Weihnachtshäppchen – Dietmar Hesse

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 


Dietmar Hesse  hat nach den Vorgaben von Thea Campbell eine norddeutsche Weihnachtsgeschichte geschrieben

Schnee
Rudolf das Rentier
Weihnachtsessen
Weihnachtsgebäck
Bescherung

Winter an der Küste – Dietmar Hesse mit Wörtern von Thea Campbell

Vor dem Fenster tanzten die Flocken lustig in der leichten Brise und bedeckten die Landschaft mit Schnee. Gemeinsam hatten sie beschlossen, die Heimat an der Nordsee zum Fest zu besuchen. Sie, um die Familie zu sehen. Er wollte Freunde aus dem Büro treffen. Das alles erschien ihm wie ein Schritt durch das Tor der Vergangenheit.
Er fühlte sich in der Wärme der Toskana in der letzten Zeit zuhause. In Gedanken hatte er den Norden Deutschlands schon lange hinter sich gelassen. Der Anblick der Dünen unter der Decke aus weißer Pracht ließ ihn jedoch lächeln.
Neben ihm drehte sich Eva seufzend auf die andere Seite und schlief entspannt weiter. Er betrachtete ihr Gesicht eine Weile, dabei fragte er sich: Womit habe ich mir diese Traumfrau verdient? Hier fühlte sich alles anders an. Es war die Stille. Leises Rauschen der See, das zwischen den Dünen einen Weg zu seinem Ohr fand, versprach ruhige Tage.
Der betörende Duft frisch aufgebrühtem Kaffees schwebte ihm von unten herauf in die Nase. Frau Harmsen breitete das Frühstück zu.
Lächelnd wendete er sich Eva zu und stupste sie liebevoll an. »Der Kaffee ist fertig«, sang er ihr sanft das Lied ins Ohr.
Sie räkelte sich, grummelte etwas Unverständliches und sah ihn dann fragend an. »Wwwas ist fertig?« Verschlafen setzte sie sich auf.
»Die Vermieterin bereitet das Frühstück. Wir sollten uns anziehen. Ein wenig frisch machen.«
»Wie spät ist es denn?«
»Kurz vor acht.«
»Ich schlafe hier so lange, das liegt bestimmt an der Stille. Kein Vogel weckt mich.«
»Die Möwen stehen an der Küste nicht so früh auf.« Grinsend ging er ins Bad.
Eva warf ihm ein Kopfkissen hinterher. »Du …«

»Moin mien Deern, du siehst hungrig aus. Kaffee oder Tee?« Sie strahlte über das runde, fast faltenlose Gesicht. Nur die graue Haarpracht ließ ihr Alter erahnen.
»Bitte einen Kaffee.«
Die dampfenden Tassen stellte sie zusammen mit einem Teller Weihnachtsgebäck auf dem Tisch ab, und fragte augenzwinkernd: »Wie wollt ihr das Ei? Gekocht, gerührt oder als Spiegelei?«
»Rührei«, flüsterte Eva am heißen Nass nippend.
Das Frühstück war genau das, was sie jetzt brauchten. Frau Harmsen erfüllte alle Wünsche. Gesättigt zogen sie die warmen Stiefel und Jacken an.
Sie hatten sich einen Strandspaziergang vorgenommen. Bei jedem Schritt knirschte es unter den Sohlen, so frostig war es.
Eva sah einfach lustig aus mit der bunten Pudelmütze. Verspielt wie kleine Kinder liefen sie immer wieder los, bewarfen sich lachend mit der weißen Pracht. Vor der Düne schmissen sie sich in den Schnee, um Schneeengel zu zeichnen.
Verschmitzt betrachteten beide das Ergebnis. Jan küsste Eva und räusperte sich, sie in den Arm nehmend.
»Du, mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken an den heutigen Abend. Das Weihnachtsessen liegt mir schwer im Magen. Heiligabend ist doch was Persönliches. Ihnen an einem Familienfest als Fremder zu begegnen… Muss ich da wirklich mit?«
»Wenn du jetzt den Schwanz einziehst, bin ich dir ernstlich böse, Jan van den Books.« Durchdringend sah sie ihm in die Augen. »Sie freuen sich darauf, dich als den Mann an meiner Seite kennenzulernen. Es ist nur ein Essen in der Fischerhütte. Das gemütliche Lokal am Hafen wird dir gefallen.«
Jan lachte Eva an und drückte sie fest. »Dann habe ich wohl keine Wahl, will ich es mir mit dir nicht verscherzen. Wir bestellen uns zu sechs eine Taxe, das sollte passen.«
Auf dem Weg zurück schlenderten sie an einem Spielplatz vorbei. Die Kleinen waren aufgeregt. Sie umschwärmten etwas, von dem nur zwei Stangen über den Köpfen der Kinder hervorlugten.
Neugierig traten Jan und Eva näher heran. Ein freundlicher Mensch hatte den Zwergen für diesen Tag einen Schlitten hingestellt. Gezogen wurde der von Rudolf, dem Rentier mit der roten Nase. Die Kids streichelten und knuddelten das Tier. Ein besonders mutiger Knabe versuchte, auf den Rücken zu klettern. Einen Moment sahen sie dem lustigen Treiben zu, dann gingen sie lächelnd weiter, verzaubert von der schönen Idee.
Der Taxifahrer stand pünktlich vor der Tür, sie abzuholen. Kaum aus dem Ort raus bog er ab auf den Dammweg. Zehn Kilometer geradeaus bis zum Ziel. Um diese späte Stunde an solch einem Tag waren sie die Einzigen auf dem Weg. Die Beiden saßen turtelnd auf der Rückbank. Auf halber Strecke stotterte der Motor des Wagens, der bockte noch zweimal und blieb stehen.
Der Fahrer zuckte mit den Schultern. »Irgendwas kaputt«, raunte er sich in den Bart. Dann rief er über Funk die Zentrale an.
»Heute, um die Uhrzeit? Da draußen, das dauert. Macht euch auf eine lange Nacht gefasst. Hast du Decken dabei?«
»Sie haben es gehört, das kann dauern.« Entschuldigend sah er sie an.
Eva kramte ihr Smartphone aus der Tasche. »Verflixt, kein Empfang. Die Eltern sollen nicht auf uns warten.«
Jan sah sich um. »Da vorne, nicht weit weg, ist ein kleines Haus. Da ist Licht in den Fenstern. Lass uns versuchen, von dort zu telefonieren.«
Beide stiegen aus dem Auto und machten sich auf den Weg. Im diffusen Mondlicht war zu sehen, dass Rauch aus dem Schornstein aufstieg. »Nur ein Anruf, wir wollen die Leute nicht beim Fest stören«, meinte Jan. Arm in Arm stapften sie durch den Schnee auf das Anwesen zu.
An der Tür angekommen, suchten sie vergeblich nach einer Klingel. Eva verlor die Geduld und klopfte laut.
Eine gebückt gehende alte Frau öffnete kurz darauf. »Oh, Frömm. Moije Wiehnachten. Kümmt in, buten is dat koolt. Streift euch bitte vorher die Schuhe ab. Der kleine Ofen schafft das ganze Haus nicht.« Eilig schloss sie hinter ihnen die Tür. »Jacken da aufhängen, und dann rinn in die gute Stube.
»Oh Minchen, Gäste! Stell noch zwei Teller auf den Tisch.« Ein alter Mann in Fischerkleidung erhob sich, um ihnen die Hand zu geben.
Jan druckste verlegen. »Wir wollten nur nach einem Telefon fragen. Hier hat das Handy keinen Empfang«.
»Dieser moderne Kram.« Mit einer einladenden Handbewegung zeigte er auf ein grünes Monstrum mit Wählscheibe.
Das hatte Eva schon lange nicht mehr gesehen. Sie wählte die Nummer ihrer Eltern, erklärte, warum sie heute nicht kommen konnten und legte dann schmunzeln auf. »Morgen sind sie bei uns«, meinte sie zwinkernd zu Jan. »Sie wollen dich kennenlernen.«
»Setzt euch, Lüüd. Gleich steht das Essen auf dem Tisch. Minchen kocht immer zu viel. Ihr seid eingeladen.«
Es gab ein Fischgericht, die beiden Alten erzählten von ihrem Leben als Fischer. Glückliche Zeiten hatten sie hier erlebt. Jetzt verbrachten sie die letzten Jahre in ihrem Häuschen und freuten sich auf jeden neuen Tag. Im Hintergrund stand ein kleiner Weihnachtsbaum, geschmückt mit Äpfeln und anderen Dingen, die Jan an die Kindheit erinnerten. An ihm brannten richtige Kerzen. Darunter lagen keine Päckchen. Jan sah fragend zu dem alten Fischer.
»Bei uns fällt die Bescherung aus, wir sind uns Geschenk genug. Das werdet ihr auch bald verstehen, wenn ich euch so ansehe.« Schmunzelnd blickte der Jan und Eva an.
Es klopfte an der Tür. Der Taxifahrer stand davor.
»Mein Kollege ist mit dem Ersatzfahrzeug da. Sie können weiterfahren.«
Sie verabschiedeten sich von den netten Gastgebern, wurden gedrückt und ein freundliches Winken begleitete sie auf dem Weg zur Straße.
Auf dem Rücksitz sagte Jan zum Fahrer: «Bitte zu unserer Unterkunft.«
Dann nahm er Eva in den Arm und gab ihr einen langen Kuss. »Das war ein wunderschöner Heiligabend mit dir.«

