Töchter der Speicherstadt – Der Duft von Kaffeeblüten

Rezension und Blogtour

Heute biete ich etwas ganz spezielles an. Ich habe nicht nur „einfach“ die Rezension zu dem Buch geschrieben, ich nehme auch an einer Blogtour teil und mache mit allen einen Rundgang durch die Speicherstadt. Viel Spaß beim Lesen

Autorin: Anja Marschall

Genre: Historisch

Version: eBook und Taschenbuch

erschienen: 24. Februar 2022

Seiten: 464

Altersempfehlung: Erwachsene

Herausgeber ‏ : ‎ Piper Taschenbuch



Über die Autorin:
Die gebürtige Hamburgerin Anja Marschall lebt als Autorin und Journalistin mit ihrer Familie in Schleswig-Holstein. Vor ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete sie als Erzieherin, Pressereferentin, Lokaljournalistin, EU-Projektleitung in der Sozialforschung, war Apfelpflückerin in Israel, Zimmermädchen in einem Londoner Luxushotel und Kioskverkäuferin an den Hamburger Landungsbrücken. Sie ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern eV« und des »Syndikats« sowie der Mary-E-Braddon-Gesellschaft.


Kurzbeschreibung, übernommen:
Hamburg 1889: Als die junge Brasilianerin Maria den Kaffeehändler Johann Behmer heiratet, fühlt sie sich fremd in Hamburg und einsam in Johanns zerstrittener Familie. Doch Maria ist eine Kämpferin, und als Tochter eines Kaffeeplantagenbesitzers liegt ihr das »schwarze Gold« im Blut. Begierig lernt sie in der neu eröffneten Speicherstadt alles, was man über den Handel mit dem Luxusgut wissen muss. Schon bald erweist sie sich als kluge Geschäftsfrau. Aber dann beginnt der Erste Weltkrieg, der Kaffeehandel kommt fast zum Erliegen, und Maria merkt, dass jemand in der Familie ihren Mann aus der Firma drängen möchte …


Meine Meinung:
Die Speicherstadt in Hamburg ist bestimmt sehr vielen ein Begriff. Einige waren vielleicht schon mal dort und haben gestaunt, was damals großartiges erschaffen wurde. Heute kann sich keiner mehr so richtig vorstellen, was dort alles vorübergehend gelagert wurde, bevor es zum Weitertransport ging. Ich selber habe die Speicherstadt kennen gelernt und war begeistert. Deshalb kann ich mir sehr gut vorstellen, welchen Eindruck Maria hatte, als sie in Hamburg eintraf. Kurze Zeit vorher hat die junge Brasilianerin den Hamburger Kaffeehändler Johann Behmer geheiratet und ist mit ihm in das unbekannte Hamburg gereist. Auf die Umstände, weshalb Maria, die auf einer Kaffeeplantage aufgewachsen ist, Johann Behmer geheiratet hat, möchte ich jetzt nicht weiter eingehen. Das hat die Autorin alles ausführlich geschildert und kann jeder nachlesen.
Anja Marschall hat die für die Geschichte rund um Maria einen Zeitraum gewählt, in dem sehr viel passiert ist. Nicht nur innerhalb der Familie Behmer, sondern im ganzen Kaiserreich. Die Familie Behmer gehört natürlich einer gehobeneren Gesellschaftsschicht an und viele haben reichlich Vorurteile gegenüber Maria. Ich war selbstverständlich auf der Seite von Maria und war manches Mal fassungslos über das Verhalten verschiedener Personen. Aber es gab auch solche, die ich in mein Leserherz geschlossen habe. Zumal die Autorin vielen Beteiligten sehr interessante Charaktermerkmale zugeordnet hat.
Ich lese gerne historische Bücher, weil ich nicht nur gut unterhalten werde, sondern viel über das Zeitgeschehen erfahren kann. Das Alltagsleben, die Einstellungen zum Kaiser und ganz besonders über die Stellung der Frau sind Aspekte, die hervorragend in die Geschichte eingebunden wurden.
Natürlich habe ich viel über Kaffee erfahren, über den Duft, wie er zubereitet wird und vieles mehr. Dafür hat die Autorin hervorragend recherchiert und ein umfangreiches Wissen angesammelt.
Ich erwähnte ja schon, dass für das erste Buch der Trilogie ein Zeitraum gewählt wurde, in dem sehr viel passiert ist. Es war eine bewegende Zeit und mit Sicherheit für niemanden leicht, besonders als der erste Weltkrieg ausbrach und der Kaffeehandel zum Erliegen kam. Obwohl Maria als Frau wenig Rechte hatte, war dies doch die Gelegenheit ins Geschehen einzugreifen. Anja Marschall hat es allen nicht leicht gemacht, den Beteiligten, weil sie mit allem zurecht kommen mussten und mir als Leserin, weil ich so gefesselt war und das Buch kaum zur Seite legen konnte. Das zeigt mal wieder, dass es ihr gelungen ist, ein fesselndes und gut recherchiertes Buch zu schreiben.


