Autoreninterview Lutz Kreutzer

Autor Lutz Kreutzer

Lieber Lutz,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest. Aber ich beginne zunächst mit der Schilderung, wie wir Kontakt zueinander aufgenommen haben. Auf den Buchmessen gibt es einige Stände, die ich gerne besuche, weil ich dort immer viele Autorinnen und Autoren antreffen konnte. Kenne ich jemanden, ist die Freude groß, dass man sich wiedersieht. Ist jemand unbekanntes dabei, versuche ich das durch ein Gespräch zu ändern. Wir beide kamen also auf der Frankfurter Buchmesse ins Gespräch. Natürlich wurde ich neugierig auf Deine Bücher und außerdem haben wir uns über einen bestimmten Tag in Düsseldorf unterhalten. Worauf ich später noch einmal eingehen werde. Auf jeden Fall haben wir uns nach dem Treffen auf der Buchmesse öfter ausgetauscht und ich habe einige Bücher von Dir gelesen. Aber ich will jetzt endlich mit meinen Fragen starten, alles Weitere ergibt sich aus den Antworten.

Wie Du es als Autor sicherlich immer machst, recherchiere ich ebenfalls. Denn ich suche nach Informationen über meinen Interviewpartner. Dadurch habe ich erfahren, dass Du beruflich sehr vielseitig unterwegs bist. Auf alle Stationen werde ich hier nicht eingehen. Mich interessiert in erster Linie, wie es dazu kam, dass Du als Autor tätig wurdest.
Wenn ich das richtig sehe, hast Du Thriller und Krimis geschrieben, warum hast Du Dich für diesen Bereich entschieden?

Ich habe als Naturwissenschaftler an einer Dienststelle im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Wien gearbeitet. Dort habe ich mit meinen ganz guten Kenntnissen im Journalismus ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit gegründet. Wenn man sowas macht, lernt man sehr interessante und schillernde Menschen kennen, und bekommt dadurch Zugriff auf einige Zusammenhänge, die man ansonsten kaum erfährt. Also eigentlich wissenschaftliche Themen, die aber gesellschaftsrelevant sind, wie Müllmafia, Gentechnik, Rauschgift und auch Tod. Ich wollte diese Themen an die Öffentlichkeit bringen, aber nicht im Sinne von investigativem Journalismus, sondern als fiktive Geschichten, die auf Tatsachen beruhen.

Anscheinend gruselst Du Dich gerne, oder? Denn Du bist Herausgeber einer Buchreihe mit den gruseligsten Orten in verschiedenen Städten. Kennst Du sie tatsächlich alle?

Ich bin als Kind schon durch eine harte Schule gegangen, weil meine ältere Schwester mir allerlei Schauergeschichten erzählt hat. Deshalb glaube ich bis heute noch manchmal, dass unter meinem Bett eine Hexe wohnt (lach). Einen kleinen Schauer genießt doch eigentlich fast jeder gern. Da bieten sich natürlich historische Geschichten an. Die ursprüngliche Idee kam von Uwe Gardein, ein Kollege vom Münchner Syndikat-Stammtisch. Zwölf bekannte Krimi-Autoren und -Autorinnen tun sich zusammen, und jeder macht eine Gruselgeschichte von Orten, die heute noch begehbar sind. Es muss nur jemand da sein, der die ganze Organisation, die Autoren-Akquisition und das Vorlektorat als Herausgeber in die Hand nimmt. Ich hab also das Konzept entwickelt, einen Verlag gesucht, und Gmeiner hat sofort angebissen. Wichtig waren mir von Beginn an die literarische Qualität und der Spannungsfaktor. So entstand der erste Band der Reihe, „Die gruseligsten Orte in München“, das mittlerweile in der 7. Auflage erscheint. Weitere Städte folgten wie Köln und Hamburg (gerade in der 5. Auflage), alles Städte, die ich gut kenne. Dann haben der Verlag und ich uns dazu entschlossen, das Konzept auf ganze Länder und Regionen zu übertragen. Das Buch „Schaurige Orte in der Schweiz“ war meistgeordertes Taschenbuch im Schweizer Buchhandel, und gerade ist der aufwendig gemachte Band über Südtirol erschienen. So habe ich mittlerweile an die 80 Autoren gewinnen können, von denen die allermeisten Mitglieder im Syndikat sind, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur. All diese wunderbaren Kolleginnen und Kollegen haben ihre schaurigste Geschichte aufgeschrieben, darunter hervorragende Bestsellerautoren wie Iny Lorentz, Oliver Pötzsch, Michaela Grünig, Christine Brand, Silvia Götschi, Jutta Profijt, Regina Schleheck, Carola Christiansen, Edith Kneifl, Günter Neuwirth, Skifahrerlegende Marc Girardelli oder auch Pen-Präsidentin Regula Venske.