Weihnachtshäppchen – Kathrin Lichters

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 

***Wunderküsse – Eine Lesehäppchen zur Weihnachts-Indie-Author-Challenge***

Kathrin Lichters hat die Wörter von Anie Salvatore erhalten und daraus diese Geschichte gemacht:

Vanillekipferl
Christbaumständer
Weihnachtsengel
Glühwein
Nikolaus

Das erste Jahr ohne sie würde ein bedrücktes Weihnachtsfest werden, soviel stand fest. Helen blickte traurig auf den Weihnachtsengel in ihrer Hand, der Kindheitserinnerungen in ihr weckte, die sie ein wenig trösteten. Vor über zwanzig Jahren hatte sie ihn mit ihrer Großmutter gebastelt. Solche Gegenstände waren ihr im Moment unglaublich wichtig. Vor Jahren hätte sie sie noch überstürzt in die Ecke geräumt, weil sie alt und nicht modern genug für ihre schicke Wohnung waren. Doch mit dem Verlust von ihrer geliebten Großmutter, die sie großgezogen hatte, sah das nun anders aus. Plötzlich waren diese unbedeutenden Kleinigkeiten besonders wichtig. Lag es an ihrem Alter, das ihr manche Dinge auf einmal klarer waren?
Der Ruf ihres Bruders hallte durch die Räume und Helen sah sich zu ihm um. Ein Ungetüm von Weihnachtsbaum wurde gerade in ihr Wohnzimmer geschleppt. Zwischen den grünen Ästen tauchte endlich Ralf auf, dessen Brille nur noch an einem Ohr baumelte. Er grinste sie schief an. „Du glaubst nicht, wen ich getroffen habe, Helen.“
„Wen?“, horchte sie nur wenig interessiert nach.
„Mich!“, ertönte es vom anderen Ende des Baumes und erst jetzt fragte Helen sich, wer diesen Wahnsinnsbaum mit Ralf getragen hatte. Ein paar Tannennadeln stachen in den blonden, mit Gel modellierten Haaren hervor, die Wangen waren von den Minusgraden ganz gerötet, aber diese Augen … Diese Augen hätte Hellen überall erkannt.
„Lars?“, wisperte sie und fürchtete, bereits an den Krümeln des Vanillekipferls, den sie vor Kurzem gegessen hatte, zu ersticken. Ihr Herzklopfen nahm Fahrt auf, wie ihr alter rostiger Polo. Er lächelte, so anziehend wie vor einem Jahr zuvor. Verdammt, wie sah sie nur aus? Das war so typisch! Ihr Bruder schleppte den einzigen Kerl in ihrer Wohnung an, den sie unter keinen Umständen wiedersehen durfte. Eine Wohnung, die sie sich im Moment mit ihm teilte, weil seine Frau ihn für eine andere verlassen hatte. Da stand sie also mit ihren dreißig Jahren, dem mehlverschmierten Pullover, der sie nicht unbedingt schlanker machte, einem gebrochenen Herzen und betrachtete nun Lars, den verlobten Mann, an den sie ihr Herz verloren hatte. Sie blickte in seine dunkelblauen Augen, während Ralf dieses Ungetüm in den Christbaumständer wuchtete und beinahe dabei umfiel. Keiner der beiden schien es zu bemerken, denn Lars trat nur einen Schritt näher auf sie zu, wodurch Helen nach Luft schnappte.
„Helen … schön, dich zu sehen“, murmelte er leise.
„Ja, das muss ja ewig her sein …“ Auf den Tag ein Jahr, erinnerte sie sich bedrückt. Helen hielt inne und dachte an den Kuss, der sie vor einem Jahr alle Zelte in dem Ort, wo sie aufgewachsen war, hatte abbrechen lassen. Ein untrügliches Gefühl beschlich sie, dass er auch an diesen Moment zurückdachte. Damals war Lars in einer langjährigen Beziehung gewesen und hatte wochenlang dabei geholfen, ihrer Großmutter den Garten zu verschönern, weil sie es nicht mehr allein schaffte. Sie hatte sich Hals über Kopf in den Mann verliebt, der schon immer mit ihrem Bruder befreundet gewesen war und mit dem sie mehr Zeit verbracht hatte, als es sich gehörte – zumindest, wenn er verlobt war. Mit gebrochenem Herzen hatte sie sich zurückgehalten, weil sie eben nicht zu den Frauen gehörte, die anderen ihre Männer ausspannte. Doch dann hatte ihre Großmutter das übliche Nikolausfest gefeiert, mit Glühwein, selbst gebackenen Plätzchen und ihren selbstgestrickten Socken. An diesem Abend hatte es einen Moment gegeben, in dem sie sich sicher war, sich die unzähligen Blicke und Vertrautheiten von ihm nicht eingebildet zu haben. Im Schuppen, auf der Suche nach einem Handfeger, war es zu einem einzigen und wahrhaft unvergleichlichen Kuss gekommen, der Helen am nächsten Tag veranlasst hatte, ihre Sachen zu packen und Lars nie wiederzusehen. Das hatte nicht gut geklappt, wie sie jetzt einsehen musste. Denn auch ein Dorf weiter schleppte ihr Bruder ihn nun an. Doch wie hätte sie Ralf einen Vorwurf machen können, wo er doch nichts von diesem schwachen Moment wusste.
„Das mit deiner Großmutter tut mir leid, ich habe davon gehört, aber ich wusste nicht, ob du mich auf der Beerdigung sehen wolltest.“
„Danke, es ist schon … okay“, wich sie ihm aus. „Ich … bin noch mit den Keksen beschäftigt … ähm, und lass euch mal allein.“ Damit floh sie aus dem Wohnzimmer, obwohl Ralf ihr irritiert nachrief, sie solle ihm doch beim Baumaufstellen helfen.
Lars folgte ihr jedoch in die Küche und sagte eifrig: „Ich weiß, dass es womöglich viel zu spät ist, um über diesen Kuss zu reden, aber …“
„Das könnte man so sagen“, stieß sie überrascht aus und sah bestürzt, wie er die Entfernung zu ihr immer weiter verkleinerte und ihr näherkam.
„Du bist damals einfach weg gewesen …“
„Wehe dir, du schiebst mir die Schuld zu. Du bist mit einer anderen verlobt, erinnerst du dich? Ich habe mich so schlecht gefühlt, weil ich … wir …“
„Deine Großmutter hat mich dazu angehalten, dich nur aufzusuchen, wenn ich meine Angelegenheiten geregelt habe und …“
„Sie hat was?“, entfuhr es Helen überrascht. Hatte sie es gewusst? Nun ließ Lars die Schultern hängen.
„Sie wollte nicht, dass du die andere Frau wirst und sie hatte recht. Denn dann hätte ich alles ruiniert. Nachdem ich mich von Kathleen getrennt hatte, wollte ich einen Neuanfang und regelte alles. Danach habe ich von dir und Erik erfahren und als deine Großmutter starb, wusste ich nicht …“
„Timing war nie unsere Stärke, oder?“, fragte Helen leise und ihre Mundwinkel hoben sich, obwohl sie Tränen in den Augen hatte.
Lars lächelte ebenfalls. „Du hast dich von Kathleen getrennt?“, wisperte sie mit erstickter Stimme.
Ein Nicken folgte und Lars überbrückte die letzte Distanz zu ihr. „Ich kam heute her, weil es genau heute ein Jahr her ist, dass du mein Leben auf den Kopf gestellt hast. Ich konnte nur noch an diesen Kuss denken und die Gefühle, die er in mir ausgelöst hat.“ Seine Hände streichelten über ihre Wangen, die sicher voller Mehl waren.
„Dann bist du gar nicht wegen Ralf hier.“
„Ich bin wegen dir hier. Genau genommen bin ich hier, um das zu tun.“ Eine Hand strich durch ihr lockiges Haar und umfing ihren Nacken, während die andere an ihrer Taille blieb, wo er sie zu sich heranzog, bis ihre Körper sich berührten und sein Mund ihre Lippen verschloss. Zuerst zärtlich, später inniger küssten sie sich und es war noch viel besser als in dem Jahr zuvor.