Fazit:
Das erste Buch der Trilogie hat mir sehr gut gefallen und deshalb gebe ich gerne eine Leseempfehlung. Bestimmt will nicht nur ich wissen, was die Töchter der Speicherstadt noch alles erleben und bewältigen werden. Glücklicherweise muss ich auf die beiden folgenden Bücher nicht sehr lange warten und deshalb kann ich mich auf das nächste freuen.

Beim Verlag möchte ich mich vielmals für das Rezensionsexemplar bedanken, das ich vorab lesen konnte. Denn diesmal endet an dieser Stelle nicht mein Beitrag, sondern ich darf an einer Blogtour teilnehmen und einen Rundgang durch die Speicherstadt machen.

Damit kein Beitrag versäumt wird, stelle ich hier gerne die Termine aller Veröffentlichungen ein und verlinke zu den Blogs

21.2.2022 Alles rund um Kaffee
22.2.2022 Rundgang durch die Speicherstadt
23.2.2022 Vorstellung der Figuren
24.2.2022 Auf den Spuren der Handlungsorte
25.2.2022 Frauen im 19. Jahrhundert
26.2.2022 Interview im Podcast

 

Bevor ich mit dem Rundgang früher und heute beginne, möchte ich zeigen, was Maria damals als erstes von der Speicherstadt und Hamburg gesehen hat und kurz noch einmal auf Maria und dem Anlass der Reise eingehen:

Maria Pereira da Silva hat bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr bei ihrem Vater auf der Fazenda Santo Antônio in Brasilien gelebt. In der deutschen Heimat ihrer Mutter war sie nur einen Sommer lang, den sie in der Höheren Mädchenschule verbrachte. Deshalb war sie besonders neugierig auf Hamburg, wo sie künftig wohnen sollte, denn der Hamburger Kaffeehändler Johann Behmer hat sie in Brasilien geheiratet, bevor die beiden die lange Reise antreten wollten.

Im November 1889 erreichte das Schiff Hamburg.

Tief in ihren Pelzmantel gehüllt, stand Maria an der Reling und blickte auf das graue Elbwasser, als der Dampfer an diesem nebligen Morgen im November 1889 mit der Flut Richtung Hamburg einlief. Das Schiff zog langsam an den Hafenanlagen vorbei. Hunderte Segelschiffe lagen an den Kaianlagen vor Anker. Ihre kahlen Masten stachen in den regengrauen Himmel.

So ähnlich muss der Anblick für Maria gewesen sein, natürlich hatte sie einen anderen Blick, schließlich stand sie an der Reling des Schiffes.

Der Hamburger Hafen fotografiert von Georg Koppmann

Der Anblick, den Maria kurz danach geboten bekam, muss sie fasziniert haben. Auf jeden Fall verwirrte sie das geschäftige Treiben mit all den kleinen Dampfschiffen. Hinzu kamen die schwer beladenen Kähne, die in die Fleete gestakt wurden. Beeindruckend müssen die hohen Backsteingebäude gewesen sein. Sie staunte, als Johann ihr berichtete, dass diese Gebäude zur Speicherstadt gehören. Stolz schwang bei seinen Erklärungen in der Stimme mit.

Sandtorhafen, etwa 1889: Seeschiffe liegen umringt von kleineren Schuten an der Kaimauer, dahinter die gerade errichtete Speicherstadt. Seeschiffe liegen umringt von kleineren Schuten an der Kaimauer, dahinter die gerade errichtete Speicherstadt – Foto etwa von 1889.

Zu gerne hätte Maria sofort gesehen, wo „ihr“ Kaffee gelagert wird, aber dringende familiäre Angelegenheiten machten es erforderlich, dass die beiden umgehend zur Villa der Familie fahren mussten.

Aber kurz vor Weihnachten löst Johann sein Versprechen ein und macht mit Maria eine Rundreise durch sein Leben, wie er sich so schön ausdrückt.

