Autoreninterview Heidi Troi

Heidi Troi in Südtirol

Liebe Heidi, ich freue mich, dass Du Dich meinen Fragen stellen möchtest. Die meisten meiner Interviewpartnerinnen und – partner habe ich schon einmal getroffen. Wir beide haben uns bei einem Zoom-Meeting kennen gelernt. Allerdings habe Deinen Namen in letzter Zeit öfter gelesen, meist im Zusammenhang mit den Mörderischen Schwestern, zu denen wir beide ja gehören. Inzwischen habe ich einen Brixen-Krimi von Dir gelesen und es wird mit Sicherheit nicht der letzte gewesen sein. Aber nun will ich endlich mit meinen Fragen loslegen:

Auf Deiner Homepage habe ich gelesen, dass Du zunächst als Grundschullehrerin tätig warst und gleichzeitig als Theaterpädagogin gearbeitet hast. Möchtest Du kurz etwas dazu schreiben?

Ja, das war eine spannende Zeit. Ich war Grundschullehrerin, habe aber immer nebenher mit Kindern Theater gemacht – das ist ein Vermächtnis meines Vaters. Nachdem mein Mann und ich dann eine berufsbegleitende Ausbildung zum Fachberater für Theaterpädagogik durchlaufen haben und es in Südtirol nichts vergleichbares gab, haben wir aus unserem Kinder- und Jugendtheaterverein ein Theaterpädagogisches Zentrum gemacht. Mein Mann hat gleich schon seinen Beruf als Grundschullehrer an den Nagel gehängt, bei mir hat es nochmal etwas über zwanzig Jahre gedauert, in denen ich im TPZ wirklich einen zweiten Job hatte … Anstrengend, aber so schön!

Ich habe ebenfalls gelesen, dass Du 2015 bei einem Online Autorenkurs mitgemacht hast. Wie ist es dazu gekommen? Hattest Du auf einmal Lust Bücher zu schreiben?

Ich habe immer schon geschrieben, meistens Geschichten für meine Kinder. Irgendwann häuften sich meine Schreibprojekte, aber ich kam immer nur bis zu einem bestimmten Punkt. Daher suchte ich nach einem Schreibkurs. Es war purer Zufall, dass es genau der von Lea Korte war, der mich gefunden hat. Warum nicht gleich eine Ausbildung statt einem Einmal-Workshop, dachte ich mir, und ich hab mich angemeldet. Mit einigem Bauchweh … Aber es war eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe. Einmal, weil ich dort wirklich ganz viel für mein Schreibhandwerk gelernt habe, aber auch weil Lea mir ordentlich in den Hintern getreten hat, als ich zwischenzeitlich aufgeben wollte. Und wegen der Schreibgruppe. Mit vielen der Damen bin ich immer noch fest im Austausch und das ist wie ein Sicherheitsnetz.

Interessant finde ich ja, dass Du Kinderbücher und Krimis schreibst, wie ist es dazu gekommen?

Eigentlich waren Kinderbücher mein Ausgangspunkt. Schon als Kind wollte ich Kinderbuchautorin werden. Der Krimi ist ein Zufallsprodukt, wenn man das so sagen will. Er ist aus einer Schreibaufgabe entstanden und zwar sollten wir eine Liebesgeschichte in einem Setting schreiben, das nicht unbedingt was mit Liebe zu tun hat. Zufällig war eine der Figuren ein Privatdetektiv und hieß auch schon Lorenz Lovis. Mein Mann und meine Schreibgruppe verliebten sich in den Kerl und ich „musste“ weiterschreiben.

Wirst Du auch in Zukunft in beiden Genres etwas schreiben? Was ist da geplant?

Dem Krimi und dem Kinderbuch werde ich ganz sicher treu bleiben, ja. Aber es wird auch anderes dazukommen. Noch dieses Jahr wird der erste Liebesroman von mir erscheinen – auch er spielt übrigens in Südtirol – und möglicherweise probiere ich mich später auch in anderen Genres aus. Als Leserin beschränke ich mich bei weitem nicht nur auf ein Genre, das möchte ich auch beim Schreiben nicht tun.

Wie sieht Dein Autorenarbeitsalltag aus?

