Autoreninterview Carine Bernard

Liebe Carine, 

ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest. Wie immer erzähle ich gerne am Anfang, wie ich meine Interviewpartnerin, also Dich kennen gelernt habe. Vor vielen Jahren habe ich eins Deiner Bücher gelesen aus der Lavendel-Serie gelesen. Einige Jahre später machte mich meine Tochter auf den Tierkrimi aufmerksam, der in Ratingen angesiedelt wurde. Als ich eines Tages las, dass ein Düsseldorfer Buchhändler Lesungen veranstaltet, wollte ich natürlich dahin und konnte Dich dort dann persönlich treffen. Danach haben wir uns öfter getroffen, aber davon will ich hier jetzt nicht ausführlich berichten, sondern endlich mit meinen Fragen starten.

Du bist in Österreich geboren und hast in Wien Veterinärmedizin studiert, wie ist es denn dazu gekommen, dass Du zur Krimiautorin wurdest?

Ich habe immer schon gern geschrieben und auch immer davon geträumt, mal ein ganzes Buch zu schreiben. Aber aus verschiedensten Gründen ist es immer nur beim Wunsch geblieben. Erst durch mein Hobby Geocachen habe ich wieder mit dem Schreiben begonnen, als ich mir kurze Rätselgeschichten für meine eigenen Caches ausgedacht habe. Die Geschichte, die eigentlich die letzte einer kleinen Serie werden sollte, erwies sich aber als viel zu umfangreich für das Format. Als ich einem Freund und Hobbykollegen davon erzählte, meinte er, ich solle doch ein Buch daraus machen, schreiben könne ich ja. Das war so ein »Warum-eigentlich-nicht?«-Moment. Ich habe die Geschichte aufgeschrieben, sie bei Neobooks veröffentlicht und wurde damit von Droemer-Knaur entdeckt. Seither schreibe ich.

Du hast zwei Tierkrimis geschrieben, wie bist Du auf diese Idee bekommen? Warum wurde die Handlung in Ratingen angesiedelt?

Die Grundidee zu den beiden Krimis und die Idee zu den beiden Hauptpersonen ist mir schon während des Studiums gekommen: Eine Tierärztin und ein Polizist, die sich durch seinen Diensthund kennenlernen. Als ich dann dreißig Jahre später ernsthaft mit dem Krimischreiben angefangen hatte, war klar, dass auch aus dieser Idee eine Geschichte werden muss.
Warum Ratingen? Ganz einfach: Ratingen ist seit zwanzig Jahren meine neue Heimat, und es gibt meines Wissens noch keinen Krimi, der in Ratingen spielt. Deshalb war diese Location von Anfang an klar.

Mir haben die beiden Bücher sehr gut gefallen, darf ich irgendwann mit weiteren Folgen rechnen?

Im Augenblick ist keine Fortsetzung geplant, es fehlt einfach die Zeit. Aber in der letzten Weihnachtsanthologie von Droemer-Knaur »Winter, Weihrauch, Wasserleiche« ist eine Kurzgeschichte von mir erschienen, in der es um Katja Maus und Polizeioberkommissar Blum geht.

Ich erwähnte ja bereits, dass ich vor vielen Jahren mit dem Lesen Deiner Lavendelkrimiserie begonnen habe. Diese Krimis hast Du in der Provence angesiedelt, weshalb dort?

Die Provence und da besonders die Gegend rund um die Stadt Carpentras ist ein Herzensort für mich. Wir haben sie vor Jahren mehr durch Zufall entdeckt, als wir auf dem geplanten Campingplatz keinen Platz mehr fanden und weiterfahren mussten. Dabei haben wir diese Landschaft zwischen Carpentras und dem Mont Ventoux für uns entdeckt und sind seither immer wieder dahin zurückgekehrt.
Dazu gibt diese Ecke Frankreichs auch historisch einiges her und inspiriert mich immer wieder zu neuen Geschichten.


Auf Deiner Autorenseite finde ich ja eine gute Übersicht mit Deinen Büchern. Mir fällt auf, dass Du Dir nicht nur Handlungsorte in der Provence sondern auch in Wien, Mallorca und Yorkshire ausgesucht hast. Hast Du die Gegenden alle kennen gelernt? Wobei mit Wien ist es ja klar.