Die Kutsche passierte das Zollhäuschen an der Kornhausbrücke und rollte über Kopfsteinpflaster in den Freihafen hinein.

Kornhausbrücke von 1888 mit den Statuen von Magellan und Cook an der Südseite von der Speicherstadt aus gesehen

Langsam fuhr die Kutsche zur Kehrwiederspitze


Das müssten Maria und Johann gesehen haben, denn im April 1982 wurde der Turm durch eine Feuersbrunst zerstört

Hamburg Speicherstadt – Die Hamburger Hafencity und alter Hafen von 1896

Nach der Kehrwiederspitze fuhr die Kutsche an den Hafenanlagen des Sandtorkais vorbei

Sandtorkai um 1900 diesmal in Farbe und von einer anderen Seite aufgenommen

Die Kutsche hielt vor dem Speicher der Firma Behmer & Söhne, dem imposanten Rotklinkerbau mitten am St.Annenufer. Selbst bei diesem Schmuddelwetter leuchteten die goldfarbenen Lettern weithin

So stell ich mir den Speicher vor

Mit Sicherheit hat Maria damals solch ein Fuhrwerk gesehen

Nicht nur 1889 war es Schwerstarbeit, sogar 1931 mussten die Arbeiter viel Kraft aufwenden, um die Säcke in der entsprechenden Etage lagern zu können.

Wenn ich mir die Bilder so betrachte, finde ich es nicht gerade ungefährlich, wie die Männer dort arbeiten.

Nun kann sich jeder gut vorstellen, was Maria alles Beeindruckendes gesehen hat. Die Speicherstadt wurde nicht zu Unrecht im Jahr 2015 zur UNESCO Welterbestätte ernannt.

Wir können heute durch die Speicherstadt bummeln und uns staunend alles ansehen. Einige Gebäude gibt es nicht mehr, neue sind hinzu gekommen. Die meisten Ortsbezeichnungen und Gebäude sind bekannt, eins hat es sogar in eine Krimiserie geschafft:

Zufällig kam ich vor ein paar Jahren an dem Haus vorbei, als die „Polizistin“ interviewt werden sollte.

Zu einem anderen Zeitpunkt habe ich das Speicherstadtmuseum besucht und an dem anschließenden Rundgang teilgenommen. Hier gebe ich nun einige Eindrücke wieder:

Bei meinem Rundgang ist mir dieses Schild aufgefallen, der Name Behmer & Söhne steht jetzt zwar nicht darauf, aber interessant ist es durchaus


Es gibt in der Speicherstadt zahlreiche Brücken, von denen aus ich hervorragende Bilder machen konnte, hier ist es der Kehrwiederfleet

Beeindruckend fand ich auch, dass alle Speicher mit einheitlichen Steinen errichtet und sogar „Muster“ gemauert wurden. 

Überwältigt hat mich der Anblick des Innenhofs am Sandtorkai, irgendwie bekommt man da das Gefühl, sehr winzig zu sein

Nicht nur die Gebäude haben mich begeistert, auch der Anblick der Brücken  hat mir gefallen 

In der Speicherstadt gibt es inzwischen eine Adresse, die viele Besucher anlockt. Ich war schon mehrmals dort und möchte immer wieder dahingehen:

Das Miniatur Wunderland Hamburg GmbH, im Speicher Kehrwieder 2 Block D
Dort kann ich Stunden verbringen, aber was ich jetzt zeigen wollte, ist die dort abgebildete Speicherstadt


Und zum Schluss möchte ich das wohl teuerste Gebäude zeigen, von dem man eine traumhafte Aussicht auf Hamburg und die Speicherstadt hat:

Übrigens, der Speicher der Familie Behmer befindet sich in dem Buch am St. Annenufer.

Dort befindet sich heute das Kaffeemuseum

Kursiv geschriebene Texte habe ich so aus dem Buch entnommen.

Quellen der Bilder:
Eigene Aufnahmen
Instagram histmuseenhh
Wikipedia
Anja Marschall

5 Gedanken zu „Töchter der Speicherstadt – Der Duft von Kaffeeblüten

  1. Pingback: Blogtour: Töchter der Speicherstadt – Der Duft von Kaffeeblüten (Die Kaffee-Saga # 1) von Anja Marschall – Kunterbunte Bücherreisen

  2. Pingback: Kaffeehandel in Hamburg – Frau Goethe liest

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