Wenn ich mir die Städte so ansehe, dann vermisse ich meine Heimatstadt, sind weitere Bücher dieser Serie geplant?

Ja, es sind weitere geplant. Das nächste, das erscheint ist „Schaurige Orte am Niederrhein“, das im Juli 2022 erscheinen wird, da sind wir ja schon mal in Deiner Nähe. Und im Frühjahr 2023 kommt dann „Schaurige Orte in Österreich“. Zu Düsseldorf gibt es übrigens bereits eine wirklich gruselige Geschichte im Köln-Band, wo es um die ewige Rivalität der beiden Rheinmetropolen geht, die blutige Schlacht am Worringer Bruch.


Du bist ein so genannter Hybrid Autor. Die ersten Veröffentlichungen hast Du als Self Publisher vorgenommen, wie kam es dazu?

Mein erstes Buch hieß „Schröders Verdacht“, ein Thriller, in dem es um die Müllmafia geht. Er spielt in Italien, Österreich und im Rheinland. Ich wollte auf dieses komplexe Thema aufmerksam machen, aber eben nicht mit erhobenem Zeigefinger, davon gab es in den Neunzigern schon genug. Sondern das Buch sollte möglichst hohen Unterhaltungswert haben, um es gut zu verbreiten, und da lag es nahe, dass ich das Thriller-Format wählte. So entstand dann das Manuskript, das dann bei einem berühmten Verlag in der Endredaktion gegen einen späteren Weltbestseller unterlag und daher in einem kleinen Verlag erschien. Dann, ein paar Jahre später, hab ich das Buch als E-Book mit einem ganz speziellen Marketingkonzept herausgebracht, und „Schröders Verdacht“ schaffte es auf Platz 1 im amazon kindle Shop. Das konnte ich dann mit „Gott würfelt doch“ wiederholen, denn dieser Roman wurde Nr. 1 der Belletristikliste und Nr. 1 der Historischen Romane. Ich finde diese Bezeichnungen wie Selfpublisher, Hybrid-Autor oder Verlagsautor übrigens nicht mehr passend. Wir alle sind ganz einfach Autoren, die vielseitig sind oder eben weniger.

Später wurden Deine Bücher auch in Verlagen veröffentlicht, fühlst Du Dich dort gut aufgehoben?

Es dauert eine Weile, bis man Verlage von seiner Qualität als Autor überzeugt hat, wenn das aber mal so ist, dann läuft es ja auch gut. Ich hab Bücher bei mehreren Verlagen herausgegeben, wie emons, Gmeiner, Kampenwand und Rother, weitere Veröffentlichungen bei Westermann, Raabe, Ceres und noch einige andere wissenschaftliche Verlage. Bei Gmeiner hab ich mittlerweile mit den Grusel- und Schauerbänden einen guten Stand erreicht, so dass ich dort auch Romane mache. Dort erscheint nach dem Erfolg mit „Die Akte Hürtgenwald“ im nächsten Frühjahr der Folgeroman, der auch wieder in der Nordeifel, also in meiner Heimat spielt.

Würdest Du jederzeit diesen Weg wieder gehen?

Ach, was würde man schon wieder genau so machen? Viele Dinge ja, viele Dinge auch nicht. Ich habe bisher ein sehr schönes Leben gehabt, vor allem was die Wissenschaft und den Bergsport angeht. Was das Schreiben angeht, da kann man wahnsinnig viele Dinge tun, die völlig überflüssig sind, gerade im Self-Publishing. Nachhaltigen Erfolg kann man nur haben, wenn man persönliche Fehler nutzt, die allerdings nicht jeder wiederholen muss. Daher habe ich ein Buch geschrieben, das in der Szene ja mittlerweile als Standardwerk gilt („Platz 1 bei amazon – wie man E-Books nach oben bringt“). Darin schildere ich den steinigen aber konsequenten Weg zum Nr. 1 Buch und alle Hürden und Irrwege, die man im Self-Publishing tunlichst vermeiden sollte.