Dicht … Ich leite im Theaterpädagogischen Zentrum Brixen sechs Theatergruppen und eine Schreibgruppe, dazu kommt die ganze Öffentlichkeitsarbeit und Planung. Das Schreiben passiert in der Freizeit. Auch wenn ich versuche, täglich ein bisschen was zu schreiben, passiert viel am Abend oder am Wochenende, sehr viel in Ferienzeiten. Aber meistens gehen mir den ganzen Tag über Ideen zu meinen jeweiligen Schreibprojekten im Kopf herum. Etwas enger wird es, wenn – wie heuer im Januar – drei Lektorate zusammenkommen. Da wird es dann spannend …

Kann es sein, dass beim Schreiben eines Buches Ideen zu einem anderen bei Dir auftauchen?

Unbedingt. Das passiert immer wieder. Die große Kunst ist, diese Ideen schnell irgendwo festzuhalten, damit sie nicht verlorengehen. Da gibt es diese Anekdote von Stephen King, der im Traum die perfekte Idee für eine Geschichte hatte und sie schnell auf einem Zettel notierte, damit er sie nicht vergaß. Als er am Morgen auf den Zettel schaute, stand da bloß „Boy meets girl“. So ähnlich geht es mir mit meinen Notizen auch. Ich schreibe da schnell was nieder und wenn ich die Notizen dann wieder finde, habe ich keine Ahnung, was ich damit eigentlich gemeint habe.

Wie lange schreibst Du an einem Buch?

Je nachdem, wie intensiv ich dran arbeiten kann. Ich mache gern beim NaNoWriMo mit, dem National Novel Writing Month mit. Und da schaffe ich die 50.000 Wörter eigentlich immer leicht. Meistens bin ich dann so im Schreiben drin, dass ich in den ein bis zwei Wochen nach dem NaNoWriMo auch noch den Rest hinkriege. Also vier bis sechs Wochen brauche ich für ein Buch, wenn ich mich richtig dahintersetze. Das ist dann allerdings erst der erste Entwurf. Mit Lektorat und allem Drum und Dran braucht es ein gutes Jahr, bis so ein Buch druckreif ist.

Wer darf es zuerst lesen?

Immer mein Mann. Der ist mein erster Leser und meine größte Motivation. Wenn ich an einem Projekt sitze, will er jeden Tag lesen, und kommt tatsächlich mit der Frage heim: „Hast du heute was geschrieben?“ Das motiviert mich ganz ungemein.

Um noch einmal auf den Krimi zurückzukommen, Dein Protagonist Lorenz Lovis ist ja schon etwas besonderes, wie hast Du ihn gefunden? Oder hat sogar er Dich gefunden?

Ich denke, er hat mich gefunden. Wieso sollte ich sonst bei einer Schreibaufgabe, in der es um eine Liebesszene in einem besonderen Setting geht, einen Privatdetektiv auftreten lassen? Und ich liebe den Kerl, muss ich sagen. Auch wenn ich absolut verstehe, wenn es Leute gibt, die ihn nicht fassen. Er braucht eine Angelika an seiner Seite, die ihm im richtigen Moment einen Tritt in den Hintern gibt, damit er mal in die Gänge kommt und er braucht eine Autorin, die nicht an seinem Phlegma verzweifelt.

Als Krimifan interessiert es mich natürlich sehr, ob es noch weitere Folgen mit ihm geben wird.

Gibt es. Im Mai erscheint der dritte Band und der vierte Band steht auch schon im Rohentwurf und war auch schon bei meinen Testleserinnen. Bis Juni soll ich ihn abgeben und dann wird er wohl 2023 erscheinen. Ob es danach weitergeht, hängt vom Verlag ab. Mal sehen …

Lorenz Lovis ermittelt in und um Brixen, hast Du vielleicht auch noch Pläne, ihn oder einen anderen Ermittler an anderen Orten arbeiten zu lassen?

Lorenz Lovis wird wohl in Brixen und Umgebung bleiben. Schon deshalb, weil er als Bauer ja dort fest verwurzelt ist. Aber man soll nie nie sagen. Was andere Ermittler angeht, werde ich mich wohl nicht nur in Brixen herumtreiben. In der zweiten Jahreshälfte erscheint ein Krimi im Empire Verlag, der „in einem Tal“ in Südtirol spielt. Ich habe da natürlich ein Tal im Kopf, aber die Geschichte könnte auf einige Täler zutreffen. Daher will ich mal keine Namen nennen. Außerdem wartet noch ein Krimi auf einen interessierten Verlag, der am Gardasee spielt und mit Drea Summer arbeite ich an einem Geheimprojekt, das uns weit aus den Alpen herausführt. Also, langsam taste ich mich aus meiner Komfortzone heraus.