Weihnachtshäppchen – Ava Innings / Viola Plötz

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 

Ava Innings/Viola Plötz stellt sich der Herausforderung und den Worten von Nina Grey.

Schneeflocken
Lichterketten
Weihnachtsleckereien
geschmückte Fenster
Familie

Chandler sah sich in dem Haus, in dem Willow aufgewachsen war, um. Es wirkte warm, einladend und behaglich und stand daher in krassem Widerspruch zu Willows Erzählungen. Chandler warf einen Blick zu seiner Freundin, die an einem der geschmückten Fenster stand, hinaus in die Nacht stierte und verzweifelt versuchte, ihre Schwester zu erreichen.

„Ich weiß nicht wo Harper steckt“, wisperte sie fast verzweifelt, als Chandler sich hinter sie stellte und seine Hände beruhigend auf ihre Schultern legte. Als er merkte, wie sie sich entspannte, trat er dichter an sie heran und umarmte sie.

Willow wölbte ihm ihren Rücken entgegen, neigte den Hals und forderte ihn stumm dazu auf, diesen zu küssen. Chandler tat es. Er schloss die Augen, rieb seine Nase über Willows Hals und knabberte an ihrem Ohrläppchen.
„Du bist so schön!“, raunte er ihr zu.
Willow schmunzelte unwillkürlich. „Ich bin so froh, dass du bei mir bist.“
„Ich bin froh, dass ich bei dir sein darf. Jeden Tag auf ein Neues!“, versicherte er ihr.

Er betrachtete ihr gemeinsames Spiegelbild in der Fensterscheibe. Willow, klein, zierlich, blond und quirlig wirkte seit ein paar Tagen wie verändert, doch Chandler sorgte sich nicht. Er war sich sicher, dass ihr sonderbares Verhalten nichts mit ihm zu tun hatte, sondern lediglich mit diesem Tag hier.

Chandler nahm sich vor, sich nicht von den Lichterketten, den Weihnachtsleckereien, vor allem jedoch von den Worten seiner Schwiegereltern in spe einlullen zu lassen. Willow fühlte sich unwohl. Sie war das reinste Nervenbündel und er war sich sicher, dass daran ihre Eltern, die sich bisher nett und charmant gezeigt hatten, schuld waren und genau deshalb sehnte Willow sich nach Harper. Ihre Schwester war stets ihre Verbündete gewesen, ihre Rückendeckung, doch jetzt war er an ihrer Seite und …
Ein Räuspern hinter ihm ließ ihn aufblicken.
„Ihr seid so ein nettes Paar“, säuselte Willows Mutter und fügte dann hinzu: „Vom Größenunterschied hat Patric zwar deutlich besser zu dir gepasst, Liebes, aber immerhin hat Chandler im Vergleich zu diesem unsäglichen Strider einen ordentlichen Beruf.“

„Auch noch Ansprüche stellen, man sollte meinen Millionär sei Millionär“, raunte Chandler Willow kaum hörbar zu und entlockte ihr ein amüsiertes Glucksen.
Laut sagte er: „Weihnachten ohne Schnee ist kein echtes Weihnachten.“
„Wie recht Sie haben, mein Lieber! Aber wir sind hier in Kalifornien und mit dem Schnee nicht so verwöhnt, wie Sie von der Ostküste.“
Zu Willow sagte Chandler im Flüsterton: „Ich liebe es, wenn ich meinen Kopf in den Nacken lege, die Zunge rausstrecke und Schneeflocken darauf fallen.“
Sie sah ihn an und ihre Augen funkelten amüsiert. Chandler mochte, wie Willow ihre Nase krauszog, wenn sie lachte. Er legte eine Hand an ihre Wange und küsste sie sachte auf den Mund.

Während des Essens musste er Willows Eltern Rede und Antwort über seine Absichten in Bezug auf ihre Tochter stehen. Bereits nach dem Kommentar hinsichtlich des Größenunterschiedes zwischen Willow und ihm war Chandler klar gewesen, dass er nicht als die Nummer eins bei der Partnerwahl für Willow galt. Er ignorierte die weiteren, zahlreichen Spitzen, die Willow und ihm deutlich machen sollten, dass Patric der bevorzugte Schwiegersohn wäre, denn obwohl Chandler noch immer unsicher war, so interessierte es ihn nicht im Geringsten, was die Ramseys von ihm hielten. Er wusste, dass Willow ihn glücklich machte und er sie und alles andere war ihm schlicht und ergreifend egal.

Später, als sie zusammen im Bett in seiner Penthouse-Wohnung, in die Willow vor Kurzem gezogen war, lagen, sagte Willow: „Es tut mir so leid. Es war ein furchtbarer Abend und du hast das wirklich nicht verdient.“
Chandler drehte sich auf die Seite, er spielte mit Willows Locken und erwiderte: „Es war ein wundervoller Abend, weil ich ihn mit dir verbringen durfte.“
„Du bist so lieb und einfach zu gut für diese Welt.“ Sie seufzte leise und schwermütig. Chandler wusste, dass ihr all die verletzenden Worte zugesetzt hatten. Die unterschwellige Feindseligkeit, die in jeder gesprochenen Silbe mitgeschwungen hatte, nagte nun an Willow.
„Lass uns etwas vereinbaren“, sagte Chandler und betrachtete Willow liebevoll.
„Was denn?“
„Lass uns vereinbaren, dass nur wir zählen. Nur du und ich. Lass uns abmachen, dass es egal ist, was andere über uns denken und dass wir uns immer unterstützen und wertschätzend behandeln. Lass uns daran arbeiten, dass wir uns erhalten, was wir jetzt für einander empfinden. Ich weiß, dass das nicht immer einfach sein wird, denn im Laufe der Zeit werde ich dich enttäuschen und du mich. Es werden kleine oder vielleicht sogar große Enttäuschungen sein, aber ich möchte, dass wir uns nicht auf diese konzentrieren, sondern auf all das Gute und Richtige, denn du bist gut und richtig. Um genau zu sein, bist du perfekt für mich und ich liebe dich von ganzem Herzen. Du bist meine Familie.“
Willow blinzelte gegen die Tränen an und erwiderte leise: „Und du bist meine.“

Weihnachtshäppchen Marlies Borghold

Die Indie-Autor-Challenge, die seit März 2015 läuft,ist immer noch aktiv und beliebt. Jetzt hatten einige Autoren die Idee, eine weitere Challenge, mit Hilfe der Leser zu veranstalten. 

Marlies Borghold stellt sich der Herausforderung von Sonja Batzdorf und ihren Vorgaben:

Kinderlachen
Adventskranz
Schneeflocke(n)
Weihnachten
Schokoladenweihnachtsmann‬.

***

Toni konnte es nicht ertragen, dieses Getue um Weihnachten, und schaltete den Fernseher aus. Als wenn so ein Schokoladenweihnachtsmann, ob lila oder bunt, ein einziges Kinderlachen hervorlocken könnte! Als wenn man jetzt nur noch tonnenweise Plätzchen backen, tausende Weihnachtsmärkte besuchen und zig Hektoliter Glühwein trinken würde! Als wenn alle miteinander plötzlich fröhlich und friedvoll wären! Ein fünfzigjähriger eingefleischter Junggeselle wusste Bescheid. »Was für ein verlogener Scheiß!«, höhnte er und machte sich schwerfällig auf. Es war Zeit fürs Bett, schließlich begann der nächste Arbeitstag früh.

