Autoreninterview Barbara Steuten

Barbara Steuten – Fotograf Daniel Merbecks

Liebe Barbara,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest.
Bevor ich damit loslege, möchte ich kurz erwähnen, wie wir uns kennen gelernt haben.
Wohnhaft in Düsseldorf schaue ich immer mal wieder, was der Verlag edition oberkassel, ebenfalls in Düsseldorf, so an Krimis anbietet. Dadurch entdeckte ich vor zwei Jahren das Buch „Kati Küppers und der liegende Holländer“ Der Titel machte mich neugierig und nachdem ich das Buch begeistert gelesen hatte, habe ich Dich einfach angeschrieben.
Denn ich freue mich immer wieder, wenn ich eine Autorin finde, die mit Düsseldorf verbunden ist. Inzwischen haben wir uns nicht nur schriftlich ausgetauscht, wir hatten sogar die Möglichkeit uns einmal am Stammtisch der Mörderischen Schwestern zu treffen, was ich sehr gut fand.
Aber nun will ich nicht noch weiter ausholen und endlich mit meinen Fragen loslegen.

Auf Deiner Webseite habe ich gelesen, dass Du mit Geschichten und Büchern groß geworden bist, was kann ich mir darunter vorstellen?

In unserer Familie wurde immer viel gelesen und da ich die ersten zwölf Jahre meines Lebens Einzelkind mit berufstätigen Eltern war, lernte ich schnell, mich selbst zu beschäftigen. Außerdem lasen meine Eltern mir gerne vor – meine Mutter war Expertin für Grimms Märchen und mein Vater teilte mit mir sein Wissen über Vergaser und Zylinder. Wenn es am Wochenende regnete, konnten wir stundenlang in Meiers enzyklopädischem Lexikon in 25 Bänden blättern. Ich habe mich revanchiert, indem ich meinen Eltern Pixibücher „vorgelesen“ habe.

Welches war Dein Lieblingsbuch als Kind?

Als Kind habe ich so viele Bücher (vor-)gelesen (bekommen), dass ich mich unmöglich auf ein Lieblingsbuch festlegen könnte. Ich habe die Bücher von Otfried Preußler geliebt: Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst, Der Räuber Hotzenplotz und Der kleine Wassermann – den Anfang kann ich immer noch rezitieren. Auch Astrid Lindgren lag hoch im Rennen mit Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga.

Nun kommt es ja öfter vor, dass jemand von klein auf gerne gelesen oder geschrieben hat, aber nicht jeder wird eine Autorin. Was hat dann den Ausschlag gegeben, dass Du ein Buch geschrieben hast.

Ehrlich gesagt war mein Respekt vor Autor:innen lange viel zu groß, als dass ich mir hätte vorstellen können, selbst einmal ein Buch zu schreiben. Dabei hatte mich meine Deutschlehrerin ermuntert, etwas aus meinem Talent zu machen. Doch manche Entscheidungen brauchen länger. Ich war bereits um die 40 und habe ehrenamtlich mit Jugendlichen in der Gemeinde gearbeitet. Bei einem Workshop wollte ich von ihnen wissen, was ihr Traumberuf ist und mir die gleiche Frage gestellt. Ich konnte sie nicht sofort beantworten, aber sie hat in mir gegärt. Plötzlich war es sonnenklar: ich träume nicht nur davon, ich werde Schriftstellerin!
Zum Glück kann man das Handwerk fürs Schreiben mittlerweile in vielen Seminaren lernen, was ich seit 2010 auch tat und immer noch tue.

Weshalb ist es ein Krimi geworden? Kannst Du Dir vorstellen in einem anderen Genre ebenfalls ein Buch zu schreiben?

Die Liebe zum Krimi ist erst mit der Zeit gewachsen. Ich fand die Kurzkrimis meiner Kolleg:innen aus diversen Schreibgruppen so gut, dass ich mir nicht anmaßen wollte, dazu zu gehören. Gab es nicht schon genug Krimi-Autor:innen? Letztendlich war es mein Verleger, der ganz lapidar sagte: „Schade, dass du keine Krimis schreibst. Würdest du Krimis schreiben, würde ich sie sofort verlegen.“
Es dauerte noch ein paar Seminare, bis ich das Komponieren eines Krimis verstanden hatte und mein erster Roman so gut war, dass er in den Druck gehen konnte. Mittlerweile bin ich sehr glücklich, mich Krimi-Autorin nennen zu können und fühle mich bei den Mörderischen Schwestern und im Syndikat unter den Krimi-Kolleg:innen sehr wohl.
Mich reizt es aber auch schon lange, einen Fantasyroman zu schreiben. Auch Frauen- und Familienromane lese ich gerne und würde durchaus auch gerne in diesen Genres schreiben. Doch immer wieder komme ich auf den Krimi zurück, weil er dem Roman einen guten Rahmen gibt. Beim Frauenroman habe ich Sorge, zu sehr auszuufern. Beim Krimi muss das Verbrechen aufgeklärt werden. Das ist der feste Rahmen. Der Rest ist schönes Beiwerk.

