ist. Ein Achtzigjähriger ist sicher in seinem Bett gestorben, eine Hundertjährige friedlich auf der Terrasse eingeschlafen, womöglich hatte sie noch den Kaffee vor sich stehen, ein Buch auf den Knien liegen und wollte nur kurz die Augen schließen, um sie dann nie wieder zu öffnen. Der Zwanzigjährige hat sich bestimmt mit ein paar anderen ein Autorennen gegönnt. Das Radio auf volle Lautstärke gedreht, so dass die Rockmusik richtig in den Ohren dröhnte, und dann mit 180 Sachen in den Graben.

»Was ist denn mit deiner Greta passiert?«, spreche ich erneut mit dem Hund, als könnte er mit mir reden. »Sie hat sich aufs Fensterbrett im 18. Stock gestellt und ist gesprungen«, erklärt mir eine tolle Männerstimme hinter mir. Wie peinlich ist das denn? Ich traue mich nicht mich umzudrehen, weil ich garantiert wie ein Feuermelder aussehe, so ist mir die Hitze ins Gesicht geschossen. Wer weiß, wie lange der Mensch mir schon zu gehört hat? Sicherlich glaubt er jetzt, dass ich nicht mehr alle Latten am Zaun habe, weil ich den Hund ausfrage.

»Krebs im Endstadium, da wollte sie mir nicht zur Last fallen«, erzählt die sonore Stimme aber weiter, als wäre es normal, dass ich ihm den Rücken zudrehe. Ich habe zwei Möglichkeiten, entweder falle ich tot um, dann brauche ich mich nicht weiter zu schämen (würde aber meinen Eltern das Herz brechen) oder ich drehe mich um und mache, als wäre nichts geschehen. Ich entscheide mich für Variante zwei.

Als ich mich zögerlich umdrehe, sehen mir zwei stahlblaue, wunderschöne, aber sehr traurige Augen fest ins Gesicht. Der Rest, der zu diesen tollen Augen gehört, ist auch nicht von schlechten Eltern. 1a Körper, blonde strubbelige Haare, nur kein Lächeln im Gesicht.

»Das kleine Schoßhündchen ist übrigens Brutus. Er war Gretas große Liebe«, erzählt der Mann weiter, als hätte ich ihn danach gefragt. »Ewig haben die Ärzte nichts gefunden, es auf die Psyche geschoben, als sie immer dünner wurde, haben sie ihr eine Essstörung untergeschoben.«

Bitter lacht er auf, »Dabei, war es da schon zu spät. Ich habe ihr Brutus gekauft, weil die Ärzte glaubten, wenn sie eine Aufgabe hätte, dann würde es bald bergauf gehen.« Liebevoll tätschelt der Mann, den wuchtigen Kopf des Schoßhündchens.

»Bergauf …Bergauf, dass ich nicht lache, es ging rasanter bergab, als ein Skispringer die Abfahrtsrampe bewältigt.«

Irgendwie habe ich das Gefühl, das er mehr mit sich selbst spricht, als mit mir. Das scheint auch ihm aufzugehen. Verlegen murmelt er was davon, dass er gehen müsse, da er noch einen Termin bei seinem Zahnarzt hätte.

»Übrigens ich heiße Lotti«, rufe ich ihm noch hinter. »Anton«, lässt er mich wissen, dann ist er schon in einen Weg eingebogen.

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»Mama, Fleur auch Sand graben«, gluckst meine Tochter und hibbelt wild in ihrem Kinderwagen rauf und runter. »Wenn der Papa endlich mal fertig wird, dann gehen wir zur Schaukel.« Ich streiche Fleur übers Köpfchen und sehe meinem Mann weiter amüsiert zu, wie er Blut und Wasser schwitzt, weil er die kleine Dose mit Brutus Asche in Gretas Grabstätte einbuddelt und sich fast vor Angst in die Hose macht, weil er befürchtet entdeckt zu werden.

»Schaust du auch, ob keiner kommt Lotti?« Wenn er mich das noch einmal fragt, verbuddele ich ihn gleich daneben. »Achtung Anton«, kreische ich auf, worauf mein Mann vor Schreck die Schaufel fallen lässt, was mir leider eine kleine Kicherattacke beschert. Natürlich kommt niemand, was er auch ziemlich schnell begreift.

