Autoreninterview Melanie Jungk

Liebe Melanie,
ich freue mich, dass Du Dich bereit erklärt hast und meine Fragen beantworten möchtest. Aber wie immer beginne ich damit, zu schildern, wie wir Kontakt zueinander aufgenommen haben.
Es muss auf der Buchmesse 2017 in Frankfurt gewesen sein, ich schlenderte mal wieder durch die Gänge und meist treffe ich außerhalb meiner Termine dort immer wieder auf Autoren. So auch in diesem Fall. Du hattest eine andere Autorin begleitet, die mich ansprach. Wir stellten uns vor und wenn ich höre, dass eine mir bisher unbekannte Autorin Krimis schreibt, bin ich sofort ganz aufmerksam. Nach der Messe versuchte ich mir alle Namen zu notieren, denn es stürzen ja doch sehr viele Eindrücke auf mich ein. Natürlich habe ich dann auch nachgesehen, welche Bücher veröffentlicht wurden. Nun ist es ja so, dass meine private Wunschleseliste enorm lang ist und ich es manchmal nicht schaffe, all das zu lesen, was ich gerne möchte, deshalb stellte ich den Kauf  Deiner Bücher und viele andere erst einmal zurück.
Im Mai 2018 durfte ich ja abends beim  gemütlichen Beisammensein der Selb Publisher, die sich in Düsseldorf getroffen hatten, dabei sein. Das war dann auch der Moment, wo wir uns zufällig wieder getroffen haben. Für mich bedeutete es aber auch, dass ich endlich mal ein Buch von Dir lesen wollte  und so kam es, dass ich erfahren konnte, wer Sherlock Holmes erstochen hat.
Aber nun genug der Vorrede, ich möchte jetzt einfach mal mit meinen Fragen beginnen.
Auf Deiner Homepage habe ich gelesen, dass Du als Kind sehr gerne gelesen hast, das ging ja vielen los, aber nicht jede kommt auf die Idee selber zu schreiben. Was ist aus den Geschichten von damals geworden?
Leider habe ich nicht alles aufgehoben. Als Teenager habe ich viele davon weggeschmissen, weil ich meinte, dass sie nicht gut seien. Ist halt ein schwieriges Alter. Als ich aus meinem Elternhaus ausgezogen bin, ist mir eine ganz, ganz kleine Geschichte in die Hände gefallen, die ich am 06. Oktober 1983 geschrieben habe. Da war ich zarte 8 Jahre alt. Die hängt nun über meinem Schreibtisch. Quasi als Glücksbringer.
Wie kam es denn dazu, dass Du 2013 tatsächlich ein Buch geschrieben hast?
Ich wollte mal was für mich tun und da ist mir die Werbung für einen Schreibkurs ganz in meiner Nähe in die Hände gefallen. Da dachte ich mir, 5 Abende, die gönnst du dir jetzt. Hier habe ich ganz viele nette Leute kennengelernt, die wie ich gerne Bücher schreiben wollen. In einer Stunde bekamen wir die Aufgabe, aus dem Satz: „Der Kofferraumdeckel war nicht verschlossen“ eine kurze Geschichte zu schreiben. Wir waren 12 Teilnehmer und hatten 12 unterschiedliche Geschichten. Das hat mich so fasziniert, dass ich meinen Traum vom eigenen Buch unbedingt wahr machen wollte. Übrigens findet sich in jeder meiner Geschichten dieser Satz in irgendeiner Weise wieder. Z. B.: Die Haustür war nicht verschlossen.
In dem Schreibkurs habe ich dann gelernt, wie einfach es heute eigentlich ist, ein Buch zu veröffentlichen. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es einfach mal. Die Kinder werden älter und gehen immer mehr ihre eigenen Wege. Es war an der Zeit, was für mich selber zu finden. Warum soll man also warten, bis man in Rente geht.
Du schreibst Krimis, die in Fürstenau spielen. Bleibst du an diesem Ort?
Ich werde dem Ort treu bleiben, weil es hier viele schöne Ecken zum Töten gibt und die umliegenden Orte sogar schon fragen, wann denn mal ein Buch mal bei ihnen spielt.
Aber ich schreibe gerade an einer weiteren Reihe, die im schönen Norddeich beginnt. Das Buch wird in diesem Jahr noch erscheinen.