Was rätst Du Kolleginnen und Kollegen, die den Mut haben, ein Buch zu schreiben, aber noch nicht den richtigen Verlag gefunden haben?

In jedem Fall den Weg des Self-Publishing zu gehen. Beharrlichkeit ist das erste, was man braucht, dann braucht man Kritikfähigkeit, und man braucht eine offene Haltung für Marketing. Das wichtigste aber ist ein gutes Buch. Ohne ein gutes Buch kommt man nicht weit.

Ich weiß, dass Du sehr engagiert im Bereich Self-Publishing tätig bist. Ich durfte in Düsseldorf zweimal abends nach einem Self-Publishing-Day zu Euch Autorinnen und Autoren kommen und hatte dort die Möglichkeit, gute Gespräche zu führen. Nebenbei erwähnt, waren immer alle begeistert von dem Tag. Sind weitere Tage mit Workshops und Erfahrungsaustausch geplant?

Auch der Self-Publishing-Day (self-publishing-day.com) ist von der Corona-Krise schwer getroffen worden. Ich musste den Tag 2020 ausfallen lassen und zweimal verschieben, so dass wir im Oktober 2021 eine Lücke gefunden haben, ihn doch noch über die Bühne zu bringen, und das für mich überraschend dann doch ziemlich erfolgreich. Die Rückmeldungen waren trotz der schwierigen Umstände sehr gut. In diesem Jahr werde ich keinen ausrichten, die Situation ist noch zu unklar. Im Juni 2023 sind wir wieder im City Hostel in Düsseldorf, und für Dich ist dann – das verspreche ich Dir – abends ein Grillmenü reserviert.

Wie erwähnt, habe ich sehr viel über Deinen beruflichen Werdegang erfahren, aber ich weiß zum Beispiel nicht, ob Du als Kind gerne gelesen hast und wenn ja, an welche Bücher erinnerst Du Dich?

Als Kind habe ich ehrlich gesagt nicht gern gelesen. Ich erinnere mich aber daran, dass mein Vater mir abends oft aus Pinocchio vorgelesen hat, das war mein absolutes Lieblingsmärchen. Der hinterlistige Fuchs und der räudige Kater, die den kleinen Mann verführt haben, das waren für mich zwei wirklich böse Figuren. Diese Allegorie hat mich tatsächlich im Leben vor manchen Menschen bewahrt, die nichts Gutes im Schilde führten.

Ebenso wenig weiß ich nicht, ob Du jetzt als Erwachsener Zeit hast, Bücher zu lesen. Wie sieht es damit aus? Und wenn Du zum Lesen kommst, welche Bücher bevorzugst Du?

Es ist tatsächlich so, dass ich den ganzen Tag viel lese, aber hauptsächlich sind das Rohtexte von Kollegen und Kolleginnen, die ich als Herausgeber wohlwollend kritisch durchforste, um mit den jeweiligen Autoren daran zu arbeiten, damit am Ende wirklich erstklassige Texte als Ergebnis vorliegen. Darauf lege ich sehr großen Wert, damit die jeweiligen Bücher eine hohe Qualität haben. So komme ich viel zu wenig dazu, andere Bücher zu lesen. Ich mag spannende Romane. Als promovierter Naturwissenschaftler stehe ich natürlich neuen Erkenntnissen sehr aufgeschlossen gegenüber, weshalb ich gute Sachbücher ebenso mag, die mit wirklich wertvollen Erkenntnissen daherkommen. Da gibt es ja mittlerweile sehr viel Schrott, gerade am Sachbuchmarkt.

Du bist in Stolberg aufgewachsen und hast in Aachen studiert. Im vorigen Jahr ist das Buch „Die Akte Hürtgenwald“ erschienen. Die Gemeinde Hürtgenwald befindet sich nicht weit entfernt von Stolberg. Wie war das beim Schreiben, kam es Dir wie ein Besuch zu Hause vor?

