Autoreninterview Anette Strohmeyer

Anette Strohmeyer *

Liebe Anette,
ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellst. Bevor ich loslege, berichte ich immer kurz, ob ich meine Interviewpartnerin kenne und so weiter. Wir beide sind uns leider nicht persönlich begegnet, da war ich wohl nicht schnell genug, denn Du hast mal in meiner Nähe gewohnt und lebst nun weiter entfernt. Schade.
Allerdings treffen wir uns nun regelmäßig per Zoom, denn wir beide sind mörderische Schwestern und dank der Technik ist auch ein Treffen über Entfernungen möglich. Bei dem ersten Zoom-Treffen haben wir uns alle vorgestellt und leider kannte ich bis dahin noch keines Deiner Bücher. Neugierig, wie ich bin, habe ich dann aber sofort eins besorgt und gelesen. Es war ein Thriller, eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre, aber er hat mich gefesselt, denn er war ausgesprochen spannend und nun komme ich nicht mehr davon los.

Bevor ich nun noch weiter aushole, starte ich lieber mit meinen Fragen

In Deiner Vita habe ich gelesen, dass Du seit 2012 hauptberuflich als Autorin tätig bist. Wie ist es dazu gekommen, dass Du Dich auf Thriller spezialisiert hast.

Mein Lieblingsgenre ist eigentlich der Mystery-Thriller, mit übernatürlichen und mysteriösen Elementen. Da dieses Genre in Deutschland leider schwer bei Verlagen unterzubringen ist, habe ich mich auf den reinen Krimi und Thriller spezialisiert. Denn ich wollte vom Schreiben leben, das war mein Ziel. Dabei muss man manchmal Kompromisse zugunsten des Marktes eingehen. Aber ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Du schreibst unter dem Namen Anne Nørdby Thriller, deren Handlung in Skandinavien angesiedelt wurde, kam deshalb die Namensänderung zustande?

Dieses Pseudonym ist aus Marketinggründen beim Verlag entstanden. Skandinavische Thriller verkaufen sich erfahrungsgemäß besser mit einem skandinavischen Autorennamen darauf. Bei der Namensfindung durfte ich allerdings mitreden 😉

Ich habe festgestellt, dass Du als Anette Strohmeyer eine Kurzgeschichte in dem Buch „Düsseldorf Linksrheinisch“ geschrieben hast. Das Buch habe ich natürlich. Kann ich noch mehr Kurzgeschichten von Dir finden?

Leider nicht. Diese eine Geschichte ist die einzige. Das liegt daran, dass ich einfach nicht kurz kann. Daher haben auch alle meine Romane über 450 Seiten, hi hi. 

Ich habe ebenfalls bei meiner Recherche festgestellt, dass Du als Autorin sehr vielseitig unterwegs bist. Möchtest Du zu den anderen Projekten etwas schreiben?

Neben skandinavischen Krimis habe ich ein Steckenpferd, das sich Writers‘ Room nennt. Das ist das Konzipieren und Schreiben von Stoffen in AutorInnen-Gruppen. Das ist so wahnsinnig spannend, dass ich geradezu süchtig danach bin! In dieser Form sind einige Projekte entstanden. Z.B. der Thriller „Cold Reset“ gemeinsam mit vier weiteren AutorInnen oder 3 Staffeln des Hörspiels „Monster 1983“, die wir zu dritt geschrieben haben. Zurzeit arbeite ich wieder mit sieben AutorInnen an einem neuen Projekt, das eine Mischung aus Hörbuch und Hörspiel sein wird. Dann gibt es da natürlich noch meine Herzensreihe um den eigenwilligen Problemlöser Paul Ondragon, von der bislang 5 Bände erschienen sind. Hier darf sich meine Mystery-Seele austoben 😉

Nun weiß ich, was Du so alles machst, aber ich weiß nicht, ob Du als Kind gerne gelesen hast. Wenn das der Fall ist, an welches Buch kannst Du Dich gut erinnern?