***

 »Fröhöliche Weihnacht überall«, trällerte Sonja, während sie die Kerzen des Adventskranzes ausblies, sich danach ihre rote Jacke überwarf und hinausging. Sie freute sich. Nach der Arbeit wollte sie mit ein paar Kollegen über den Weihnachtsmarkt bummeln. Das volle Programm: Glühwein, Bratwurst, Karussells, Kinderlachen. Ihre Trauer hatte Sonja überwunden, zumindest einigermaßen. Natürlich musste sie sich hin und wieder dazu zwingen, an ihre alte Lebensfreude anzuknüpfen, was gerade in dieser Zeit schwerfiel. Natürlich weinte sie ab und an, auch nach vier Jahren. Aber Arno hätte nicht gewollt, dass sie sich zurückzöge. Niemals! Das Wetter trug zu ihrer guten Laune bei. Es schneite! Der erste Schnee! Ein dicker weißer Teppich legte sich über die Stadt, verschluckte den Lärm. Grinsend trat sie auf den Gehweg, hob das Gesicht und ließ die Schneeflocken auf ihrer ausgestreckten Zunge schmelzen. In diesem Moment fühlte sie sich wie fünf und nicht wie fünfzig.

***

»Schnee!«, grummelte Toni und stieg missmutig aufs Rad. Hätte er doch vorher bloß aus dem Fenster geschaut. Jetzt war es zu spät für den Bus. Er bliebe besser auf dem Bürgersteig. Gott, er hasste diese Zeit, das Wetter und alles, was dazugehörte. Er sollte … Rums! – Ein Schrei! Etwas Rotes flog ihm direkt vors Rad und jaulte mitleiderregend auf. Was für ein Hornochse war das denn?

***

 »Sie Hornochse«, brüllte Sonja. Irgend so ein Idiot hatte sie unsanft aus ihren Träumen geholt. Nun lag sie im Schnee, und ihr Fußknöchel schmerzte höllisch.
»Passen Sie doch auf!«, raunzte eine männliche Stimme.
»Ich? Sie haben mich über den Haufen gefahren! Au verflixt!«, jammerte sie, als sie aufzustehen versuchte.
Das Fahrrad wurde zur Seite gestoßen. Der Mann beugte sich über sie. Blaue Augen musterten sie besorgt. »Warten Sie! Nicht aufstehen! Ich rufe die Ambulanz!«
»Quatsch, ich kann den Fuß noch bewegen. Außerdem wird mir kalt. Würden Sie mir wohl bitte aufhelfen?«
»Natürlich. Tut mir leid.«
»Das sollte es auch!«, blaffte Sonja den Mann an, während er sie auf die Füße zog. Dabei kamen ihr die Tränen, vor Schmerz und weil der Tag nun keinen Weihnachtsbummel beinhalten würde. Offenbar hatte sie sich den Fuß verstaucht. Mist! »Ich muss zurück ins Haus.«

***

»Und ich muss zur Arbeit, bin eh spät dran«, schoss Toni ungehalten zurück. Er hatte eine Frau umgefahren, sah ihre Tränen und dachte über seine ungeliebte Arbeit nach. So ein Schwachsinn! Ihn packte das schlechte Gewissen. »Tztz, falls Sie wenigstens die Freundlichkeit besäßen, mich hineinzubegleiten, Herr, ähm, …«
»Kaiser. Toni Kaiser. Ja, sicher.« Er stützte sie, damit sie ins Haus gehen und sich setzen konnte. Die Küche wirkte gemütlich, trotz des ganzen Weihnachtsschnickschnacks.
»Danke. – Ihre Arbeit ruft.« Sie ließ ihre braunen tränennassen Augen blitzen. »Ich komme schon zurecht.«
»Ganz bestimmt nicht«, erwiderte er. »Ihr Knöchel muss gekühlt werden. Sie brauchen einen Verband.« Toni nahm ein Handtuch vom Haken, hielt es unter den Wasserkran und machte sich damit am lädierten Knöchel der Frau zu schaffen.
»Nein!«, schluchzte sie nun. »Hauen Sie einfach ab!«
»Bitte nicht weinen. Haben Sie Schmerzmittel hier? Wie heißen Sie überhaupt?«
»Ach, lassen Sie mich in Ruhe! Ich wollte heute nach der Arbeit auf den Weihnachtsmarkt und hatte mich so darauf gefreut.« Sie betrachtete Tonis laienhaften Verband und schmunzelte trotz der Tränen. »Ich heiße Sonja König.« »Nun denn, Sonja. Jetzt rufen wir beide erst einmal unsere Arbeitgeber an. König meldet sich krank, und Kaiser nimmt Urlaub.« Damit brachte er sie zum Lachen, einem hellen Lachen, das seltsamerweise sein Herz bewegte.

***

Am Nachmittag roch es in Sonjas Wohnung nach Glühwein, Bratwurst und Keksen. Kinderlachen und Weihnachtsmusik drang aus dem Handy, das Toni ihr ans Ohr hielt. Wenn der König nicht zum Weihnachtsmarkt gehen könnte, müsste der Kaiser ihm diesen halt bringen, hatte Toni schlicht gesagt.

***

Und der Kaiser blieb beim König.

***

Indie-Autoren – Weihnachtshäppchen

Die Indie-Autor-Challenge ist eine Aktion, die schon seit März 2015 läuft und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Jetzt haben sich einige Autoren zu Weihnachten etwas tolles ausgedacht:

Hier habe ich die Autoren und Leser aufgeführt, sowie die Begriffe, die in der Geschichte vorkommen müssen. Nach und nach stelle ich hier den entsprechenden Link ein.


Viola Plötz– Nina Grey:
Schneeflocken, Lichterketten, Weihnachtsleckereien, geschmückte Fenster, Familie
Link zu ihrer Geschichte


Any Swan – Marina Doldd
Zimtsterne, Schneekugel, Duftkerze, Geschenk und Schneeflocken…


Nicole König – Elke Büchner
Krippenspiel Weihnachtsbaum, Weihnachtsmarkt, Adventskranz, Geschenke

Mila Summers – Ulrike Meiss
Bratapfel, Strohsterne, Krippe, Chorgesang, Blockflötenkonzert
Link zu ihrer Geschichte

Marlies Borghold – Sonja Batzdorf:
Kinderlachen , Adventskranz , Schneeflocke(n) , Weihnachten , Schokoladenweihnachtsmann‬
Link zu ihrer Geschichte

Medusa Mabuse – Nicole Berger:
Christmette, Schneegestöber, Weihnachtsschmaus, Familientreffen, Baumschmuck


Dietmar Hesse – Thea Campbell
Rudolf das Rentier, Weihnachtsessen, Schnee, weihnnachtsgebäck, Bescherung
Link zu seiner Geschichte


Kathrin Lichters – Anie Salvatore Autorin 
Vanillekipferl, christbaumständer, Weihnachtsengel, Glühwein, Nikolaus
Link zu ihrer Geschichte

Denise Wolf – Sabsy Grab:
Heiße Schokolade mit Schuß, Maronen, Kaminfeuer, Schnee, Mistelzweig


Bettina Betty Kiraly Kay – Martina König
Tannenzapfen, Zimtsterne, Schneegestöber, Eierpunsch, Schlittschuhe
Link zu ihrer Geschichte

Indie-Autoren-Challenge – Marlies Borghold

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen.
Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte.

Die Autorin Marlies Borghold schreibt über sich:
Ich wurde vor sehr langer Zeit, im Jahre 1959, im schönen Borken (Westfalen) geboren und lebe seit über dreißig Jahren in der Nähe von Düsseldorf (auch schön dort!). Einer plötzlichen Eingebung folgend schrieb ich vor ein paar Jahren einen Roman. Schon bald kamen mir die Fortsetzungen hierzu in den Sinn. Im Jahre 2013 traute ich mich dann endlich und veröffentlichte unter dem Pseudonym Agnes M. Holdborg die ersten beiden Teile meiner romantischen Fantasy-Elfensaga „Sonnenwarm und Regensanft“ („Zwei Sonnen“ und „Sonnensturm“) als E-Books. Der dritte Teil „Elfenstern“ erschien im August 2014. Neben der Fortsetzung zu dieser Reihe arbeite ich zurzeit an dem Fantasyroman „Kuss der Todesfrucht“, aber auch an Projekten in anderen Genres wie Erotikthriller, Krimi und manchmal auch an Gedichten.

Marlies Borghold ist neu in der Autoren-Challenge-Gruppe und wurde von Any Swan nominiert.