Als Südtirolerin sprichst Du ja sicher mehrere Sprachen, Deutsch und Italienisch denke ich mal auf jeden Fall. Gibt es noch weitere und schreibst Du nur auf Deutsch?

Ich schreibe tatsächlich nur auf Deutsch. Italienisch ist eine Zweitsprache, die ich gut genug beherrsche, um zu wissen, dass ich sie nicht gut genug kann. Daher lasse ich die italienischen Texte in meinen Büchern auch immer von meiner besten Freundin kontrollieren, die perfekt zweisprachig ist. Ich spreche noch Englisch, zumindest gut genug, um mich mit den Austauschpartnern des Theaterpädagogischen Zentrums Brixen verständigen zu können. Französisch und Spanisch kann ich lesen, Koreanisch habe ich mir jetzt so langsam ein gewisses Basisverständis aufgebaut, weil ich zusammen mit meiner Tochter koreanische Serien ansehe. Was mir wirklich leid tut, ist, dass ich bisher noch nicht geschafft habe, die dritte Landessprache Südtirols zu lernen. Das wäre Ladinisch und mir tut es vor allem deshalb leid, weil meine Vorfahren und diejenigen meines Mannes aus den ladinischen Tälern stammen. Eigentlich sollte ich mich mal dahinterklemmen …

Hast Du als Kind gerne gelesen und wenn ja, an welche Bücher kannst Du Dich erinnern?

Ich habe Bücher gefressen und ich hatte viele Lieblingsautoren. Natürlich Otfried Preußler („Die Abenteuer vom starken Wanja“ liebe ich bis heute) und Michael Ende – ich bin ein erklärter Fan von Jim Knopf und bin überzeugt, dass diese Geschichte, die von Freundschaft zwischen Kindern mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund mich zu einem toleranten, offenen Menschen gemacht hat (das ist mein Beitrag zu der unsäglichen Diskussion um die Vorwürfe gegen seine Bücher).

Natürlich Astrid Lindgren – die Brüder Löwenherz haben mich zu Tränen gerührt. Max Kruse und sein Urmel aus dem Eis mit Folgebänden habe ich ebenso geliebt, „Der weiße Wolf“ von Käthe Recheis, „Gretchen Sackmeier“ oder „Lucky Live“ von Christine Nöstlinger … 
Aber meine Eltern haben uns schon als Kinder immer vorgelesen. Da kann ich mich noch gut an „Die Abenteuer des Rösslein Hü“ von Ursula M. Williams erinnern oder an „Henriette Bimmelbahn“ von James Krüss.

Hast Du ein Autorenvorbild?

Bei den Kinderbüchern kommen wahrscheinlich Christine Nöstlinger oder Renate Welsh am ehesten an so ein Vorbild heran oder Kirsten Boie. Deren Geschichten habe ich mit meinen Kindern entdeckt und lieben gelernt. Beim Krimi ist es eine Autorin, die wahrscheinlich niemand kennt. Sie heißt Linda Barnes und hat ein paar Krimis rund um eine Ermittlerin in Boston geschrieben, Carlotta Carlyle. Die habe ich mehrmals gelesen und das will bei einem Krimi was heißen.


Gibt es ein Buch, dass Du schon immer mal lesen wolltest, es bisher aber noch nie geschafft hast?

Da gibt es wenig … Als Jugendliche habe ich mich durch viele Werke der „hohen Literatur“ gefressen. Meine größte Herausforderung war „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil und den hab ich wirklich nur gelesen, weil mein damaliger Deutschlehrer meinte, dass er den Hut vor jedem abnimmt, der dieses Buch liest. Mittlerweile bin ich bei der Auswahl meines Lesestoffs ein bisschen weniger anspruchsvoll, auch weil ich lese, um abzuschalten, nicht um mich zu beweisen. 😉 Am ehesten wären es wohl Werke aus anderen Kulturen, die mich schon lange interessieren. Ich möchte gern mal was von afrikanischen, persischen oder asiatischen Autoren oder Autorinnen lesen. Noch nicht geschafft habe ich es vor allem aus dem Grund, weil es um mich herum so viel zu lesen gibt.

Wenn Du eine Reise in die Vergangenheit machen könntest, welche Autorin oder Autor würdest Du gerne besuchen und weshalb?

Na ja, das müsste dann Jane Austen sein oder die Brontë-Schwestern. Ich hätte da schon ein paar Fragen an sie. Wie viel Energie sie aufgewendet haben, um als Frauen in dem damals von Männern dominierten Welt der Bücher ernstgenommen zu werden. Ich würde gern zusehen, wie Jane Austen ihren Roman schreibt und wissen, wie oft sie ihn neu schreibt, bevor sie ihn abschickt. Mit der Hand …

Du hast 2021 einen Verlag gegründet, wie ist es dazu gekommen?

