Autoreninterview Elsa Dix

Autorin Elsa Dix © Meike Reiners

Liebe Elsa,
ich freue mich, dass ich die Gelegenheit bekomme und Dir einige Fragen stellen darf. Bevor ich damit loslege möchte ich kurz erwähnen, wie wir zueinander gefunden haben. Als Buchbloggerin werden mir von Verlagen ja Bücher zur Verfügung gestellt. Als ich beim Goldmann Verlag einen neuen historischen Krimi entdeckte, wollte ich das Buch unbedingt lesen.
Später stellte ich dann fest, dass Du, also die Autorin, in Düsseldorf wohnst und das war natürlich ein Grund, dass ich Kontakt zu Dir aufgenommen habe. Denn gerne lerne ich Düsseldorfer Autorinnen kennen. Es gab dann sogar die Möglichkeit, dass ich zu einem Autorenstammtisch eingeladen wurde, wo wir uns getroffen haben. Inzwischen habe ich einen weiteren historischen Krimi von Dir gelesen und freue mich schon auf den dritten. Aber nun will ich endlich mit meinen Fragen beginnen:

Wie kam es dazu, dass Du Bücher schreibst?

Vom Schreiben geträumt habe ich sehr lange. Irgendwann habe ich mir gesagt: Jetzt ist Schluss mit träumen, fang endlich an. Ich habe mich hingesetzt und losgeschrieben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, das erste Mal in einer Geschichte zu versinken. Ohne Plan, ohne alles. Wenn ich schreibe, dann vergesse ich alles um mich herum und bin mitten in meiner Geschichte. Dann gehe ich beispielsweise mit Christian und Viktoria am Strand entlang, höre das Meer rauschen und fühle den Wind auf meiner Haut.

Wann hast Du mit dem Schreiben begonnen?

Vor etwa zehn Jahren. Zuerst nur für mich. Später habe ich mich mit Kurzgeschichten ausprobiert und dann schließlich einen ersten Krimi geschrieben. Gerade zu Anfang habe ich viele Weiterbildungen besucht und mich in verschiedenen Schreibgruppen ausgetauscht. Aber auch heute besuche ich noch regelmäßig Seminare, denn ich finde, man lernt als Autorin nie aus.

Ich habe gelesen, dass Du gerne auf Norderney bist und Dir als Historikerin die prachtvollen Bauten aufgefallen sind. Ich war etwas überrascht, denn mir war nicht bekannt, dass Du eine Historikerin bist. Hast Du Dich auf eine Zeit spezialisiert?

Ich habe Geschichte in Osnabrück studiert und mich auf Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt auf das 19. und 20. Jahrhundert spezialisiert. Gerade die Umbrüche, die die Menschen in dieser Zeit erlebt haben, interessieren mich. In diesen Jahrhunderten hat sich die Welt und damit die Gesellschaft unfassbar gewandelt. Die Industrialisierung führte zu massiven gesellschaftlichen Veränderungen, Kriege und politische Umstürze folgen, Menschen mussten das Land verlassen, über andere zogen neue Grenzen hinweg. Mich fasziniert, was diese Veränderungen mit den Menschen gemacht hat.

Ich kann verstehen, dass Dir zu den historischen Bauten Geschichten einfallen, weshalb sind es dann Krimis geworden?

Wahrscheinlich, weil man mit Krimis in die Abgründe einer Gesellschaft blicken kann. Gleichzeitig gibt es ein Rätsel, was es zu lösen gilt. Diese Kombination ist es, die mich an Krimis fasziniert.

Kannst Du Dir vorstellen, dass Du mal ein Buch in einem anderen Genre schreibst?

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich finde es toll, immer wieder etwas Neues auszuprobieren und mal etwas ganz anderes machen. Einige Ideen habe ich auch schon kurz skizziert, aber im Moment fehlt mir die Zeit, um mich ihnen zu widmen. Ich hoffe, dass ich im Sommer etwas Leerlauf habe und ich das eine oder weitere ausarbeiten kann.

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Ich brauche ungefähr ein Jahr für ein Buch. Ich starte mit dem Plotten, das heißt, ich überlege mir die Wendepunkte in meiner Geschichte, was genau passieren soll und welche falschen (und richtigen) Fährten ich legen möchte. Bis alles steht vergehen schon zwei bis drei Monate. Erst danach beginne ich mit dem Schreiben. Damit das gut klappt und ich nicht in Zeitnot gerate, rechne ich mir aus, wie viele Seiten ich im Schnitt pro Tag schaffen muss. Am Ende eines jeden Tages trage ich ein, was ich geschafft habe. Das motiviert mich und gibt mir das beruhigende Gefühl, dass ich noch genug Zeit habe. Romane zu schreiben ist wie ein Marathon. Wenn man nur auf das Ende blickt, ist dieses sehr weit weg und die Hürde erscheint riesig. Aber wenn ich immer nur auf die nächsten Schritte schaue, geht es fast wie von selbst.