Ja, das sind alles Urlaubsziele, Orte in Europa, in denen es mir so gut gefallen hat, dass ich darüber schreiben wollte. Außer Wien natürlich, da habe ich zwanzig Jahre lang gelebt und wollte in meiner Geschichte ein etwas anderes Wien zeigen.

Nun weiß ich, dass Du irgendwann die Idee hattest, Krimis zu schreiben. Was ich nicht weiß, ob Du als Kind gerne gelesen hast und wenn ja, an welches Buch kannst Du Dich gut erinnern?

Ich habe als Kind Bücher regelrecht verschlungen. Ich konnte früh lesen und erinnere mich an all die Kinderbuchklassiker: Das doppelte Lottchen und Heidi waren in der Grundschulzeit meine Lieblingsbücher.
Später habe ich die Stadtbücherei leergelesen: erst alles, was es an Jugendbüchern gab, wobei mir besonders Michael Endes »Momo« im Gedächtnis blieb. Später dann antike Sagen, übersetzte Shakespeare-Dramen (was im Englischunterricht sehr gut ankam), Karl May, Agatha Christie, ganz viele Biografien von Ärzten und Forschern und natürlich jeden Roman, dessen Klappentext mich irgendwie ansprach.
Eines meiner Lieblingsbücher damals war »Die Kinder von Torremolinos« von James A. Mitchener. Vielleicht kommt meine Vorliebe für Campingbusse auch daher, wer weiß?

Wie sieht Dein Autorenalltag aus?

Im Allgemeinen versuche ich, mein Tagespensum möglichst am Vormittag abzuarbeiten, egal ob es um Schreiben oder Überarbeiten oder Lektoratsarbeit geht. Da habe ich im Allgemeinen mehr Ruhe und mehr »Kopf« zum Fabulieren. Um die Mittagszeit folgt immer ein ausgedehnter Spaziergang mit meinem Hund. Nachmittags erledige ich Bürokram, beantworte Mails, bearbeite Organisatorisches, gehe einkaufen oder kümmere mich um den Haushalt.
Meistens setze ich mich am späten Nachmittag nochmals an ein Manuskript und lese mir durch, was ich am Morgen bearbeitet habe – das ist dann wie ein erstes Überarbeiten, und oft kommen mir dabei auch gute Ideen für die Arbeit am nächsten Tag. Und manchmal schreibe auch auch die halbe Nacht 🙂

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Die reine Schreibzeit beträgt etwa acht Wochen. Das ist dann aber nur eine Rohfassung, die noch gründlich überarbeitet werden muss. Danach folgt das Lektorat, das Korrektorat, die Freigabe des Covers, die Durchsicht der Vorschautexte und die endgültige Kontrolle – alles in allem rechne ich mit sechs Monaten, wobei die nicht am Stück stattfinden. Vom ersten geschriebenen Wort bis zur Veröffentlichung vergeht meist mehr als ein Jahr.


Wer darf es als erstes lesen?

Ich habe immer einen sogenannten WIP-Leser. WIP steht für »work in progress«, also einen Leser, der bereits während des Schreibens mitliest und mir wertvolle Tipps und Hinweise gibt. Seine Hauptaufgabe ist allerdings, zu loben und mich zu motivieren – während des Schreibens zweifle ich oft sehr an meiner Arbeit, und es hilft mir, wenn mich dann jemand positiv bestärkt.

Hast Du bereits weitere Buchpläne, über die Du sprechen darfst?

Im Mai erscheinen zwei neue Bücher von mir:
Einmal der vierte Band der Lavendelmorde »Lavendel-Grab«, in dem es um eine Ruine am Fuß des Mont Ventoux geht und eine alte Geschichte, die sich darum rankt.
Das zweite Buch ist mein erster richtiger Österreich-Krimi. »Bitterwasser« erscheint unter meinem neuen Pseudonym »Karina Ewald« im Servus-Verlag und spielt in Bad Gastein – eine Düsseldorferin tritt eine neue Arbeitsstelle in Gastein an und wird direkt mit einem Mord konfrontiert.
Für beide Bücher ist eine Fortsetzung in 2023 geplant – ich habe also viel Arbeit vor mir! 🙂

Da muss ich doch gleich mal einhaken, es gibt ein weiteres Pseudonym? Wie kam es zu Deinem neuen Pseudonym Karina Ewald?