Deine Protagonistin wird die Miss Marple vom Niederrhein genannt, wie hast Du sie gefunden oder hat sie Dich gefunden und dafür gesorgt, dass Du sie in Deinen Büchern verewigst?

Ich glaube, Kati Küppers und ich haben uns gegenseitig gefunden. Sie entstand in einem Workshop, mit Elke Pistor aus einer Schreibaufgabe. Damals hieß sie noch Käthe. Das machte sie aber zu alt. Seitdem hat sie sich in meinen Kopf und mein Herz geschlichen. Sie ist so herrlich entspannt, selbst unter Stress und Gefahr, dass ich manchmal neidisch werden könnte. Für kleine Erledigungen das Rad zu nehmen, statt das Auto, ist jedenfalls eine Idee, die sie besser umsetzt als ich.

Gibt es Pläne für weitere Folgen?

Erst einmal habe ich keine weiteren Fälle geplant. Aber das kann sich ändern. Ich weiß, dass Viele sich darüber freuen würden.

Du wohnst am Niederrhein und ich vermute, dort geht es beschaulich zu. Wie und wo findest Du Deine Ideen?

Ich lese beispielsweise in der Zeitung eine Überschrift, die meine Fantasie anregt und frage mich: Was wäre wenn …? Oder was steckt dahinter? Vordergründig und Hintergründig.
Ich halte Augen und Ohren offen, was in Pandemie-Zeiten nicht ganz so leicht ist, weil man weniger Gelegenheit hat, im Café die Gespräche am Nachbartisch zu belauschen. An der Bushaltestelle unterhält sich eh niemand mehr und in den kleinen Geschäften dürfen sich nur noch zwei oder drei Kunden aufhalten. Bleibt mir noch der Wochenmarkt, um das ein oder andere Interessante aufzuschnappen. Auch eine angeregte Diskussion im Freundeskreis kann mir schon mal eine spannende Idee liefern.

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Das hängt davon ab, ob die Idee schon so ausgereift in meinem Kopf existiert, dass ich sie nur noch zu Papier bringen muss. Dann schaffe ich es, in wenigen Monaten einen Roman zu schreiben. Aber bis die Idee so konkret wird, kann auch viel Wasser den Rhein hinunterfließen.


Wer darf es als erstes lesen?

Für die Kati-Küppers-Krimis gab es eine kleine Gruppe Testleser, die gerne und viele Bücher lasen und mir aus Lesersicht Rückmeldungen gaben. Schon während des Schreibens frage ich Kolleg:innen nach ihren Meinungen zu einzelnen Szenen, wenn ich merke, dass es irgendwo klemmt.

Wie sieht Dein Autorenalltag aus?

Ich arbeite mit mehreren Kolleginnen im „Großraumbüro“ und in einer Textwerkstatt.
Von Montag bis Freitag starte ich um 8 Uhr 30 ein Videocall und treffe mich online mit ihnen. Dann besprechen wir kurz, wie es uns geht, was uns gerade bewegt und was wir planen. Und dann schauen wir uns gegenseitig beim Arbeiten zu. Der Vormittag ist reserviert für alles, was mit dem Schreiben zu tun hat – also auch schon einmal für die Beantwortung von Bloggerfragen, Interviews oder Mails, für FB- oder Insta-Beiträge oder die Vorbereitung einer Lesung. Doch während eines Schreibprojekts reduziere ich diese Tätigkeiten auf ein absolutes Minimum.
Neben mir steht eine große Kanne Tee und zwischendurch gönne ich mir eine Tasse Kaffee bei einer kurzen Pause – in letzter Zeit gerne mit meinem Mann (Homeoffice macht’s möglich), bei schönem Wetter auf der Terrasse in der Sonne. Gegen Nachmittag/Abend kümmere ich mich ums Abendessen und danach lege ich gerne die Füße hoch bei einem gepflegten Krimi.

Du bist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, was bringt Dir diese Mitgliedschaft?