Hi hi, als Kind fand ich lesen total öde. Dafür habe ich mir stundenlang Hörspiele reingezogen, Die drei ???, TKKG, Fünf Freunde etc. – warum lesen, wenn man es sich quasi vorlesen lassen kann? Ich war durch und durch ein Kassettenkind. Meine Eltern waren ganz verzweifelt und haben unablässig versucht, mir das Lesen schmackhaft zu machen. So richtig hat es dann aber erst Herr Stephen King geschafft, als ich ihn mit 15 entdeckte. Danach hat mir meine Mutter die Bücher regelmäßig weggenommen und sie eingeschlossen, weil ich zu viel las. Verrückt, oder? Dran sieht man mal wieder: Man kann es seinen Eltern einfach nicht recht machen. 😀

Du bist sehr beschäftigt, hast Du überhaupt noch Zeit, Bücher von Kolleginnen oder Kollegen zu lesen?

Ja, es ist tatsächlich so, dass die Zeit mein limitierender Faktor ist. Aber es ist enorm wichtig, parallel zum Schreiben viel zu lesen. Das hilft einem dabei, seinen eigenen Stil zu finden und zu schärfen. Außerdem sollte man wissen, was auf dem Buchmarkt oder im Genre gerade gefragt ist. Natürlich lese ich auch oft zur Unterhaltung – ich liebe es zum Beispiel, im Urlaub einfach mal nur zu schmökern!

Wie sieht Dein Autorenalltag aus?

Um 7.30 Uhr aufstehen, frühstücken (Müsli mit Quark und Honig) und so um 8.30/9 Uhr an den Computer setzen. Zuerst kommt das Büro: Mails lesen/beantworten oder andere Dinge erledigen, danach Social Media (ich bin auf Facebook und Instagram mit mehreren Pseudonymen tätig). Erst danach geht es an das kreative Arbeiten. Das kann je nach Projektstadium das Plotten sein, das Schreiben, das Lektorat einarbeiten, recherchieren, neue Kapitel überarbeiten oder am Exposé feilen. Manchmal sind es auch mehrere Projekte parallel. Im Moment z.B. drei. Um 18 Uhr fällt der Hammer. Obwohl ich daran arbeite, effektiver zu werden und vielleicht schon um 15 Uhr Schluss machen zu können. Das wäre mein Ziel. 😉

Wie findest Du die Ideen zu Deinen Büchern. Ich kann jetzt ja nur Bezug auf Tom Skagen nehmen, der in den Büchern für Skanpol arbeitet.

Ich denke, ich kann sagen, dass die Ideen mich finden. Erst kürzlich ist mir ein starkes Thema direkt vor die Füße gefallen. Das sind so magische Momente, in denen einfach alles passt. Und nun wird dieses Thema der Inhalt der Fortsetzung meines Skandi-Thrillers „Eis.Kalt.Tot.“. Aber natürlich beinhaltet das, dass man mit offenen Sinnen und Augen durchs Leben geht. Dass man in Bewegung bleibt und Interesse an vielfältigen Dingen hat. Viele meiner Ideen kommen auf meinen Reisen zu mir. Ich brauche die äußere Anregung, die Impulse genauso, wie in Ruhe einen Zeitungsartikel zu lesen. Dabei stößt man auch oft auf interessante Themen.

Kann es sein, dass sich beim Schreiben schon neue Ideen einschleichen für andere Bücher? Wenn ja, wie gehst Du damit um.

Ja, das ist so. Bei einem kreativen Prozess ploppt oft etwas ganz anderes auf. Dafür habe ich ein kleines Ideenbuch, in das alles hineinkommt. Später prüfe ich dann, ob diese Ideen zu einem Buch taugen. Ich muss aber sagen, dass ganz viele Ideen nicht umgesetzt werden, weil sie sich doch nicht als so spannend erweisen.

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Inklusive Recherche und Konzeption ein halbes Jahr. Am Ende kommen dabei ca. 450-500 Seiten raus.

Wer darf Dein Buch als erstes lesen?

Das ist unterschiedlich. Meistens der- oder diejenige TestleserIn, der/die als erstes Zeit hat 😉

Gibt es schon weitere Buchpläne, an denen Du bereits arbeitest?