Die Gemeinde Hürtgenwald ist erst Ende der 60er Jahre gegründet worden und hat mit dem Hürtgenwald, den die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg als totales Kriegstrauma erlebt haben, nur am Rande zu tun. Der Hürtgenwald ist also eigentlich ein Waldgebiet, eine Landschaft, die größtenteils westlich der Gemeinde Hürtgenwald liegt. Über dieses Gebiet geht es in meinem Roman. Die Geschichte spielt aber in den 50er Jahren und in der Jetztzeit, greift aber immer wieder auf die Ereignisse dort im Zweiten Weltkrieg zurück. Und klar, meine Kindheit bin ich ja direkt daneben aufgewachsen, sozusagen am Rand des Hürtgenwalds. Das war oft Thema bei uns zuhause.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben?

Ich hatte gerade eine Operation am Fuß hinter mir und war bettlägerig. Das war die Zeit des unrühmlichen Jubiläums 75 Jahre Schlacht im Hürtgenwald, also 2019. Ich begann alles darüber zu lesen, was veröffentlicht wurde, alte Bilder zu sichten, Eisenhower vor seinem Hauptquartier in der Eifel, und da erinnerte ich mich an die Geschichte eines alten Wirts, der zu meiner Kindheit immer wieder behauptet hat, Eisenhower wäre durch Gressenich gefahren und hätte ihm die Hand geschüttelt. Der Wirt hieß im Dorf Lügenpitt, weil er permanent irgendwelchen lustigen Unfug von sich gab. Aber vielleicht war doch was dran? Ich hab mich jedenfalls in die Geschichte vergraben und mich daran erinnert, dass mein Vater, der war Dorfpolizist, mich als kleinen Jungen mit in den Wald genommen hatte, mitten in eines der Schlachtfelder, das in den frühen 60ern noch so war wie im Krieg. Das hat mich schwer beeindruckt, und dann hab ich − wie immer vor einem Buch − wochenlang recherchiert und mir eine Geschichte ausgedacht, der ein Mordfall zugrunde liegt, der in den 50ern passiert ist, aber bis heute Rätsel aufgibt. Und dann ist dieses Buch dabei herausgekommen, das mittlerweile auch schon die 2. Auflage hat.

Die Handlungsorte Deiner anderen Bücher sind auch nicht gerade in München, Deines jetzigen Wohnsitzes angesiedelt. Wie hast Du die Ideen zu den anderen Büchern gefunden?

Bayerisch Kongo, Thailandeiland/Taubenblut, Eiskalter Schlummer und Heißes Sterben spielen sehr wohl in München, haben aber auch immer andere Schauplätze, die du wahrscheinlich aufgrund der schillernden und exotischen Begebenheiten besser in Erinnerung hast, wie den Kongo, Myanmar und Thailand, Kalmückien und Osttirol, Vietnam oder auch die tiefen und dunklen Wälder Tschechiens. Aber die Ermittler und Kommissare haben in diesen Büchern ihren Amtssitz in München. Ideengeber sind bei mir zumeist Ereignisse, die wirklich passiert sind. Bei meinen Recherchen bin ich auf Dinge und Begebenheiten gestoßen, die teilweise wirklich unglaublich waren, sowas kann man sich nicht ausdenken. Aber die Charaktere, die denke ich mir aus, und das macht am meisten Spaß. Eine gute Figur zu entwickeln, dass ist meiner Meinung nach die Königsdisziplin beim Schreiben. Meine absolute Lieblingsfigur ist „Der Wolkenmaler“, der in dem Roman „Die Akte Hürtgenwald“ fast die gesamte Handlung trägt. Wie ich sowas mache, das beschreibe ich in meinem Sachbuch „Klare Charaktere“.

Wie sieht Deine Autorenarbeitszeit aus?

Unregelmäßig. Ich habe ja nebenbei noch viele andere Dinge zu tun, daher kann ich nur schreiben, wenn ich Zeit habe. Aber dann bin ich sehr produktiv. Ich hab vorgestern noch gezählt, weil mir die frischen Exemplare von „Schaurige Orte in Südtirol“ ins Haus geflattert sind. Seit Frühjahr 2019 habe ich trotz Corona insgesamt zehn Verlagsbücher gemacht.