Diese Begriffe musste sie unterbringen:

Motorschaden
Glühwein
Rum
Weiberheld
Hundedecke
Zimtschnecke
Papierflieger
Mietwagen
Niesattacke
Allergie
Vollmond
Flugzeug
Hunger
Angst
Nebel

Marlies schreibt:
So, ihr Lieben! Ich habe mich an meinem ersten IAC-Beitrag versucht. Hätte die Geschichte einen Titel, hätte ich “Das verflixte siebte Jahr” oder “Der Ring” gewählt, ABER das hätte den Rahmen der drei Normseiten gesprengt, lach. Hier also meine Geschichte:

Der riesige Vollmond erhellte den Abendhimmel, als Till aus Richtung des Münchener Flughafens heimfuhr.

»Supermond! Wen interessiert’s?«, grummelte er. Er hatte andere Sorgen, die ihm in diesem Moment erneut vor Augen geführt wurden, weil er seine Hände am Lenkrad sah. Kein Ehering! Wo hatte er den bloß verloren? Verdammt! Er konnte doch nicht ohne seinen Ring bei Lena auftauchen. Im verflixten siebten Ehejahr! Was würde sie denken? Er liebte sie, wie er noch nie einen Menschen zuvor geliebt hatte, und jetzt das!

Till war übernächtigt und äußerst schlechtgelaunt. Zudem hing ihm sein Magen vor Hunger in den Kniekehlen. Die Zimtschnecke am Vormittag während der Konferenz war längst verdaut. Außerdem hatten die beiden Rotzbengel neben ihm im Flugzeug einen Papierflieger nach dem anderen sausen lassen.

Eine heftige Niesattacke setzte seiner Grübelei ein Ende. Verflucht! Er hatte doch angegeben, dass er unter einer Allergie litt. Tierhaare waren am schlimmsten. Schon gestern beim Einsteigen in den Mietwagen hatte ihn das Gefühl beschlichen, man hätte ihm eine Hundedecke übergestülpt.

Gott, was für zwei unselige Tage! Erst der Motorschaden zu Hause, weshalb er das angeblich allergiefreie Auto gemietet hatte. Dann das überraschende Zusammentreffen mit seinem alten Klassenkameraden Jan im Foyer des Hamburger Hotels. Eigentlich hatte Till einen ruhigen Abend verbringen wollen. Der nächste Tag würde anstrengend werden. Jan hatte alles über den Haufen geworfen und Till zu einer Kneipentour überredet. So wie früher! Also checkte er rasch ein, lud den Koffer im Zimmer ab, und los ging es.

Jan betitelte ihn immer noch als Schürzenjäger. Reiner Neid, wie Till fand, obwohl bei ihrem Streifzug durch die Bars einige schmollmündige, wohlproportionierte Damen mehr als interessiert an ihm waren. Er aber nicht! Seit er Lena kannte, war seine Zeit als Weiberheld passé.

Erst in der letzten Bar war ihm aufgefallen, dass sein Ehering nicht am Finger steckte. Kein Wunder, dass er derart angeflirtet worden war. Was hatte er alles versucht, um den Ring wiederzufinden: seinen Freund und besagte Damen vor den Kopf gestoßen, vier Bars durchsucht. Doch er hatte ihn nicht finden können.

Morgens war er aufgewacht, mit Brummschädel vom Glühwein und Rum samt schlechtem Gewissen, da er sich nicht bei Lena gemeldet hatte – und wegen des Rings. Sein Hotelzimmer hatte er aufgrund der Suche völlig verwüstet, was zudem an den zahlreichen Drinks gelegen hatte. Entsprechend hoch war seine Hotelrechnung ausgefallen. Für ein Frühstück war vor der Konferenz keine Zeit geblieben, wohl aber für eine kurze Nachricht an seine Frau, damit sie sich nicht sorgte.

Wabernder Nebel ersetzte den klaren Sternenhimmel, während Till das Auto in der Einfahrt zum Haus abstellte. »Passend zur Stimmung«, flüsterte er und schloss, beladen mit Koffer und Aktentasche, die Tür auf. »Hallihallo!« Gute Laune heuchelnd schob er seine beklemmende Angst beiseite. Dann ließ er einfach alles fallen und nahm Lena in die Arme, nachdem diese auf ihn zugestürmt war. Sie schien ihm nicht böse zu sein. Das würde sich jedoch bald ändern, befürchtete er. Viele Worte wurden nicht gewechselt. Selbst nach sieben Ehejahren war ihr gegenseitiges Begehren unverändert groß und musste zunächst gestillt werden.

»Du siehst furchtbar müde aus«, stellte sie danach fest.
»Bin ich auch.« Schwer seufzend gab er sich einen Ruck und erzählte von seinen Erlebnissen, insbesondere vom Ring. Stirnrunzelnd besah sie sich seine Hand.
»Das ist mir gar nicht aufgefallen. Naja, wir hatten ja anderes zu tun.«
»Bist du denn nicht sauer?«
»Natürlich nicht. So etwas kann schließlich passieren.« Till fiel auf, wie seine Frau auf ihrer Unterlippe herumkaute. »Du bist doch sauer.«
»Nein, weil … Ich, äh, ich hab…«, druckste sie herum.
»Was? Was hast du, Schatz?«, hakte er nach.
»Okay, hör zu«, begann sie. »Neulich beim Einkaufen, da musste ich auf die Toilette, und da hab ich meinen schönen Ring, den du mir zum siebten Hochzeitstag geschenkt hast, abgenommen, damit nichts drankommt. Dann hab ich ihn vergessen. Ich bin selbstverständlich sofort zurück, als ich es bemerkt habe, aber er war weg. Es tut mir so leid.«
Till griff nach ihrer Hand und stutzte. »Du trägst ihn doch.« Er hatte den Ring extra für sie anfertigen lassen.
»Nun ja, ich hab beim Juwelier einen neuen bestellt.«
Er grinste. »Echt?« Eine tonnenschwere Last fiel von ihm ab. Was hatte er sich verrückt gemacht. »Ich liebe dich.«
»Ja, echt! Da kann ich dir wohl kaum böse sein, oder?« Sie grinste. »Und ja, ich liebe dich auch.«

Am nächsten Morgen beugte er sich über die geöffnete Motorhaube seines kaputten Autos. Womöglich hatte er vor seiner Abreise den Grund für den Defekt übersehen. Also stieg er in den Wagen, um den Motor anzulassen. Und da lag er, sein Ring, unschuldig schimmernd auf dem Beifahrersitz.

Indie-Autoren-Challenge Betty Kay

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Bettina Kiraly veröffentlicht unter dem Pseudonym Betty Kay Spannungsliteratur. Unter dem Pseudonym Ester D. Jones sind drei Historische Liebesromane erschienen.
Geboren 1979, wuchs Bettina Kiraly in einem kleinen Ort im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich auf und lebt hier noch immer mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Töchtern.
Verbrechen lernte sie von der anderen Seite des Gesetzes bei der Arbeit in einem Rechtsanwaltsbüro sowie in einem Notariat kennen. Fasziniert von den dunklen Flecken auf der menschlichen Seele beschäftigen sich ihre Texte mit der Psyche der Hauptpersonen ihrer Geschichten.
Wieso sind Menschen zu Grausamkeit fähig? Warum handeln wir so, wie wir es tun? Seit 1.1.2010 ist sie Mitglied der Künstlervereinigung ART Schmidatal. Ende 2014 hat sie sich mit vierzehn anderen Liebesromanautorinnen zur Romance Alliance – Bücher mit Herz zusammengeschlossen. Im Moment arbeitet sie an diversen neuen Projekten.