Hast Du noch einen Brotjob?
Ja, ich bin Steuerfachangestellte.
Wann hast Du Zeit zum Schreiben?
Ich versuche in der Mittagszeit, wenn ich schon Zuhause bin und meine Kinder noch nicht, ein paar Seiten zu schreiben. Das gelingt mir natürlich nicht jeden Tag. An manchen Tagen ziehe ich mich abends in mein Büro zurück. Aber meist schreibe ich, wo es gerade geht. Da ich alle meine Geschichten noch handschriftlich in eine Kladde vorschreibe, bin ich örtlich nicht so gebunden. Das funktioniert auch auf einer Parkbank. Die meiste Zeit zum Schreiben habe ich, wenn wir mit dem Wohnmobil in den Urlaub fahren. Mein Mann kann in Ruhe fahren, die Kinder dürfen vorne sitzen und ich sitze, dann mit Laptop, hinten und schreibe. So sind alle glücklich.
Wie lange schreibst Du an einem Buch?
Das ist ganz unterschiedlich. Das Buch `Wer erstach Sherlock Holmes?´ habe ich auf der Hin- und Rückfahrt nach Frankreich geschrieben. Es kommt auch immer darauf an, wie viel Zeit ich zum Schreiben habe. Eine Deadline ist da sehr hilfreich. Bei mir ist das meist eine Lesung, zu der ich das nächste Buch gerne fertig hätte.
Auf der Homepage habe ich ebenfalls gelesen, dass Du auch in anderen Genre schreiben würdest, gibt es Planungen?
Nichts konkretes, aber ich würde tatsächlich gerne mal einen Western schreiben. Allerdings finden sich den den Western, die so auf dem Markt sind einige Sexszenen. Die würde ich gerne weglassen. Vielleicht eines Tages.

 

Wie findest Du die Ideen zu Deinen Büchern?
Manchmal kommen die durch eine Begegnung oder durch einen Satz, den ich höre. Bei meinen Fürstenauer Kriminalromanen überlege ich mir zurzeit, warum die Kommissare wohl noch einmal nach Fürstenau kommen könnten. Zum Glück habe ich im Moment noch viele Ideen im Kopf.
Wer darf Dein Buch als erstes lesen?
Meine beste Freundin und meine Nichte sind meine Testleser. Die beiden sind mir zwar wohlgesonnen, aber auch ziemlich gnadenlos. Also genau das, was ein Autor braucht, ehrlich gemeinte Kritik.
Hast Du jetzt auch noch ausreichend Zeit zum Lesen?
Nein, das kommt definitiv zu kurz. Das ist so schade. Da geht es mir wir dir, ich habe Berge an Büchern, die ich unbedingt noch lesen möchte. Ich bevorzuge übrigens noch das klassische Buch, kein eBook.
Gibt es ein Lieblingsbuch?
Ja, in der Tat. Sidney Sheldons Kalte Glut. Das habe ich noch zu Schulzeiten gelesen und es hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich fand es sehr spannend.
Du schreibst auf Deiner Seite, dass Du die Hörspielkassetten  der drei ??? mochtest, was hast Du als Kind denn sonst gelesen?
Angefangen hat alles mit Leselöwengeschichten. Ich glaube, diese Bücher gibt es heute noch. In unserer Schulbücherei gab es viele Krimis für Kinder. Da waren auch die Drei ??? dabei. Die habe ich geliebt. Später habe ich dann Sherlock Holmes und Agatha Christie für mich entdeckt. Geschichten wie Hanni und Nanni waren nicht so meins. Auch konnte ich nichts mit Pferdegeschichten anfangen. Dann schon eher Fünf Freunde.
Du hast als Self Publisherin veröffentlicht, wie kam es zu diesem Entschluss?
Ich hatte mich bei mehreren Verlagen beworben, aber nur Absagen bekommen. Nachdem unser Kursleiter uns über die Möglichkeit informiert hatte, habe ich mich auf der Frankfurter Buchmesse schlau gemacht. Da das finanzielle Risiko überschaubar war, habe ich es einfach versucht.

 

Bist Du damit zufrieden?
Heute bin ich froh über diesen Entschluss. Man muss zwar alles selber machen, aber man darf auch alles selber entscheiden. Von der Geschichte über den Umfang bis hin zum Cover suche ich alles selber aus. Wenn mir ein Buch nicht mehr zusagt, dann lasse ich es halt erst liegen und nehme es mir später noch einmal vor. Es hat auch etwas von Freiheit, wenn man sein eigener Chef ist.

 

Wir haben uns ja auf der Tagung der Self Publisher getroffen, was hat Dir dieses Wochenende gebracht?
Als erstes natürlich, dass ich viele nette Leute wie dich getroffen habe. Das ist genauso wichtig, wie Fachwissen. Ich mag die Selfpublishing Days, weil man sich zum einen seine Workshops und Vorträge nach Interesse aussuchen kann und weil man viel dazulernen kann. Vor allem, wenn man gerade erst anfängt und vieles noch nicht weiß.