Ich hatte auf Anregung meines Sohns Benedikt ein Buch geschrieben, das in Südtirol spielt und sich an Kinder richtet, die in Südtirol leben oder hier Urlaub machen. Nun gibt es in Südtirol keinen Verlag für Kinderbücher, wenn man von einem Druckkostenzuschussverlag absieht. Aus dem Grund entschloss ich mich dazu, die Bücher selbst rauszubringen. Erst als ich die erste Rechnung stellen wollte, erklärte mir mein Wirtschaftsberater, dass ich dazu eine andere Position aufmachen musste … Und der Verlag wurde gegründet. Mit ziemlichem Stress für meine armen Wirtschaftsberater. Jetzt habe ich den JoHoi Verlag, in dem allerdings nur meine eigenen Publikationen erscheinen dürften. Wieder so ein italienischer Winkelzug.

Du bist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, was bringt Dir die Mitgliedschaft?

Vor allem ein Netzwerk von krimibegeisterten Frauen. Viele Buchtipps, viel Unterstützung, inspirierende Projekte, an denen ich teilnehmen darf.

Hast Du Kontakt zu Autorenkollegen?

Ja, das ist das eigentlich Inspirierende am Autorendasein. Während die Autoren früher für mich auf einem hohen Sockel standen, sind das jetzt Kollegen. Ich genieße den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und lerne dabei ganz viel dazu. Vor allem bei den Mord(s)lustigen, der Autorengruppe, die ich mit Drea Summer und Ariana Lambert zusammen gegründet habe.

Findest Du Zeit Bücher Deiner Kollegen zu lesen?

Auf jeden Fall. Die Zeit nehme ich mir!

Arbeitest Du mit Buchbloggern zusammen?

Sehr gern und ich bin so dankbar dafür, dass wir Autorinnen die Unterstützung durch Buchblogger bekommen. Egal, ob ich meine Bücher als Selfpublisherin herausgebe oder über einen der kleinen Verlage, bei denen ich bin: Wir haben nicht die großen Büchertische in den Buchhandlungen, auf denen unsere Bücher präsentiert werden, die großen Zeitschriften schreiben nicht über uns … Ohne Blogger hätten wir überhaupt nicht die Möglichkeit, dass die Leserinnen und Leser auf uns aufmerksam werden. Aus dem Grund kann ich mich nicht oft genug bedanken! Danke!!!

Können wir Dich mal auf einer Buchmesse treffen?

Ja. Sollte das mit Leipzig was werden, könnt ihr mich dort finden. Ich darf sogar eine Lesung im Rahmen des Programms des Selfpublisher Verbands machen und werde sicher auch einmal den Stand der Mörderischen Schwestern und des Syndikats betreuen. Anfang Juli finden die Kirchberger Kinderliteraturtage statt, da werde ich mit einem eigenen Stand vertreten sein und wenn alles gut geht, findet ihr mich bei der Frankfurter Buchmesse beim Autorensofa.

Nun habe ich soviel gefragt, aber bestimmt noch etwas vergessen, deshalb hast Du hier nun die Möglichkeit, uns mitzuteilen, was Du uns immer schon sagen wolltest.

Ich habe jetzt so viel erzählt. Ich bin wunschlos glücklich. Außer einer Sache: Danke, liebe Ulla, dass du mich zu dem Interview eingeladen hast!

Und Zum Schluss nenne ich immer drei Namen oder Begriffe und frage, was einem dazu einfällt:

Isolde Kostner – Unsere Vorzeigesüdtirolerin und das nicht umsonst.

Südtiroler Spezialitäten – Man muss wissen, wo man sie kauft.

Seiser Alm – Ich schau sie lieber von der anderen Talseite aus an.

Liebe Heidi, ich bedanke mich, dass Du Dich meinen Fragen gestellt hast.

Stellvertretend für alle Bücher zeige ich hier sonst immer das Cover eines Buches. Diesmal mache ich es etwas anders, ich zeige ein Bild mit Autorin und zwei ihrer Bücher.

Bewährungsprobe erschienen 18. März 2021 und Feuerprobe erschienen 20. Februar 2020 im Servus Verlag

Weitere Informationen über Heidi Troi sind hier zu finden

Homepage Heidi Troi klick hier
Autorenseite Amazon klick hier

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