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Ich freue mich, ein weiteres neues Mitglied in der Gruppe der Indie-Autor-Challenge begrüßen zu können. Betty Kay wurden von Jenny Effertz folgende 15 Begriffe genannt:

1. Ordner
2. Achterbahn
3. Zuckerwatte
4. Warteschlange
5. Hotdog
6. Kugelschreibe
r 7. Feuerzeug
8. Wasser
9. Show
10. Cowboy
11. Pferdeherde
12. Bulli (VW-Bus)
13. Schlafsack
14. Campingkocher
15. Kaffee

Und diese Geschichte hat sie dazu geschrieben:

Funken
 „Du gehst mir auf den Keks! Du bist ein richtiger Ordner!“
„Was hab ich mit einer Mappe gemeinsam?“, frage ich meinen aktuellen Mitbewohner.
„Der Mensch, nicht das Stehding, wo man was reinheftet!“ Mats‘ Kopf wird hochrot. „Ständig räumst du alles weg, und ich brauche tagelang, bis das Wohnzimmer wieder aussieht wie vorher!“
Unser Zusammenleben ähnelt verdammt einer Fahrt mit einer außer Kontrolle geratenen Achterbahn. Vor nicht mal vier Wochen bin ich her eingezogen, und schon möchte ich mich nach einer neuen Bleibe umsehen. „Auf den halbleeren Pizzakartons haben bereits Pilze gewuchert, die du nicht als Belag bestellt hast.“
„Es geht nicht um die Pizza. Unter den Sachen, die du weggeschmissen hast, waren auch meine Notenblätter.“
„Du kannst das Zeug längst auswendig klimpern. Also sei froh, dass jemand hinter dir her putzt.“
„Vielleicht mag ich mein Chaos einfach mehr als dich.“
Glaubt er, ich genieße seine Gesellschaft? „Dito. Kann es kaum erwarten, aus diesem Drecksloch auszuziehen.“ Ich schnappe mir meine Kamera und eine Jacke und trete die Flucht an.
Kurz darauf schiebe ich mich durch die Menge im Wiener und mache Aufnahmen von Gesichtern in den Warteschlangen. Ein kleiner Junge, der mit großen Augen zusieht, wie die Zuckerwattemaschine dünne Fäden spinnt, bringt endlich wieder mich zum Lächeln.
Als mein Magen knurrt, mache ich Pause. Habe ich bei meiner überstürzten Flucht Geld eingesteckt? In meiner Hosentasche finde ich einen Kugelschreiber, bei dem die Miene fehlt, und ein leeres Feuerzeug. Dann fischen meine Finger einen Zwanzigeuroschein aus der Gesäßtasche. Noch mal Glück gehabt.
Ich ergattere einen Hotdog und schlendere weiter.
„Du musst ihr eine Pause gönnen! Destiny geht es nicht gut.“ Die fordernde Stimme gehört zu einem jungen Mann mit kinnlangem Haar. Gerade piekt er mit einem Finger gegen die Brust eines älteren Herrn neben dem Ponykarussell. „Du quälst sie nur.“
„Vergisst du mal wieder, dass ich dein Boss bin, Uwe? Ich sage dir, was du zu tun hast, und nicht umgekehrt. Gib Destiny einfach Wasser. Ein paar Stunden schafft sie noch.“ Der Alte dreht sich um und geht.
Ich halte an und beobachte diesen Uwe bei seiner Arbeit. Er ist mir schon mal vor die Linse gelaufen. Die armen Tiere. Im hinteren Teil des Karussells ist eine Pferdeherde aufgemalt, die über die weite Prärie galoppieren. Die Ponys haben sicher noch nie so viel Freiheit gefühlt.
Uwe sieht hoch und bemerkt meinen Blick. Seine Augenbraue schießt in die Höhe. Statt wegzusehen, grinse ich ihn an. Er gefällt mir. Das kann er ruhig wissen. Als ich fertig gegessen habe, mache ich ein paar Fotos von Uwe und den Ponys.
Schließlich kommt er zu mir. „Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragt er.
„Hast du einen Tipp für einen Unterschlupf für diese Nacht für mich, Cowboy?“
Er zuckt mit den Schultern. „Sorry. Ich schlafe in einem umgebauten Bulli.“
„Cool! Klingt gemütlich.“ Mein Blick hält seinen fest.
„Du kannst heute gerne bei mir schlafen. Ist aber ziemlich kalt, und ich habe nur einen Schlafsack.“
Jetzt muss ich grinsen. „Dann müssen wir uns wohl aneinander kuscheln.“
Langsam nickt er. „Nach Dienstschluss kannst du mit zu mir.“
Ich strecke mich grinsend, als ich am nächsten Tag erwache. Was für eine spannende Nacht! Schnell ziehe ich mich an.
Uwe öffnet die Augen und gähnt. „Morgen.“
„Guten Morgen!“ Ich beuge mich über ihn und küsse ihn auf den Mund. „Gut geschlafen?“
Er nickt. „Wie ein Stein.“
„Hoffentlich bekommst du kein Problem wegen der Show, die wir abgeliefert haben.“
„Das interessiert hier niemanden. Willst du Kaffee?“, fragt er. „Ich habe Instantpulver hier. Du kannst Wasser auf dem Campingkocher heiß machen.“
Ich öffne die Schiebetür und stelle alles bereit. „Aber danach muss ich los.“
„Sehen wir uns heute Abend wieder, großer Schotte?“
Er ist ganz nett, außerdem geschickt mit Händen und Mund. Trotzdem habe ich mich in Gedanken bereits von ihm verabschiedet. „Mal sehen, Cowboy. Ich bin nicht auf der Suche nach was Festem.“
„Verstehe. Kannst dich ja melden, wenn du mal wieder eine Schlafgelegenheit brauchst.“
„In dem Fall bist du meine erste Wahl.“ Ich küsse ihn noch einmal auf den Mund, bevor ich mich mit dem Erhitzen des Wassers beschäftige. Sobald ich in die WG zurückkomme, werde ich mich bei Mats für seinen mangelnden Ordnungssinn bedanken.

Indie-Autoren-Challenge Denise Wolf

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Denise Wolf stellt sich vor:
Ich bin 1993 geboren und im Landkreis Schwäbisch Hall aufgewachsen. Ich hab, kaum dass ich lesen konnte, unzählige Bücher verschlungen und schon früh selbst Geschichten ausgedacht. Aber bisher kamen die nur unzureichend auf Papier. Mit 16 bin ich nach Nürnberg gezogen, hab aber nach 4 Jahren das Abitur abgebrochen und bin dann für ein halbes Jahr ans Theater, wo ich Regiehospitanz gemacht hab und den Jugendclub betreut habe. Ich hab für mich eigene Stücke geschrieben, die dann aufgeführt wurden und beim Jugendclub geholfen, deren Stück zu entwickeln. Danach habe ich eine Ausbildung als Mediengestalterin begonnen und schreibe nun endlich all die Geschichten auf, die mich seit Jahren quälen. Mein erstes Buch wird von einer Schneekönigin handeln.

Hier kommt nun die erste Kurzgeschichte von Denise Wolf, in der sie folgende 10 Begriffe einarbeiten sollte:

1. Hasenmaske

2. Buddahstatue

3. Kerzenhalter

4. Federmäppchen

5. Schlüsselkarte

6. Maßband

7. Postkarte

8. Magnet

9. Schwein

10. Nähmaschine

11. Briefkopf

12. Locher

13. Kekse

14. Poster

15. Armband

Es war ein ganz normaler Montagabend. Nach der Arbeit hatte ich mal wieder Zeit, durch die Innenstadt zu schlendern. Ich kaufte ein paar Kekse und ein neues Federmäppchen, weil mein altes ausgedient hatte.

Unterwegs kam ich an einem hübschen Trödelladen vorbei und blieb davor stehen. Er wirkte etwas heruntergekommen, hatte aber eine nostalgische Note, die mir gefiel. Man konnte zwar kaum was vom Laden erkennen, dafür waren aber ein paar Gegenstände ausgelegt. Ich sah eine glänzend polierte Buddha-Statue und eine verstörende Hasenmaske. Ein seltsamer Laden.

Meine Neugier war geweckt. Vorsichtig öffnete ich die Tür und schob mich nun doch etwas nervös hinein. Mein Herz pochte aufgeregt. Es war düster. Nur ein paar Kerzen am Tresen brannten. Der Kerzenhalter selbst sah aus wie Knochenhände. Mir lief es kalt den Rücken herunter, aber ich ging trotzdem weiter und sah mir die Regale näher an. Ein paar Poster stapelten aufgerollt neben einem kleinen Haufen Postkarten. Auf einer der Karten konnte ich ein pinkfarbenes Schwein mitsamt Glücksklee erkennen. Auf einer anderen waren Nähutensilien wie Fadenrollen, Nähmaschine und ein Maßband auf einem Stück Stoff abgebildet. Sehr seltsame Karten.

Im nächsten Regal entdeckte ich ein feines Armband in einer Schatulle. Es funkelte geheimnisvoll in dem kaum vorhandenen Licht und sah sehr wertvoll aus. Vorsichtig streckte ich meine Hand aus und strich über die feinen Kristalle. Wie schön es war …

\“Finger weg!\“, bellte plötzlich eine heisere Stimme neben mir. Eine alte Frau stand direkt neben dem Regal und sah mich mit funkelnden Augen an.
\“Hier wird nicht einfach alles angetatscht. Schon gar nicht Schmuck. Nimm deine dreckigen Griffel da weg!\“, zeterte sie weiter und beäugte mich misstrauisch. \“Na, willst du weiter das Armband antatschen oder soll ich dir deine Hand abhacken?\“
\“Nein, ich …\“, begann ich, doch als ich die Hand wegnahm und mich erneut nach der Alten umsah, war sie verschwunden.