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Kann ich auch kaum sagen. Das hängt vom Thema ab. Bayerisch Kongo hatte ich nach drei Monaten fertig, weil ich im Thema drin war und ich kaum recherchieren musste. Für Gott würfelt doch hab ich acht Jahre gebraucht. Heute würde ich sagen, wenn ich alles mitrechne, dann brauche ich für einen Roman ein halbes Jahr. Wenn der Plot einmal steht, schreib ich wie verrückt und versinke im Thema, so dass ich nichts anderes um die Ohren haben will. Aber da ist der Wunsch eher der Vater des Gedankens, denn – wie gesagt – es gibt immer auch andere Projekte, die ich verfolge.

Wer darf es als erstes lesen?

Meine Lebensgefährtin. Sie ist Stimm- und Sprechcoach, spricht und moderiert Rundfunksendungen und trainiert Hörfunksprecher bei der ARD. Sie hat ein erstklassiges Sprachgefühl und treibt mir immer wieder ein paar sprachliche Kuriositäten aus, die ich als Rheinländer genetisch und unverbesserlich in mir trage J . Mir macht das Spaß, und ich lerne immer wieder dazu, ich bin für jede konstruktive Kritik dankbar. Das macht übrigens einen guten Lektor, eine gute Lektorin aus, dass sie kritisch hinterfragen. Lob kann man sich später einholen. Dann hab ich noch ein paar Testleserinnen. Mein Verlag hat dann meistens gar nicht mehr so viel zu tun. Aber beim Verlag ist es auch sehr wichtig, einen guten Lektor oder eine gute Lektorin zu haben. Ich hatte bisher immer großes Glück damit.

Kommt es schon mal vor, dass Dir während des Schreibens weitere Ideen zu anderen Büchern kommen?

Permanent. Zu neuen Geschichten, aber auch zu dem Buch, an dem ich gerade schreibe. Der Plot gibt nur den allgemeinen Rahmen vor, aber manchmal verselbständigen sich die Figuren und machen Dinge, von denen ich vor zehn Minuten noch gar nichts wusste. Da muss man allerdings auch aufpassen, dass die Pferde nicht mit einem durchgehen. Mir fallen vor allem die skurrilen und komischen Dinge meistens beim Schreiben ein. Eine Dozentin an der Uni hat mal zu mir gesagt, als sie mir beim Schreiben meiner Diplom-Arbeit zusah: »Wenn ich Dich so beim Schreiben beobachte, dann staune ich jedes Mal, wie Dir die Buchstaben nur so aus den Fingern tropfen!« Besser konnte ich nie beschreiben, was in mir vorgeht. Mir fällt jedenfalls sehr viel spontan ein, wenn ich die Tastatur bediene.

Wie werden die Ideen festgehalten?

In der Regel im Kopf. Manchmal aber schreibe ich mir selbst Emails von unterwegs.

Gibt es schon weitere Buchpläne?

Ich schreibe gerade an dem Folge-Kriminalroman zu „Die Akte Hürtgenwald“, eine Geschichte um Mord, um Macht und um Rache, wiederum aufgehängt an einer historischen Kulisse. Für das Schreiben an diesem Buch habe ich ein Stipendium der Bundesregierung bekommen. Außerdem arbeite ich an einem Buch mit einem High-Tech Thema, für das ich noch einen Verlag suche. Und an zwei Büchern der Grusel- und Schauerreihe.

Du hast ja Kontakt zu vielen anderen Autorinnen und Autoren, wie ist es denn mit Kontakten zu Deinen Leserinnen und Lesern und vor allem, was mich sehr interessiert, zu Bloggern?

Guten Kontakt hat man zu Leserinnen und Lesern am besten über Lesungen. Das mache ich wirklich sehr gern. Aber in den letzten Jahren hat das ja sehr gelitten. Mit Bloggern ist es auch nicht mehr so einfach. Das Buchbloggen kam ja ungefähr zur selben Zeit auf wie das moderne Self-Publishing, also vor etwa zehn Jahren. Zu dieser Zeit konnte man noch sehr persönliche Kontakte zu Bloggern halten. Mittlerweile ist das Bloggen aber zu einem wirklichen Einflusssphäre geworden, was ich den Bloggern in höchstem Maße gönne. Sie werden oft überrollt von Verlagsbüchern. Man kommt da als Autor kaum noch ran. Ich hab Gott sei Dank noch ganz gute Drähte, weil ich früh damit angefangen habe, mir einen Bloggerkreis aufzubauen. Aber für Neuautoren wird das immer schwieriger.