Ich stelle mir vor, dass die Recherche für historische Bücher wesentlich aufwändiger ist, als für ein Buch der Gegenwart. Wie eignest Du Dir das Wissen an?

Die Recherche ist meine heimliche Leidenschaft. Um einen generellen Überblick zu bekommen, lese eine Menge Fachbücher. Am meisten Spaß macht es mir aber, mit Quellen der Zeit zu arbeiten. Also zum Beispiel ein Handbuch für Polizisten aus dem Jahr 1912 zu lesen, oder einen Reiseführer von Helgoland durchzublättern oder in einem Ratgeber nachzuschlagen, wie sich der Herr von Welt bei welcher Gelegenheit zu kleiden hat. Für meine Seebadkrimis war ich im Norderneyer Stadtarchiv und konnte davon unglaublich viele Ideen von dort mitnehmen. Das liegt zum einen an den vielen Fotografien, die dort lagern. Und zum anderen an der Badezeitung, die damals in den Sommermonaten erschien und in der ich vieles finden konnte, was Urlauber um die Zeit gemacht haben. Also zum Beispiel Berichte über die Theaterstücke oder zu den Tanzabenden, die in den prachtvollen Hotels veranstaltet wurden. Außerdem gibt es Kleinanzeigen, in denen etwa eine Hofkonditorei für ihre Kuchen wirbt oder in denen eine fixer Laufbursche gesucht wird. Daraus entwickeln sich immer wieder Ideen für den Roman, die ich wunderbar einflechten kann.


Wer darf Dein Buch als erstes lesen?

Zwei befreundete Autorinnen. Sie sagen mir, wo etwas nicht verständlich ist oder ob es Logikprobleme gibt. Im Gegenzug lese ich den ersten Entwurf ihrer Romane.

Es kommt ja immer mal vor, dass einem beim Schreiben Nebenfiguren begegnen, die sich verselbständigen. Ist Dir das schon mal passiert?

Ja, schon mehrfach. Insbesondere in den ersten Romanen ist es mir öfter passiert. Da ich inzwischen stärker vorplotte, brechen Nebenfiguren nicht mehr so leicht aus. Doch manchmal merke ich, dass eine von ihnen einen größeren Part möchte und dann gebe ich dem nach. Es macht einfach zu viel Spaß.

Kommen Dir während des Schreibens bereits neue Ideen für weitere Bücher?

Auf jeden Fall. Die Figuren entwickeln sich während des Schreibens und dann denke ich, dass vielleicht dieses oder jenes noch spannend wäre. Ich notiere mir das gleich und komme später darauf zurück.

Wie hältst Du überhaupt die Ideen fest?

Ich habe mehrere Hefte, in denen ich Ideen festhalte. Ich habe versucht, da die Übersicht zu bewahren, aber daran bin ich gescheitert. Ich nehme einfach das Heft und schreibe es rein. Wenn ich eine Idee für ein neues Buch habe und diese mir mehrere Tage durch den Kopf geht, notiere ich sie gesondert. Ich habe auf meinem Rechner einen extra Ordner für neue Ideen. Meist sind es nur ein, zwei Sätze, eine Ausgangssituation, aus der ich etwas entwickeln kann. Manchmal sind es aber auch schon die ersten Seiten des Manuskripts.

Beim Autorenstammtisch treffen sich ja viele Autorinnen, wie wichtig ist Dir so ein Treffen und vielleicht auch die Zusammenarbeit mit Deinen Kolleginnen?

Den Austausch mit anderen Autorinnen und Autoren finde ich sehr wichtig. Ich bin Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und beim Syndikat und beides ist eine Bereicherung. Außerdem tausche ich mich regelmäßig mit anderen Autorinnen aus.

Du erwähnst, dass Du Mitglied bei den Mörderischen Schwestern bist, was bringt Dir diese Mitgliedschaft?