Klar. Die Tom Skagen-Reihe geht weiter, da wollen die Ideen für Band 4 und 5 entwickelt werden. Die Fortsetzung zu „Eis.Kalt.Tot.“ ist aktuell in Arbeit genau wie das oben erwähnte Writers‘ Room-Projekt. Ein historischer Krimi, an dem ich zusammen mit einem Autorenkollegen aus Hamburg schreibe, geht demnächst an unsere Agenturen raus (das wird spannend!). Und dann habe ich noch ein weiteres Herzensbuch, das ausnahmsweise kein Thriller, sondern ein Roman sein wird. Der wird auf den Lofoten spielen. Aber dazu müsste ich ein weiteres Mal dorthin reisen, was im Augenblick aus bekannten Gründen nicht so einfach ist. Aber für dieses Projekt gibt es auch keinen Zeitrahmen, das lasse ich auf mich zukommen. Und wer weiß, was da noch alles Spannendes auf meinen Tisch geweht wird.

Hast Du ein Autorenvorbild?

Douglas Preston & Lincoln Child sind meine Vorbilder in Sachen Mystery. Nevada Barr für starke Frauenfiguren, die sich über viele Bücher hinweg weiterentwickeln. Und Colin Cotterill für seine unglaublich skurrilen Einfälle.

Ich weiß ja, dass Du einige Monate auf der Insel Møn wohnst (da kommst so ein kleines bisschen Sehnsuchtsneid auf) Hast Du dort auch die Muse zu schreiben. Ich überlege gerade, ob ich mich dort vielleicht zu oft ablenken lassen und Ausflüge sprich Radtouren machen würde.

Das ist kein Problem für mich, da ich weiß, dass mir die Insel nicht wegläuft. Ich habe vor Ort sogar einen disziplinierteren Arbeitsablauf als hier in Deutschland. Auf Møn schaffe ich es tatsächlich, um 14/15 Uhr Feierabend zu machen. Das liegt vielleicht, daran, dass mich nicht viel beim Arbeiten stört, und an dem Ansporn, danach die Insel erkunden oder ins Meer springen zu können 😉

Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, welche Autorin oder welchen Autor der Vergangenheit würdest Du gerne besuchen und weshalb?

Mary Shelley – ich würde sie gerne als Schwester im Geiste fragen, wie ihr so schaurige Sachen einfallen konnten. Und Charles Bukowski – weil ich gerne sehen würde, was er außer dem Schreiben gemacht und wie er es geschafft hat, trotzdem zu schreiben. Ha ha.

Wir haben uns ja kennen gelernt, weil ich der Vereinigung der Mörderischen Schwestern eV beigetreten bin. Für mich als Buchbloggerin ist das sehr interessant, was bringt es Dir als Autorin?

Die Mörderischen Schwestern war ein echter Glücksgriff für mich. Ich war neu nach Düsseldorf gezogen und suchte nach Gleichgesinnten, um mich auszutauschen. Da bin ich auf die Schwestern gestoßen, bin in den Verein eingetreten und habe auch gleich einen Stammtisch gegründet, der bis heute Bestand hat, obwohl ich nicht mehr dort wohne. Aber über Zoom kann ich weiterhin daran teilhaben. Da haben wir uns ja dann auch getroffen 😉 Ich habe dort und bei den anderen Veranstaltungen so viele nette Kolleginnen kennengelernt, die in den verschiedensten Stadien ihrer Karrieren steckten. Das war so hilfreich, mit ihnen zu sprechen und Tipps zu bekommen. Die Mörderischen Schwestern sind einfach ein klasse Netzwerk von Frauen für Frauen. Und ich habe auch richtig tolle Freundschaften knüpfen und Arbeitsgemeinschaften finden können.

Arbeitest Du eng mit Autorenkolleginnen oder -kollegen zusammen?

Das ist wie gesagt eines meiner Steckenpferde, das ich oben schon erwähnt habe. Man kann sagen, dass ein Drittel meines Portfolios Gemeinschaftsprojekte sind. Einige davon waren monster-erfolgreich und haben Mörder-Spaß gemacht. Aber auch meine Solo-Projekte bespreche ich in der Plotphase gerne eng mit meinen Autoren-FreundInnen. Das ist immer sehr hilfreich. Eines meiner Credos ist: Man schreibt ein Buch nie allein. Man bekommt ganz viel Hilfe von anderen Menschen. Auch z.B. in der Recherche.