Das ist ganz einfach – es ist (fast) mein richtiger Name. Ich heiße nicht Carine, sondern Karin und meine Mutter hat mich als Kind immer Karina gerufen. Und Ewald ist der Nachname meines Mannes. 🙂

Wie ist das eigentlich, kommen Dir bereits neue Ideen, während Du ein Buch schreibst?

Das kommt eher selten vor. Meistens bin ich so dem Buch verhaftet, das ich gerade schreibe, dass neue Ideen nur zum aktuellen Buch kommen, die ich dann direkt verwende.

Wie findest Du die Ideen?

Auf ganz unterschiedlichen Wegen. Manchmal ist es etwas im Fernsehen, ein Satz aus einem Film, oft etwas, das ich lese oder über das ich im Internet stolpere.
Oft steht am Anfang einer Idee eine geografische oder historische Besonderheit der Region, die ich dann weiterspinne, so wie der Flugzeugabsturz in Lavendel-Fluch oder aktuell die Ruine und ihre Legende in Lavendel-Grab.


Hast Du Zeit Bücher Deiner Kolleginnen und Kollegen zu lesen?

Ja, natürlich! Ohne zu lesen, würde mir etwas fehlen. Ich lese natürlich sehr gern Krimis, wobei die nicht unbedingt in Frankreich spielen müssen. Aber ich entdecke auch immer gern neue Autorinnen und Autoren aufgrund von Empfehlungen.


Hast Du ein Autorenvorbild?

Da gibt es einige. Allen voran natürlich Agatha Christie für ihre intelligent konstruierten Krimis. Martin Suter für seinen augenzwinkernden Schreibstil, den ich sehr gerne mag. Im Augenblick lese ich Patricia Koelle und bewundere sie für die tollen Bilder, die sie mit Worten malen kann.

Wir haben uns zum ersten Mal bei der Lesung in der Buchhandlung getroffen, danach konnte ich Dich zu einer Lesung, die gemeinsam mit zwei Deiner Kolleginnen durchgeführt wurde, einladen. Wie wichtig sind Dir diese Lesungen?

Ich liebe es, zu lesen! Leider ist durch Corona vieles ausgefallen, aber letztes Jahr konnte ich dank der Kulturförderung des Bundes an zwei sehr schönen Veranstaltungen teilnehmen.
Ja, Lesungen sind mir sehr wichtig, der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern lässt sich sonst nirgendwo so herstellen.

Hast Du Kontakt zu Kolleginnen von Dir?

Ja, und die sind mir auch sehr wichtig. Mit einigen bin ich schon seit Jahren verbunden und wir begleiten uns sozusagen gegenseitig. Es kommen aber auch immer wieder neue Kontakte dazu, was ich sehr mag.

Wie sieht es mit Kontakt zu Deinen Lesern und was mich besonders interessiert, zu uns Bloggern aus?

Ich finde, Blogger sind sehr wichtig für uns Autoren. Sie haben eine enorme Reichweite, die wir als Autoren gar nicht so bedienen könnten. Wenn dann noch Live-Veranstaltungen dazukommen, so wie du sie organisierst, ist das die schönste Zusammenarbeit, die ich mir vorstellen kann.


Wie wichtig sind Dir die sozialen Medien?

Sehr wichtig. Ich glaube, ich wäre als Autorin nicht da, wo ich heute bin, ohne all die Dinge, die ich in diversen Autoren-Gruppen auf Facebook gelernt habe.
Ich versuche auch immer, davon ein bisschen etwas zurückzugeben, und freue mich, wenn ich auf diese Weise junge, talentierte Autorinnen und Autoren kennenlerne.

Du hast anfangs Bücher als Self Publisherin veröffentlicht, waren das Deine Anfänge und wie kam es zu der Entscheidung?