Sie bringt mich in Kontakt mit vielen wunderbaren Frauen, die mich teilhaben lassen an ihrem Fachwissen – egal ob es um giftige Pflanzen, das Erstellen von Klappentexten oder die Arbeit der Staatsanwaltschaft geht. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und motivieren und fördern uns gegenseitig. Aus einigen kollegialen Bekanntschaften sind echte Freundschaften entstanden. Ohne diese mentale Unterstützung hätte ich in der Pandemie wahrscheinlich aufgegeben.

Ich erwähnte anfangs, dass wir uns bei einem Stammtisch der Mörderischen Schwestern getroffen haben, allerdings hatte ich dann noch im Oktober 2021 das Vergnügen, beim Bücherbummel auf der Kö, Dich bei Deiner Lesung zu hören. Veranstaltest Du regelmäßig Lesungen?

Regelmäßig ist ein Wort, dass ich seit März 2020 leider in diesem Zusammenhang nicht mehr gebrauche. Ich freue mich, über jede Gelegenheit, meine Zuhörerschaft in die Welt meiner Geschichten „entführen“ und ihr eine unbeschwerte Zeit dadurch bereiten zu können. Doch das erfordert momentan den Mut der Veranstalter, Lesungen zu planen und Gefahr zu laufen, sie doch wieder absagen zu müssen. Hoffen wir, dass diese Sorge bald vorbei ist.

Hast Du Kontakt zu Deinen Leserinnen und Lesern oder noch genauer gefragt, weil es gerade ein aktuelles Thema ist, hast Du Kontakt zu Bloggerinnen und Bloggern?

Kontakte zu knüpfen, finde ich live und persönlich auf Lesungen und Buchmessen immer noch einfacher als digital. Die Pandemie macht das fast unmöglich. Auch das Kontakte halten ist eine Herausforderung geworden, da jetzt alle Lebensbereiche digitale Aufmerksamkeit beanspruchen. Um deine Frage endlich zu beantworten: der Kontakt zu meinen Leser:innen wie zu Blogger:innen ist auf jeden Fall noch ausbaufähig.

Und nun mache ich mal wieder einen Sprung zur nächsten Frage, hast Du auch Klassiker gelesen?

Ja. Ich gebe aber zu, dass die Lektüre eines Klassikers schon länger her ist. Gerade hat mein Sohn sein Zimmer ausgemistet. Da fiel mir Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ in die Finger. Könnte man mal wieder lesen.

Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, welchen Autor der Vergangenheit würdest Du besuchen und weshalb?

Ich würde mich sehr gerne bei Agatha Christie zum Tee einladen und mit ihr über Miss Marple und Hercule Poirot plaudern. Vielleicht käme Kati Küppers auch mit.
Liebend gerne würde ich auch mit Herrn Tolkien und Herrn Lewis durch Connemara streifen, mir ihre Lieblingsplätze zeigen lassen und abends am Kamin mit einem Whiskey ihren Geschichten und Anekdoten lauschen.

Ich frage immer sehr viel, aber trotzdem kann es sein, dass ich etwas vergesse, deshalb bitte ich Dich an dieser Stelle zu sagen, was Du uns Lesern schon immer mal sagen wolltest.

Ohne euch wäre ich nur ein halber Mensch. Denn es gibt für mich wenig Schöneres, als euch mit meinen Geschichten in eine andere Welt versetzen zu dürfen.

Zum Schluss nenne ich immer gerne Begriffe oder Namen und frage, was einem dazu einfällt:
Oha, na dann mal los.

Richard Wagner – Der fliegende Holländer – bei ihm fliegt der Holländer, bei mir liegt er ja nur.

Astrid Lindgren – Noch eine tolle, mutige Autorin, die ich auf meiner Zeitreise gerne kennengelernt hätte.

Schneider Wibbel –  Die Gasse in der Düsseldorfer Altstadt ist mit schönen Erinnerungen an meine Kindheit und meine „Omma“ verbunden.

Liebe Barbara, ich bedanke mich vielmals dafür, dass Du Dir Zeit für meine Fragen genommen hast.

Liebe Ulla, ich danke dir ebenfalls für deine interessanten und vielschichtigen Fragen, die mich mit Leichtigkeit und viel Freude zum Plaudern verführt haben.

Dieses schöne Bild stelle ich stellvertretend für alle Bücher der Autorin ein.

Mehr Infos zu all ihren Büchern gibt es auf 

der Autorenseite von Barbara Steuten und auf der Amazonautorenseite

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