Hast Du Kontakt zu Buchbloggerinnen und Buchbloggern?

Ja. Für die Ondragon-Reihe hatte ich ein festes Team von BloggerInnen, mit denen ich einen wirklich netten Kontakt (bei einigen sogar über die Bücher hinaus) pflegte. Das war sehr nett. Außerdem finde ich es immer wieder spannend, die Rezensionen zu lesen und zu sehen, wie unterschiedlich meine Bücher aufgenommen werden. Manchmal bekomme ich auch vonseiten der BloggerInnen gute und konstruktive Kritik, die mir hilft, noch besser zu werden.

Am Ende meines Interviews nenne ich gerne drei Begriffe oder Namen und frage, was einem dazu einfällt. Dich frage ich nach

Astrid Lindgren
  – Früher als Kind mochte ich Pippi Langstrumpf total gerne und fand Michel total langweilig. Heute ist es genau andersherum. Ich denke, das liegt daran, dass man zu Pippi als Kind einen viel schnelleren Zugang bekommt, wegen ihres bunten und anarchistischen Auftretens. So frei und wild will man als Kind auch sein. Als Erwachsene weiß man hingegen den feinsinnigen Humor von Michel sehr zu schätzen und wie weise er doch die Welt betrachtet.

Smørrebrød – Bevor ich 2018 nach Dänemark ausgewandert bin, wusste ich gar nicht, was ein echtes Smørrebrød ist – und dass trotz meiner unzähligen vorherigen Ferienaufenthalte in diesem Land. Ich kannte den Begriff nur aus der Muppet Show. Asche auf mein Haupt. Heute muss ich sagen, dass es ein ganz geniales, vielseitiges und super leckeres Gericht aus kunstvoll belegten Broten ist, dass man in Dänemark gerne zum Mittag isst. Wer es mal probieren möchte, dem empfehle ich das Smørrebrød-Buffet im Restaurant „Café & Ølhalle 1892“ in Kopenhagen. Hm, meget lækkert!

Dänisches Softeis – –Jaaaa! Das ist der Inbegriff meiner Kindheitserinnerungen an die vielen Dänemarkfamilienurlaube, die bekanntlich ohne das oben genannte Smørrebrød stattgefunden haben. Noch heute muss ich es ab und zu essen, genau wie den Hotdog oder das Kung Fu Limonadeneis. Das Softeisessen geht z.B. wunderbar am Kiosk „The End“ am Langeliniekaj in Kopenhagen, wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Eis mit Aussicht sozusagen.

Vielen Dank, liebe Anette, dass Du Dir die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet hast.

Gerne zeige ich an dieser Stelle ein Buchcover stellvertretend für alle erschienenen Bücher, aber diesmal möchte ich auf mehr hinweisen, denn wir konnten ja lesen, dass Anette Strohmeyer sehr vielseitig ist.

Eis.Kalt.Tot. ist der Auftakt zu einer neuen sehr spannenden Serie und bereits im August 2021 erschienen.

Kalter Fjord ist die dritte Folge, in der Tom Skagen ermittelt und erscheint im März 2022. Kleiner Hinweis von mir, jetzt ist noch Zeit, die beiden vorherigen spannenden Folgen zu lesen.

Monster 1983 – davon sind inzwischen mehrere Hörbücher erschienen.

Ondragon – davon gibt es mehrere Hörbücher und auch einige zum Lesen.

Mehr Informationen zu allem sind auf den Amazonautorenseiten zu finden Anne Nordby und Anette Strohmeyer

Wer noch mehr erfahren möchte, kann dies gerne auf den Seiten der Autorin nachlesen:

Anne Nordby Autorin und Anette Strohmeyer

Ich liebe ja die Stadt Kopenhagen und war dort auch schon mehrmals zu Besuch. Wer gerne Erinnerungen auffrischen möchte oder sich Anregungen für Reisen holen will, kann dies gerne machen, denn es gibt eine Seite vom Autor Arnd Rüskamp http://www.mordby.com. Dort hat Anette Tipps eingestellt.

*Hinweis zum Bild der Autorin, das Copyright hat Anette Strohmeyer

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