Am Anfang stand der erste Roman der Lavendel-Morde mit Molly Preston. Den habe ich zwar damals als Selfpublisherin veröffentlicht, aber ich kannte dabei noch nicht mal das Wort und habe entsprechend viele Fehler gemacht. Später wollte ich es »richtig« ausprobieren und habe deshalb die beiden Liebeskrimis »Pater Noster« und »App to Date« im Selfpublishing veröffentlicht. Ich wollte einfach sehen, wie das klappt, was das am Ende kostet und ob es den Aufwand rechtfertigt.
Tut es nicht, deshalb bin ich froh, einen Verlag zu haben, der sich um all das kümmert, was ich nicht kann.

Inzwischen hast Du einen großen Verlag, der Deine Bücher herausbringt, wie gut fühlst Du Dich dort aufgehoben?

Bei Droemer-Knaur fühle ich mich sehr gut aufgehoben, und ich hoffe, ich darf da auch noch eine Zeit lang weiterschreiben. Die Betreuung durch die jeweilige Lektorin war immer vorbildlich, ich habe jederzeit einen Ansprechpartner und es gab noch nie ein Problem.
Der einzige Kritikpunkt, ist die Tatsache, dass die Ansprechpartner im Lektorat sehr oft wechseln. Da hätte ich mir mehr Kontinuität gewünscht. Aber sachlich und fachlich fühle ich mich immer gut betreut.

Gibt es ein Buch, dass Du schon immer mal lesen wolltest, es aber nie geschafft hast?

Da gibt es viele. Ich höre so oft von Freunden oder Kolleg:innen »Das musst du lesen!«, und da komme ich einfach nicht hinterher. Manchmal beginne ich auch ein Buch und mag es auch, doch dann kommt ein Testlesen für eine Kollegin oder einen Kollegen dazwischen oder ein Buch, das ich aus fachlichen Gründen lesen möchte, deshalb lege ich es beiseite und lese es dann nie zu Ende. Das tut mir oft im Nachhinein leid.

Wenn Du eine Zeitreise machen dürftest, welche Person aus der Vergangenheit würdest Du gerne besuchen und weshalb?

Agatha Christie. Ich glaube, dass sie ein sehr besonderer Mensch war, eine moderne Frau für ihre Zeit und hochintelligent dazu. Ich könnte viel von ihr lernen!

Und zum guten Schluss nenne ich gerne drei Namen oder Begriffe und frage, was Dir dazu einfällt:

Lieblingsplatz – Bei uns im Wald vor der Haustür gibt es eine »Buchenkathedrale«. Das ist so unfassbar schön. Generell Wald, Bäume, Natur. Das ist Lieblingsplatz für mich.

Almjause – Dazu fällt mir nur die Extrawurst aus Österreich ein, die es hier inzwischen zum Glück auch zu kaufen gibt. Das ist zwar keine Almjause, aber wirklich lecker: Extrawurstsemmel mit Gurkerl. Gibts in Österreich bei jedem Fleischhauer.

Sennerin – Lustig, dass du das fragst. Ich habe im Jahr 1986 einen Sommer lang als Sennerin auf einer Alm gearbeitet. Das war ganz in der Nähe von Bad Gastein, quasi zwei Alpentäler weiter. Als ich im letzten Sommer in Gastein war, um meine Eindrücke für mein Buch aufzufrischen, habe ich auch »meine« Alm besucht, in Begleitung eines alten Freundes, der für diese Tour extra aus Wien angereist ist. Das war ein unglaublich schönes Erlebnis. Diese Alm wird übrigens in der geplanten Fortsetzung des Gastein-Krimis eine wichtige Rolle spielen!

Liebe Carine, ich bedanke mich dafür, dass Du Dir die Zeit für meine Fragen genommen hast.

An dieser Stelle möchte ich stellvertretend drei Buchcover einstellen:

Bild eins: Der Hund, der eine Grube gräbt. Erstes Buch der Hundekrimis
Bild zwei: Lavendeltod, das erste Buch der Lavendelkrimis
Bild drei: Bitterwasser, Start einer neuen Serie

Wer noch mehr über die Autorin erfahren möchte, kann dies auf folgenden Seiten:

Autorenseite Carine Bernard
Autorenseite Carine Bernard bei Amazon
Autorenseite Karina Ewald bei Amazon

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