Schreiben ist ja meist eine recht einsame Sache. Die Mitgliedschaft bei den Mörderischen Schwestern gibt mir die Chance, mich mit anderen Autorinnen auszutauschen. Wir treffen uns einmal monatlich zum Stammtisch und reden über das, was uns gerade beim Schreiben auf dem Herzen liegt. Außerdem organisiere ich das Weiterbildungsprogramm unserer Regio, denn das ist etwas, was mir wichtig ist. Ich denke, als Autorin sollte man alle Möglichkeiten nutzen, etwas Neues zu lernen. Das geht vom Fachwissen rund um Schreiben bis zum Fachwissen Kriminalistik und Polizeiarbeit.

Hast Du schon einmal aus Deinen Büchern vorgelesen oder planst Du Lesungen?

Leider hat die Pandemie es sehr schwer gemacht, live zu lesen. Dabei finde ich es toll, so eng in Kontakt mit dem Publikum zu kommen. Ich mache gerne Lesungen und erzähle auch gern drumherum, beispielsweise Wissenswertes über die Zeit, in der der Roman spielt.

Hast Du als Kind gerne gelesen und wenn ja, an welche Bücher erinnerst Du Dich?

Ich habe gern und sehr viel gelesen. Wir waren regelmäßig in der katholischen Pfarrbücherei unseres Ortes. Eines meiner Lieblingsbücher war Kalle Blomquist. Zu gerne hätte ich wie Kalle echte Kriminalfälle gelöst.

Hast Du eine Lieblingsautorin oder -autor?

Es fällt mir schwer mich auf eine Autorin oder einen Autoren festzulegen. Aber wenn ich es müsste, wäre es wohl Hans Fallada. Sein Buch „Kleiner Mann, was nun?“ hat begeistert. Mit der kargen Sprache ist er sehr nah dran an der damaligen Zeit.

Wenn Du eine Reise in die Vergangenheit machen könntest, welchen Autor würdest Du besuchen und warum?

Henriette Arendt. Sie war keine Romanautorin, sondern hat über ihre Erfahrungen als erste Polizeiassistentin Deutschlands Fachbücher und Aufsätze geschrieben. Ihre Hauptaufgabe als Polizeiassistentin lag in der Betreuung von „gefallenen“ Frauen, „verwahrlosten“ Kindern und Jugendlichen. Statt bei Verhaftungen der Prostituierten zu helfen, setzte sie auf Gespräche und Verbesserung der Lebenssituation der Frauen. Dass ging ihren Arbeitgebern zu weit und sie wurde nach nur wenigen Jahre als Polizeiassistentin aus der Tätigkeit gedrängt. Später engagierte sie sich gegen Kinderhandel.

Um noch einmal darauf zurück zu kommen, dass Du nun in Düsseldorf lebst, darf ich fragen, wie es dazu gekommen ist?

Nach meinem Studium in Osnabrück habe ich einen Arbeitsplatz in Düsseldorf angeboten bekommen. Die erste Zeit war schwer, wie es oft so ist, wenn man in eine neue Stadt zieht. Aber inzwischen fühle ich mich dort sehr wohl.

Du bist in Norddeutschland geboren, wie groß ist die Sehnsucht und verbringst Du oft Deinen Urlaub am Meer?

Ich habe eine große Sehnsucht zum Meer. Ich verbringe meinen Urlaub so oft wie möglich dort.


Nun habe ich soviel gefragt und bestimmt doch noch etwas vergessen, deshalb hast Du hier die Möglichkeit und kannst uns sagen, was Du uns Lesern schon immer sagen wolltest.

Zunächst einmal möchte ich dir danken für deine interessanten Fragen! Es war mir ein Vergnügen.

Meinen Leserinnen und Lesern möchte ich ebenfalls danke sagen. Ich erhalte oft Mails, hin und wieder auch richtige Briefe von Leserinnen und Lesern. Das baut mich immer wieder auf und stärkt mir den Rücken, weiterzuschreiben.

Am Ende nenne ich immer gerne ein paar Begriffe oder Namen und frage, was einem dazu einfällt:

Störtebecker – Freibeuter und Seeräuber

Nördernee – Sehnsucht

Familienbadestrand – Auflösung der Trennung von Damen- und Herrenbad

Liebe Elsa, ich bedanke mich vielmals dafür, dass Du Dich meinen Fragen gestellt hast.

Ganz lieben Dank, Ulla!

Gerne zeige ich hier nun die Cover der Seebad-Krimis, die mich alle begeistern konnten:

Die Tote in der Sommerfrische – Band 1 – erschienen im März 2020

Der tote Rittmeister – Band 2 – erschienen im April 2021

Die kalte Mamsell – Band 3 – wird erscheinen im März 2022

Wer noch mehr über die Autorin erfahren möchte kann dies auf folgenden Seiten:

Homepage Elsa Dix und bei Amazon Autorenseite Elsa Dix

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