Wie wichtig sind Dir Lesungen?

Absolut wichtig, wie oben bereits erwähnt. Ohne Lesungen kann ich mir das nicht vorstellen. Allmählich stimmen auch die Honorare wieder. Was viele vergessen: Eine Lesung ist richtig Arbeit. Autoren und Autorinnen, die ihren Text einfach so runterlesen, die sollten lieber zuhause bleiben. Eine Lesung ist eine eigene Veranstaltung, und die Zuhörer kommen dorthin, um gut unterhalten zu werden. Wir bieten deshalb vom Self-Publishing-Day aus extra professionelles Lesungstraining live und online an und haben da mittlerweile jede Menge sehr zufriedene Kundinnen und Kunden. Ich kann das jedem wärmstens empfehlen, der in seine Karriere als Autor investieren möchte. Denn Lesen ist die einzige Möglichkeit als Autor oder Autorin, den Kontakt zu seinen Kunden auszubauen und sie von sich über das Sprechen direkt zu begeistern.

Hast Du Autorenvorbilder?

Mit Vorbildern hatte ich es noch nie so sehr. Vorbildern strebt man zu sehr nach, und das liegt mir nicht. Aber es gibt sehr viel hervorragende Autorinnen und Autoren, die ich wirklich bewundern kann für das, was sie geschaffen und geschafft haben. Ich unterscheide dabei die verschiedenen Genres. Es gibt gute und schlechte Kunstliteratur, es gibt gute und schlechte Blockbusterliteratur und es gibt gute und schlechte Trivialliteratur. Ich kann jeden Autor bewundern, der die guten Werke schreibt. Das sehe ich in anderen Kunstgattungen wie Musik und bildende Kunst ähnlich.

Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du besuchen und weshalb?

Wenn ich es mir recht überlege, dann wäre es vielleicht doch Homer, weil auf seinen Werken das gesamte Verständnis und Fundament unserer westlichen Kultur ruht. Auch wenn das heute anachronistisch klingt, aber bei Homer kann man auch heute noch sehen, was wahres Heldentum braucht, um sich in die Erinnerung der Leser und Leserinnen einzubrennen, um die Entwicklung eines Menschen von Jugend moralisch positiv zu beeinflussen. Ohne jetzt religiös werden zu wollen, aber Ähnliches gilt für die Geschichten in der Bibel. Das gilt für Frauen wie für Männer. Wo sind sie heute, unsere Heldinnen und Helden? Judith, die all ihren Mut aufbrachte, um ihr Volk von ihrem Todfeind Holofernes zu befreien, oder Achilles und seine ideale Moral, die er bis zu seinem Tode in sich trug?

Nun habe ich wie immer sehr viel gefragt und trotzdem kann es sein, dass ich etwas vergessen habe. Deshalb hast Du hier nun die Möglichkeit uns Leserinnen und Lesern zu schreiben, was Du uns immer schon sagen wolltest.

Lest gute Bücher, liebt eure Liebsten und schützt euch vor den Schurken.

Fast bin ich fertig mit meiner Fragerei, zum Schluss nenne ich drei Namen oder Begriffe und möchte wissen, was Dir dazu einfällt:

Gleitschirmfliegen – war früher neben dem alpinen Klettern meine große Leidenschaft (weshalb in einigen meiner Bücher das Bergsteigen und das Fliegen hier und da eine spannende Rolle spielt).

Wiener Küche – ist heute neben österreichischem Weißwein meine große Leidenschaft (weshalb ich mit Johann Lafer das Kochbuch „Österreich kulinarisch“ geschrieben habe).

Syndikat – ist ein wunderbarer Verein verrückter und wunderbarer Autorinnen und Autoren (die in den Abgründen der Seelen dort nachwühlen, wo andere längst Stopp gesagt hätten).

Lieber Lutz, ich bedanke mich dafür, dass Du Dir die Zeit für meine Fragen genommen hast

ich möchte mich sehr bei dir bedanken, ganz herzlich!

Gerne zeige ich eine kleine Auswahl, der bereits erschienenen Bücher:

Mehr über den Autor und seine Bücher könnt Ihr auf diesen Seiten erfahren:
Autorenseite Lutz Kreutzer
Autorenseite bei Amazon
Self-Publishing-Day

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s