»Na warte ab.« Anton wischt sich den Sand von den Knien und kommt langsam auf mich zu. »Wir beerdigen hier gerade den armen Brutus und du verarscht mich.«

Er möchte ernst klingen, aber seine leuchtenden Augen strafen ihn Lügen. Fest nimmt er mich in den Arm und küsst mich zart. »Hättest du vor sechs Jahren daran geglaubt, dass wir mal hier stehen werden und glücklich sind?«, murmelt er schließlich.
»Nein, das hätte ich nicht.« Ich verknote meine Finger mit seinen und lehne meinen Kopf an seine Schulter. »Aber spätestens, nachdem wir uns, durch Brutus ein Jahr lang jeden Tag gesehen haben, da wusste ich, dass Floris Tod der Weg zu meinem Glück war. So wie er es immer vorausgesagt hat.«

Indie-Autoren-Challenge Mila Summers

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Mila Summers sagt über sich:
Ich wurde 1984 in Würzburg geboren, wo ich auch heute noch mit meinem Mann und unserer kleinen Tochter lebe. Ich studierte Europäische Ethnologie, Geschichte und Öffentliches Recht und erfüllte mir mit der Veröffentlichung meines ersten märchenhaften Kurzromans \“Küss mich wach\“ einen großen Traum. Wenn ich nicht gerade Windeln wechsele, auf Reisen gehe oder in den Büchern schmökere, die sich auf meinem SuB häufen, gilt meine Leidenschaft dem Schreiben humorvoller und romantischer Geschichten.

Diese Bücher können bei Amazon erworben werden: Klick mich

Nominiert wurde Mila Summers von Violet Truelove & Lindsay Lovejoy. Diese 15 begriffe wurden ihr genannt, die in einer Geschichte vorkommen sollten:

1. Kaffeekanne
2. Stehlampe
3. Stempelkissen
4. Namensgeber
5. Leseratte
6. Poesiealbum
7. Leseprobe
8. Hörspiel
9. Lebensweisheit
10. Surfergirl
11. Blechschild
12. Pandabär
13. Tränensäcke
14. Sonnenblende
15. Deodorant

Never change a running sytem!

Norbert Feldmayer schob seinen Lesesessel ein wenig zur Seite. So war es besser. Die Stehlampe neben sich knipste er auch gleich an. Ungeduldig nahm er schließlich Platz. Er konnte es kaum mehr abwarten, die Leseprobe in Augenschein zu nehmen. Der rundliche Mann mit der Nickelbrille war eine echte Leseratte. Kurz vor dem Zubettgehen verschlang er am liebsten die furchteinflößendsten Thriller. Meist standen dann auf dem kleinen Tischchen neben seinem gemütlichen Ohrensessel eine Kaffeekanne und Gebäck bereit.

Während seine Frau Margarete mal wieder auf der Couch eingeschlafen war, tauchte er immer weiter in die Geschichte ein. An einer besonders spannenden Stelle, hörte er plötzlich hinter sich eine Stimme: »Papa, ich kann nicht schlafen.« Und erschrak dabei fast zu Tode. Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen, um das Kind nicht zu ängstigen.

Philipp war gerade mal fünf Jahre alt und sollte um diese Zeit eigentlich schon längst schlafen. »Hast du schlecht geträumt?«, fragte Norbert schließlich, während er ihn zu sich auf den Schoß winkte.

»Ja, von Pandabären«, erzählte der Junge ganz aufgeregt. »Die sind aus dem Hörspiel, das ich vorhin angehört habe, herausgekommen und in mein Bett geklettert. Das war so gruselig, Papi.«

 »Oh, die wollten bestimmt nur mit dir kuscheln. Wenn du nach oben gehst, sind sie sicher schon wieder weg. Vor denen brauchst du keine Angst haben«, beschwichtigte er ihn, während er spürte, wie der Junge langsam ruhiger wurde. Philipp gähnte genüsslich.

 »Kleiner Mann, was machst du denn hier?«, rief Margarete schlaftrunken von der Couch rüber. Während sie sich genüsslich streckte, besah sich Norbert seine Frau genauer. Die Tränensäcke unter ihren Augen hingen ihr weit ins Gesicht, das Haar klebt fettig an der Kopfhaut, die Wölbung unter ihrer Brust war kaum zu übersehen. Was war aus dem einstigen Surfergirl geworden, das jede Welle furchtlos bezwungen hatte?