Obwohl mir der Laden unheimlich war, schaute ich mich weiter um. Alles wirkte schmutzig, als hätte seit Monaten niemand mehr geputzt. Nachdem ich die letzte Regalreihe hinter mir gelassen hatte, stand ich vor einem Tresen, auf dem sich ein moderner Kassenautomat mit steckender Schlüsselkarte befand. Direkt daneben lagen Papiere und andere Büroutensilien wie ein Locher. Hier lag kein Staub. alles machte den Eindruck, als sei der Ladenbesitzer nur kurz weggegangen. Ich war schon im Begriff zu gehen, als mir etwas ins Auge stach. An der Rückseite der Kasse waren ein Foto und ein Brief mit einem Magneten befestigt. Auf dem Bild war eine ältere Dame zu erkennen. Moment mal! Das war die Alte, die ich beim Armband gesehen hatte! Neugierig nahm ich den Brief in die Hand. Auf dem Briefkopf erkannte ich ein Datum … 03.12.2001. Verwirrt las ich die Zeilen, blickte erschrocken auf und las sie erneut. Wieder und wieder und ich konnte es mit jedem Mal weniger glauben. Ich starrte auf die Fotografie und meine Hände begannen zu zittern. Eilig verließ ich den Laden und rannte zur Bushaltestelle zurück. Doch als ich aus einer Gasse eilte und über die Straße laufen wollte, kam plötzlich ein Bus auf mich zugeschossen … und überfuhr mich.

Die Alte stand an der gegenüberliegenden Seite und sah dabei zu, wie die junge Frau auf sie zu rannte. Sie wusste nichts von ihrem Schicksal. Und so sollte es bleiben, bis zum letzten Augenblick. Die Alte sah zu, wie der Bus das Mädchen überfuhr und lächelte. Das war das letzte Opfer, dachte sie sich und verschwand. Zurückblieb nur ein Brief, in dem stand:

Johanna,

ich schicke dir das Armband mit einer Bitte. Eine alte Zigeunerin hat mich verflucht. Ich werde nach meinem Tod an das Armband gebunden sein. Nur 13 Tote, die das Armband berühren, können mich erlösen. Bring mir diese Opfer!

In Liebe,
Astrid

Indie-Autoren-Challenge Jennifer Heine

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Jennifer Heine, geboren 1987 in Leverkusen, lebt – nach einigen Jahren abseits der Heimat – nun wieder in der schönen Stadt am Rhein. Schon als Kind war sie von Büchern besessen, schrieb später kleinere Geschichten und Gedichte für die Schülerzeitung und das Jahrbuch ihrer Schule. Während ihrer Lehre zur Pferdewirtin rückten die Bücher und das Schreiben für ihren Traumberuf in den Hintergrund. Nach mehreren Jahren, die die Rheinländerin im Münsterland und später im Ruhrgebiet verbrachte, absolvierte sie eine Umschulung, gründete eine Familie und brachte ihr erstes Kind zur Welt. Während der Schwangerschaft fand sie die Leidenschaft zum Schreiben wieder. Ihre Freizeit verbringt die Bürokauffrau zum Großteil auf dem Rücken eines Pferdes, in ihrem Schrebergarten oder im Schneidersitz mit Laptop auf der Couch, wo sie ihre Geschichten zum Leben erweckt.

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Ganz neu im Indie-Autor-Challenge-Team ist Jennifer Heine Autorin. Sie wurde von der lieben Denise Wolf nominiert. Viel Spaß mit ihrem Challenge-Debüt.

1. Natur
2. Park
3. Apfel
4. Mülltonne
5. Graffiti
6. Sternschnuppe
7. Schnee
8. Laub
9. Auto
10. Ampel
11. Duftkerze
12. Chips
13. Notizblock
14. Visitenkarte
15. Hund

 »Betty, komm endlich«, grummelnd stehe ich auf der Straße und zerre an der Leine, während mein Hund meint, dass die Mülltonne ein hervorragender Ort ist, um ihr Geschäft zu verrichten. Es ist früh am Morgen, beinahe noch Nacht, kaum ein Auto ist auf den Straßen unterwegs. Eigentlich müssten wir nur die Dorfstraße entlang gehen, bis wir an dem wunderschönen Park vorbeikommen. Doch Betty hatte es zu eilig. Der Park ist die Visitenkarte des Dorfes, in dem ich wohne. Vor einigen Jahren gab es hier nichts außer unberührter Natur. Doch die Stadtflucht hat es notwendig gemacht, dass hier neuer Lebensraum geschaffen werden musste.

Nachdem Betty fertig ist, überqueren wir die einzige Ampel im Dorf. Dann endlich erreichen wir den Wald, durch den wir gehen müssen, um zu meiner Arbeit zu gelangen. Ich löse die Leine von Bettys Halsband und fange an zu joggen. Als wir am Stall ankommen, ist noch alles dunkel. Ich öffne das riesige Tor und befestige es mit den Metallketten an der Stallwand. Dann knipse ich das Licht an. Fünf Minuten später höre ich Schritte in der Stallgasse, und Chip, einer der Arbeitsreiter, kommt grüßend auf mich zu.

 »Na Schnecke. Alles frisch?« Nickend reiche ich ihm zwei Eimer.
»Sicher. Fängst du schon mal an? Die anderen müssten jede Minute kommen.«
Innerhalb der nächsten Minuten trudeln alle Angestellten ein. Chips Freundin Laura, Kevin, Martin und Tanja sind gemeinsam mit Chip und mir für das Reiten und Trainieren der edlen Vollblüter zuständig. Anschließend versammeln wir uns vor der Lot-Tafel. Neugierig schaue ich auf meinen Namen und die Pferde dahinter. Karasu, Allqueen und Santero sind die ersten drei, nach der Pause folgen Sternschnuppe, Schnee auf dem Berg und Graffiti.
Als ich später die Box mit der gesattelten Graffiti verlasse, hebt mich der Trainer auf den Rücken des großen Tieres und ich ziehe den Sattelgurt nach.
 »Nele, eine Runde. Laura, Chip und Kevin eine halbe Runde. Tanja, du begleitest Nele.« Tanja schließt zu mir auf, während vom Hof in Richtung Sandbahn reiten.
 »Wie war dein Abend?«
 Ich schüttle den Kopf. »Wenn du das Date mit dem Dressurreiter meinst, dann war es grauenhaft. Es war… ein weiterer Name auf meinem Notizblock, den ich streichen werde.«
 »Wieso?«
»Erinnerst du dich an die Duftkerze?«
 »Die nach Lilien riechen sollte?«
 »Genau die. Ich habe sie angezündet, weil ich dachte, das würde die Stimmung ein wenig heben. Aber was dann kam … Er war gegen irgendeinen Stoff in der Kerze allergisch. Keine fünf Minuten war er in der Wohnung, da ist er hochrot angelaufen und bekam keine Luft mehr. Er keuchte irgendwas von wegen Spray. Also habe ich ihm Deo, Haarspray und so einen Raumlufterfrischer geholt. Der Idiot hat mich damit abgeschmissen, ehe er fluchtartig das Haus verlassen hat. Heute Morgen hatte ich eine Nachricht auf dem Handy, dass wir scheinbar nicht zusammenpassen würden.«
»Nicht dein Ernst?«, lacht sie.
 »Mein voller Ernst. So was habe ich noch nie erlebt.«
 Wir passieren den Übergang und nicken dem Trainer zu.
 »Noch eine Runde, Mädels«, ruft er uns hinterher, während er die anderen zurückhält und sie zur Galoppbahn bringt.
Auf dem Weg zur Galoppbahn gurte ich erneut nach, verkürze die Steigbügel und stelle mich im Sattel auf. Von Weitem können wir bereits die kraftvolle Galoppade der drei anderen Pferde hören. Wenn das Adrenalin durch meine Adern pumpt und der Wind mir ins Gesicht peitscht, wenn das Rennpferd unter mir alles gibt, dann weiß ich, dass ich niemals woanders arbeiten kann. Graffiti tänzelt leicht hin und her, als die anderen näher kommen. Das trockene Laub unter ihren Hufen knistert und ich spüre, wie hart ihr Rücken wird. Mit einem wahnsinnigen Tempo preschen sie dann an uns vorbei. Graffiti ist ganz wild auf den Galopp. Sie tänzelt seitwärts auf die Bahn und ich muss sie zurückhalten. Erst, nachdem der Trainer das Tor geschlossen hat und sich in die Mitte der Bahn begeben hat, trabe ich an. Tanja trabt mit Bolero in der Bahnmitte, ich bleibe innen, wo der Boden härter ist.
»Bereit?«, rufe ich ihr über die Schulter hinweg zu und fasse die Zügel kürzer.
»Los!« Sofort springt Graffiti sanft ab und verfällt in einen gleichmäßigen Galopp. In der ersten Kurve halte sie noch ein wenig zurück, doch am Ende der Gegengeraden treibe ich sie an. Als ich die Zügel verkürze, spüre ich, wie der Gegenwind stärker wird. Spüre, wie sie ihre Kraft einsetzt, um noch ein Bisschen schneller zu werden. Ich höre das Schnauben, wenn sie Luft holt, und bemerke den Kampfgeist, der in ihr erwacht, als Bolero fast auf Kopfhöhe an sie herankommt.
 »Komm, mein Mädchen. Nachher gibt es auch einen dicken Apfel für dich!«, feuere ich sie an. Als wir am Ziel vorbeipreschen weiß ich, dass sie alles gegeben hat.