 

Hast Du Kontakt zu Autorenkollegen?
In der Tat. Mit den Kollegen aus den Schreibkursen treffe ich mich einmal im Monat. Wir haben uns die Osnabrücker Ersttäter genannt.
Auch habe ich auf den Messen und den SP-Days viele Kollegen kennengelernt, mit denen man in Kontakt ist. Es gibt viele, die ihr Wissen gerne teilen und begriffen haben, dass es keinen Sinn macht, sich gegenseitig als Konkurrenz zu sehen. Ich sage immer, wir verkaufen schließlich keine Kühlschränke, die man vielleicht alle 10 Jahre mal anschafft. Es ist doch viel schöner, wenn man sich gegenseitig unterstützt.
Hast Du Kontakt zu Lesern und vor allem zu Bloggern?
Da meine Bücher in meiner Geburtsstadt spielen, werde ich schon das eine oder andere Mal angesprochen. Auch habe ich schon viele positive Rückmeldungen per Email bekommen.
Meinen Kontakt zu Bloggern beschränkt sich im Moment noch auf dich. Aber das kann sich ja noch ändern. Ich bin ja noch nicht so lange dabei.
Wie wichtig ist Dir dieser Kontakt?
Natürlich sehr wichtig. Man schreibt Tage, Monate lang an einem Buch und möchte natürlich auch wissen, ob es gefällt. Wenn es ernst gemeinte und konkrete Kritik ist, dann nehme ich mir das auch sehr zu Herzen. Die Blogger sind da die Fachleute, denn sie lesen und kommentieren die Bücher ehrlich und konstruktiv. Es ist schön, wenn auf den Lesungen jemand kommt und sagt, dass er mein neues Buch unbedingt haben möchte, weil ihm die anderen gefallen haben. Das macht Lust, weiterzuschreiben.



Wie stehst du zu Lesungen?
Ich liebe Lesungen, sowohl als Leser, wie auch als Zuhörer. Es hat immer eine besondere Atmosphäre. Mit meinem lieben Kollegen, Harald Keller, gehe ich auf Lesetour. Das macht mir sehr viel Spaß. Aber ich sitze auch gerne im Publikum. Es ist schön, wenn Autoren stolz aus ihren Büchern lesen und ich hinterher ein signiertes Exemplar mitnehmen kann. Ich weiß ja, was es heißt, ein Buch fertigzustellen. Das sollte keine Leser vergessen, jeder Autor hat seine Energie und seine Leidenschaft in das Buch gesteckt und sich viel Mühe damit gemacht. Auch wenn es nicht gefällt, sollte man die Arbeit würdigen.
Wenn Du in die Vergangenheit reisen könntest, welchen verstorbenen Autor würdest Du gerne besuchen und warum?
Agatha Christie. Ich finde, dass sie unglaublich toll geschrieben hat. Man darf nicht vergessen, zu welcher Zeit sie gelebt hat. Ich würde mir gerne ein paar Tipps von ihr geben lassen.
Gibt es etwas, was Du uns Lesern schon immer mal sagen wolltest? Hier hast Du die Gelegenheit dazu:
Danke, dass ihr meinen Büchern Aufmerksamkeit schenkt. Ich freue mich, dass so viele Gefallen an meinen Büchern gefunden haben.
Vielleicht möchte ich erwähnen, dass ich in jedem meiner Bücher den Satz ` …. war nicht verschlossen´ eingebaut habe. Das habe ich bisher nur für mich gemacht, aber der eine oder andere Leser findet es vielleicht interessant.
Wie immer nenne ich meinen Interviewpartnern Namen und Begriffe und frage, was ihnen dazu einfällt. So auch bei Dir:
 
 
Jack London
Das war meine Freibeuterphase, da habe ich Seegeschichten verschlungen.
 
Astrid Lindgren
Rasmus und der Landstreicher. Für mich das beste Kinderbuch, das ich als Kind gelesen habe. Das Exemplar aus meiner Kindheit habe ich noch.
Enid Blyton
Fünf Freunde. Die Kassetten, die ich vor den Drei ??? gehört habe. Auch die habe ich noch.

Das doppelte Lottchen
Fand ich nie spannend.
Liebe Melanie, ich möchte mich bei Dir vielmals bedanken, dass Du Dir die Zeit genommen und Dich meinen Fragen gestellt hast
Hier möchte ich nun die Cover der bereits erschienen Bücher zeigen:

mehr Informationen zu den Büchern

gibt es auf der

Amazonautorenseite

klick hier

Weitere Informationen

über die Autorin gibt es auf der

Autorenseite Melanie Jungk

klick hier

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