Verstohlen blickte er auf seine eigene Wampe und musste sich schmerzlich eingestehen, dass der Zahn der Zeit auch ganz ordentlich an ihm genagt hatte. Früher war er durchaus sportlich gewesen. Mit den Kindern und dem eigenen kleinen Häuschen am Stadtrand hat er sich zum Spießer entwickelt. Für Sport war er zu träge geworden. Das viele Gebäck am Abend tat sicher sein übriges.

 »Mama, ich muss unbedingt noch etwas in Luises Poesiealbum schreiben. Jetzt sofort. Morgen haben wir es wieder vergessen«, rief Philipp ganz aufgebracht.

 »Aber Schätzchen, du kannst doch noch gar nicht schreiben. Mal ihr doch morgen ein Bild in das Album. Hm?«, versuchte Margarete den Kleinen von seinem Vorhaben abzubringen. Ohne Erfolg.

Philipp stürzte sich von meinem Schoß und rannte ins Wohnzimmer. Sogleich kam er mit einem kleinen Büchlein in der Hand zurück und streckt es ungeduldig seiner Mutter entgegen. »Mami, Mami, wir brauchen so eine Lebensweisheit, die wir der Luise ins Buch schreiben können. Marion hat erzählt, dass ihre Mama einen ganz tollen Spruch rausgesucht hat. Das müssen wir toppen.«

»Okay, lass mich kurz überlegen. Was hast du denn mit dem Stempelkissen in deiner Hand vor?«

»Damit können wir der Luise dann noch Fingerabdrücke ins Album machen. Das ist dann ein echtes Unidraht.«

»Was ist denn ein Unidraht?«, fragte Norbert neugierig von seinem Sessel aus. In Gedanken klappte er gerade die Sonnenblende in dem schmucken Cabrio herunter, das sie während ihres Surfurlaubs auf Hawaii angemietet hatten. Ohne Kinder. Ungebunden fuhren die beiden Jungverliebten von Strand zu Strand. Immer auf der Suche nach den besten Wellen. Eine aufregende und unglaublich intensive Zeit. Wo war wohl das Blechschild abgeblieben, das er sich zur Erinnerung mit nach Hause genommen hatte?

»Ein Unidraht ist etwas Einmaliges. Das kommt nicht so oft vor«, berichtete Philipp ganz stolz. »Anscheinend kommt es so selten vor, dass du es gar nicht kennst, Papa.« Der kleine Mann wuchs augenscheinlich um zwei Zentimeter bei der Vorstellung, seinen Vater an Wissen zu überragen.

 »Nein, mein Lieber. Das kannte ich wirklich nicht. Das Wort, das du meinst heißt Unikat.« Norbert führte die Kaffeetasse zufrieden an seinen Mund, während der Junge zu schmollen begann. Margarete warf ihrem Mann einen vernichtenden Blick zu. Offensichtlich hatte er einen Fehler begangen. Vielleicht hätte etwas mehr Einfühlungsvermögen zeigen sollen?

»Du musst nicht traurig sein, Philipp. Der Papa ist ja nur eifersüchtig. Du hast ein ganz eigenes Wort erfunden. Du bist sozusagen der Namensgeber für den Unidraht. Das hat der Papa in seinem ganzen Leben nicht geschafft.« Die funkelnden Lichtblitze in ihren Augen zeugten von dem Feuer, das einst in ihr loderte.

Während er in Gedanken an die heißen Liebesnächte von einst dachte, verabschiedete sich sein Sohn brav ins Bett. Ob er es wagen sollte?

Mutig erhob er sich von seinem Sessel, setzte sich auf der Couch ganz dicht zu seiner Frau und begann ihr die empfindliche Stelle unter dem Ohr zu küssen.

»Norbert, hast du wieder mein Deodorant benutzt? Wie oft habe ich dir denn schon gesagt, dass du die Finger von meinen Sachen lassen sollst.«

Da ging sie dahin. Die Hoffnung auf mehr. Das Feuer lag erloschen vor ihm. Der Drops war gelutscht. Nur gut, dass der Thriller noch auf ihn wartete. Der motzte nicht, nahm nicht zwischenzeitlich zwanzig Kilo zu und fügte sich immer anstandslos seiner Führung.