Indie-Autoren-Challenge Violet Truelove

Im März 2015 hatten einige Autoren die Idee sich einer besonderen Herausforderung zu stellen. Ihnen sollten 15 Begriffe genannt werden und sie wollten eine Geschichte daraus machen, die mindestens drei Seiten lang sein sollte. Nach und nach möchte ich die Autoren und deren Geschichten vorstellen:

Viola Plötz, Jahrgang 1979, studierte Kommunikationsdesign und machte sich nach ihrem Abschluss als Hochzeitsfotografin und Designerin selbstständig. Im Jahr 2014 ereilte sie eine Midlife-Crisis und sie beschloss, endlich ihren langersehnten Lebenstraum vom eigenen Roman zu verwirklichen. Im Dezember 2014 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Violet Truelove über neobooks ihren Roman »Ein Surfer zum Verlieben«, der es auf die Shortlist für den Indie Autor Preis schaffte. Kurze Zeit später wurde sie durch ihren erfolgreichen Debütroman entdeckt und unterzeichnete einen Autoren-Vertrag für ihre New Adult Reihe »Waves of Love«, die sie als Ava Innings schreibt, bei feelings (Droemer Knaur). Die Autorin lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Mehrgenerationenhaus im Taunus, also viel zu weit vom Meer, welches ich so liebt und das ihre Geschichten prägt, entfernt. Doch nicht nur für das Wellenreiten kann sie sich begeistern, sondern auch für Yoga, die Fotografie und das Lesen.

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Die Wörter von Dietmar Hesse passten Violet Truelove & Lindsay Lovejoy sehr gut in den Kram, schrieb sie doch gerade an Teil 2 von “Ein Cop zum Verlieben” mit dem Titel “Ein Geist zum Verlieben”.

Anbei also eine Geschichte aus dem Zum-Verlieben-Universum mit altbekannten Charakteren.

1. Universum
2. Lichtung
3. Sternenhimmel
4. Tulpen
5. Lächeln
6. Ratte
7. Liebesbrief
8. Reporterin
9. Klippe
10. Blutdruck
11. Telefonzelle
12. Wahrsagerin
13. Rühreier
14. Leichtsinn
15. Paket

Jared stand auf der Klippe und schaute auf das Meer hinab, das unter ihm toste. Nur noch acht Tage bis zu seinem Tod. Hatte er sich die ganze Zeit über gefragt, wie es Daisy nach seinem Tod ergehen würde, so machte sich seit ein paar Tagen die Angst bei dem Gedanken an sein Ableben breit. Wie würde es passieren? Hätte er große Schmerzen? Oder würde es rasch geschehen und er würde davon nicht einmal etwas mitbekommen? Diese Fragen stellte er sich seit Kurzem häufiger und er war drauf und dran Jenny, oder eine der anderen Wahrsagerinnen der Familie, um Hilfe zu bitten. Andererseits war es vielleicht besser, wenn er nicht genau wusste, was auf ihn zukam. Schließlich war es schlimm genug, seinen genauen Todestag zu kennen. Er seufzte leise, legte den Kopf in den Nacken und sah hinauf in den Sternenhimmel. Bei dem Anblick des Himmelszeltes über ihm, kam er sich klein und unbedeutend vor. Sein persönliches Drama war dem Universum scheinbar vollkommen egal. Da oben juckte es niemanden, dass er noch vor der Geburt seiner Tochter das Zeitliche segnen würde.

Der Gedanke an das Baby zauberte ihm unwillkürlich ein Lächeln auf das Gesicht. Es war kein Leichtsinn gewesen, der zu Daisys Schwangerschaft geführt hatte. Nein, sie hatten immer gut verhütet und dennoch war seine Frau ungeplant schwanger geworden. Es war Schicksal und auch wenn erst die Zeugung seiner Tochter den Fluch ausgelöst hatte, so konnte er es nicht bereuen. Er wünschte bloß, er hätte mehr Zeit. Daisy allein zurückzulassen war ein grausamer Gedanke. Sie war stark und er hatte volles Vertrauen in sie. Sie würde einen Weg finden, ohne ihn weiterzuleben und dennoch wünschte er sich von ganzem Herzen, dass das nicht notwendig wäre. Wie gerne würde er sein Kind aufwachsen sehen und noch ein halbes Dutzend weitere mit Daisy zeugen.

Doch die Dinge waren, wie sie waren, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu fügen. Er hatte Daisy heute einen langen Liebesbrief geschrieben, den er zusammen mit weiteren Anweisungen und allerlei Kleinigkeiten in einem kleinen Paket an eine befreundete Reporterin gesendet hatte. Sie würde ihm helfen und Dinge in die Wege leiten, die er nicht mehr würde tun können. Doch Daisy hatte eine große Familie. Eine verrückte aber liebenswerte Familie, durch die er viele Erfahrungen und viel Wissen hatte sammeln können. Zu ihnen zu gehören, war wie in eine fremde Welt einzutauchen und dennoch hatte er sich sofort heimisch gefühlt. Er hatte gelernt, dass die Ratte ein chinesisches Tierkreiszeichen war und nicht nur ein Nagetier und Schädling. Und auch, dass die Telefonzelle, die Daisy auf dem Oberschenkel trug, keine banale Telefonzelle, sondern die TARDIS aus Doctor Who war. Von seiner wunderbaren Frau hatte er auch das perfekte Rezept für Rühreier bekommen, das er mit in sein Grab nehmen würde, und durch sie hatte er seinen Bruder gefunden. Seine chaotische, kleine Hexe hatte sein Leben auf den Kopf gestellt und ihm die schönsten Stunden seines Lebens beschert. Er liebte sie so sehr, dass sich sein Herzschlag beschleunigte, sobald er nur an sie dachte. Diese Frau trug so viel Feuer und Leidenschaft in sich, dass sie es auch schaffen würde, den Blutdruck eines Toten ins Unermessliche zu treiben. Jared lachte freudlos über seinen Vergleich.

Er kehrte dem Meer den Rücken und lief den Pfad hinauf zu der Blockhütte, wo seine Frau im Bett lag und selig schlief. Sie seufzte leise, als er sich hinter sie legte und sie in die Arme schloss. In der Nacht träumte er von einer Lichtung voller Tulpen. Symbole für eine bessere Zeit und die Vergänglichkeit, wie ihm Bella am nächsten Mittag mitteilte.

 „Da war auch ein Reh. Es wurde vor meinen Augen getötet. Ich habe versucht, es zu beschützen, doch es wollte mir nicht gelingen.“ Bella warf Daisy, die neben Jared saß und seine Hand hielt, einen flüchtigen Blick zu, ehe sie antwortete: „Das Reh ist ein sehr ambivalentes Traumsymbol. Es hat diverse Bedeutungen, doch wird es getötet, so steht es für Verlust und Trauer. Seine spirituelle Bedeutung als Krafttier ist jedoch Dankbarkeit und daraus resultierender innerer Frieden.“

„Ich bin dankbar“, erwiderte Jared. Er war für jeden kostbaren Moment, den er mit diesen Menschen verbringen durfte, dankbar und auch, wenn ihm nur noch sieben Tage blieben, so waren es doch sieben Tage voller Liebe, Freundschaft und Zuneigung.